Redakteur Christian Krall und der dramaturgische Bogen des süchtigen Tanzes um die eine oder andere ersehnte Zigarette. Bei Redakteurin Kerstin Wassermann fiebern viele „Krone“-Leser ob des Alkohol-Fastens mit, und warum es fast unmöglich ist, auf Smartphones zu verzichten, weiß Chefredakteur Hannes Mößlacher.
Ausgangssituation – eine Woche Urlaub. 1. Akt: Nach meinem „Rückfall“ und dem positiven Gespräch mit einer Psychotherapeutin, die mir den innerlichen Druck nahm: „Jede nicht gerauchte Zigarette, ist eine gute Zigarette“, kommt nun eine größere Herausforderung: Eine Woche Urlaub.
Was macht man im Urlaub? (hoffentlich) Entspannen. Was bedeutet Rauchen für mich? Entspannen. Erkennen sie das Problem? Mit dem Zug gings Richtung Bundeshauptstadt, am Programm: ein Potpourri aus Freunden, Kultur und Party.
Qualm umrahmte den glühenden Wurmmond
Nachdem ich mich mit einer Freundin zum Essen verabredete und die Sonne genoss, gings weiter, um mich mit meinem Bruder zu treffen. Ein wunderbarer familiärer Austausch über die schrulligen Eigenheiten einiger Verwandter. Später: Auftritt einer Freundin – gemeinsam wurde gelacht, getanzt und dann: der Tschick.
Beginn 2. Akt. Im Licht des Wurmmondes (Vollmond im März) stolperten wir endorphintrunken durch die Wiener Gassen. Einst wurde der Vollmond so genannt, da nach dem langen Frost im Winter die ersten Würmer in der Erde sichtbar wurden.
Vom Kettenraucher zum Gelegenheitsschnorrer
Und so wuchsen aus den Wiener Pflastersteinen Zigaretten – der Tanz um das Verlangen begann. Links vor, rechts seit, und dann wird mit links geschlossen: vom Kettenraucher zum Gelegenheitsschnorrer. Die Tage vergingen – auch bei meinem Abstecher nach Graz war das Rauchen ein Thema, ein umstrittenes. Von „Du schaffst das!“ bis hin zu „Ich liebe Rauchen – ich versteh‘ dich wirklich nicht“ – die Geister um das Genussmittel scheiden sich.
3. Akt – Die Konklusion: An vier Tagen wurde nicht gequalmt, an den weiteren drei durfte ich die eine oder andere Zigarette schnorren. Ich bin auf dem richtigen Weg – mittlerweile seit einigen Tagen wieder rauchfrei, und darauf bin ich stolz – es bleibt spannend.
Fehler! Das war wirklich falsch, diese Challenge vorzuschlagen und gleich noch zu übernehmen: Smartphone-Fasten! Klingt so gut, so zeitgeistig, so einfach, so notwendig; geht aber so gut wie nicht mehr. Dennoch: der Ehrgeiz befiehlt den Versuch, das gute iPhone bleibt zu Hause, für Erreichbarkeit ist ein Nokia dabei – ein Telefon halt.
Das Scheitern:
1.: Auto geht nicht auf; kein Smartphone erkannt...
2.: Einen Podcast hören auf dem Weg ins Büro? Fehlanzeige; womit denn?
3.: Schnelle Kontoabfrage? Sehr lustig...
4.: An der Ampel Termine prüfen. Mit dem „Telefon“?
5.: Schlagzeilen checken im Cafe? Unmöglich.
6.: Im Büro mit dem iPad wenigstens Whatsapp abfragen? Ginge nur mit QR-Code vom Smartphone.
7.: Schnelles Selfie-Video für ein Projekt? Okaaaaay...
8.: Dienstplan einsehen? Das Programm ist „smart“.
Die Erkenntnisse:
Warum haben wir uns so ausgeliefert?
In unserem Leben, speziell im Beruf des Journalisten, geht nichts mehr ohne Smartphone. Wann haben wir das eigentlich übersehen? Und warum haben wir uns so ausgeliefert? Es geht aber auch besser, beziehungsweise manche können es viel besser: Mehr dazu demnächst in Ihrer „Krone“.
Seit mein Alkohol-Fasten spruchreif geworden ist, erfreue ich mich reger Anteilnahme und vieler Fragen, die ich mir selbst noch gar nicht gestellt hatte: „Willst Du gleich ganz aufhören?“, will ein lieber Bekannter wissen. Er könne das nur empfehlen. Seit fünf Jahren gehe er komplett nüchtern durchs Leben. „Es macht so viel mehr Spaß“, findet er.
„Stört dich das nicht, nichts zu trinken?“
Eine Freundin dagegen wartet schon sehnsüchtig auf Ostern: Auch sie verzichtet derzeit auf Alkohol. Allerdings plagt es sie mehr als mich: „Mir geht es schon ab“, seufzt sie nach der „Krone“-Fastenlektüre. „Überall wird dir ein Glaserl angeboten, sogar beim Friseur oder beim Einkaufen. Stört dich das nicht, nichts trinken zu können?“ Bisher eigentlich nicht. Befremdlich finde ich eher, wo überall zu jeder Uhrzeit ein Sekt herumsteht. Und dass ich mich erklären muss, warum ich lieber nur ein Mineralwasser hätte.
Und dann habe ich auch noch eine Promille-Belehrung durch kirchlich Gelehrtere bekommen: „Die Sonntage sind vom Fasten ausgenommen. Sie haben also sowieso sechs Joker“, lerne ich. Lassen wir das einmal so stehen – vielleicht spendiere ich die Joker lieber meinen Kollegen Christian und Hannes; die haben’s zur Fasten-Zeit offenbar schwerer als ich...
Ach ja, was mir auch noch vorgeschlagen wurde: Alkoholfreien Prosecco, Wein, Bier, was auch immer probieren. Irgendwie käme mir das gerade wie Schummeln vor. Aber danke für das Angebot!
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