US-Präsident Donald Trump bringt die Situation in der Straße von Hormuz nicht unter Kontrolle. Wenn es nach ihm geht, sollen die NATO-Partner seinen Streitkräften jetzt helfen. Doch sein Verlangen verknüpfte er mit Drohungen, die innerhalb des Bündnisses gar nicht gut ankamen.
Trump gibt sich auf der internationalen Bühne stets breitbeinig, besonders gegenüber Verbündeten schlägt er gerne schroffe Töne an. Das könnte sich nun rächen. Der US-Präsident warnte die NATO vor einer „sehr schlechten Zukunft“, sollte das Bündnis den USA im Iran-Krieg nicht zu Hilfe eilen.
Trump droht seinen Partnern
Sein Land sei „sehr entgegenkommend“ gewesen bei der Hilfe für die Ukraine. „Jetzt werden wir sehen, ob sie uns helfen. Denn ich habe schon lange gesagt, dass wir für sie da sein werden, aber sie nicht für uns“, schoss Trump vor allem Richtung Europa – und sich selbst ins Aus.
Denn der Ukraine-Vergleich schmerzt die Europäer gleich auf mehreren Ebenen. Staaten wie Deutschland oder Großbritannien haben die USA längst als größte Geldgeber für Kiew abgelöst. Dass Trump im Zuge seines Krieges gegen den Iran die Sanktionen auf russisches Öl aufgehoben hat, sorgte in europäischen Regierungsstuben ebenfalls für Fassungslosigkeit.
Die schmale Wasserstraße zwischen dem Iran und Oman ist der einzige Wasserweg für Öl- und Gasförderländer wie Kuwait, den Iran, den Irak, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Die Ölpreise kletterten am Montag kurzzeitig auf den höchsten Stand seit 2022. Hohe Ölpreise könnten den Vereinten Nationen zufolge die Lebenshaltungskosten in die Höhe treiben und eine weitere Krise auslösen, ähnlich wie nach der russischen Invasion der Ukraine 2022.
Ein längerer Konflikt könnte zudem eine Verknappung von Düngemitteln verursachen und damit die globale Ernährungssicherheit gefährden. Dem Analyseunternehmen Kpler zufolge werden etwa 33 Prozent der weltweiten Düngemittel durch die Meerenge transportiert.
Dass jener Mann, der nur in Superlativen von sich selbst spricht und die Weltwirtschaft im Alleingang ins Wanken bringt, seinen Hilferuf überdies an Drohungen knüpfte, wird das ohnehin kühle Verhältnis zu den europäischen Partnern auch nur bedingt aufwärmen.
Der britische Premier Keir Starmer betonte zwar die Wichtigkeit der Straße von Hormuz, erteilte Trumps Ansinnen aber eine deutliche Absage. „Das wird keine NATO-Mission sein und war auch nie als eine solche vorgesehen“, sagte Starmer am Montagvormittag in London.
Trump kassiert Absagen aus Europa
Großbritannien werde sich nicht in einen größeren Krieg hineinziehen lassen. Es würden jedoch alle nötigen Maßnahmen getroffen, „um uns und unsere Verbündeten zu verteidigen“. Im östlichen Mittelmeer wurden beispielsweise mehrere iranische Raketen abgefangen, die auf die Türkei zurasten.
Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte bereits vor Trumps Forderung erklärt, mehrere europäische und asiatische Länder planten eine gemeinsame Schutzmission – allerdings erst nach Ende des Konflikts.
Deutliche Abfuhr aus Berlin
„Dieser Krieg hat mit der NATO nichts zu tun. Das ist nicht der Krieg der NATO“, betonte auch der deutsche Regierungssprecher Stefan Kornelius am Montag in Berlin. Sie sei ein Bündnis zur Verteidigung des Bündnisgebietes. Es fehle auch ein Mandat, um die NATO einzusetzen.
„Es ist nicht unser Krieg, wir haben ihn nicht begonnen. Wir wollen diplomatische Lösungen und ein schnelles Ende, aber weitere Kriegsschiffe in der Region tragen dazu im Zweifel nicht bei“, wurde der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius deutlich.
„Was erwartet Donald Trump von einer Handvoll oder zwei Handvoll europäischen Fregatten dort in der Straße von Hormuz zu leisten, was die machtvolle amerikanische Navy dort allein nicht hinbekommen kann?“, fragte ein sichtlich entnervter Pistorius gegenüber Reportern am Montag.
„Wir haben eine Verantwortung für die Ostflanke und für den Atlantik, insbesondere als Deutschland in unserer geopolitischen Lage. Das ist unsere erste Verantwortung. Alles andere sind Dinge, die dazukommen können im Einzelfall oder eben auch nicht“, erklärte er.
Ein Militäreinsatz in der Meeresenge wäre zudem höchst komplex und gefährlich. Die konventionelle Marine des Irans ist zwar weitgehend zerstört, doch die Revolutionsgarden verfügen über zahlreiche andere Möglichkeiten. Dazu gehörten schnelle Angriffsboote, Mini-U-Boote, Minen und sogar mit Sprengstoff beladene Jet-Skis, erklärte zuletzt Tom Sharpe, ein pensionierter Kommandeur der britischen Royal Navy.
Die USA bleiben Antworten schuldig
Dem Vernehmen nach konnten die USA ihren Verbündeten zudem noch immer nicht klarmachen, welche militärischen Ziele sie mit diesem Krieg verfolgen und wie sie ihn zu Ende bringen wollen. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte dies zuletzt öffentlich nach seinem Besuch im Weißen Haus.
Bereits 2011 warnte ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, die Straße von Hormuz zu blockieren, sei „leichter als ein Glas Wasser zu trinken“. Zu dieser bitteren Erkenntnis scheint allmählich auch der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu kommen. Die NATO-Partner jetzt für die eigens fabrizierte Sackgasse bei unterlassener Hilfeleistung verantwortlich zu machen, wird die Blockade wohl kaum lösen können.
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