Die globale Versorgungskette ist wegen der Hormuz-Blockade gehörig ins Wanken geraten. Doch Auswertungen zeigen, dass das Mullah-Regime noch immer erfolgreich Tanker durch die enge Wasserstraße schleust – was die USA zu einem extrem riskanten Schlag verleiten könnte.
Wenn das Öl nicht mehr frei auf den Weltmarkt fließt, wird alles teurer. Hierzulande wurde das zuerst an den Zapfsäulen evident. Analysten werden nicht müde zu betonen, wie gefährlich die aktuelle Situation tatsächlich ist. Öl ist in unseren Versorgungsketten fast überall eingepreist.
Abseits des Energiesektors drohen weitere Preisschocks, da in der Straße von Hormuz noch andere Rohstoffe wie Aluminium blockiert werden. Die Eskalationsspirale ist laut Experten endlos.
„Die Realität des globalen Ölmarkts ist, dass eine einzelne Versorgungsunterbrechung überall zu einem Preisschock führt, weil Öl global bepreist wird“, erklärte Branchenexperte Bob McNally dem Sender CNN. Der ehemalige Berater von US-Präsident George W. Bush fügte hinzu: „Wenn man so will, sitzen wir alle in derselben Preis-Achterbahn.“
Das Mullah-Regime macht in der Straße von Hormuz aktuell nichts anderes, als diesen Umstand als Waffe gegen die USA und Israel einzusetzen. In der Hoffnung, dass der Druck innen- wie außenpolitisch so groß wird, dass die Trump-Netanyahu-Allianz einknickt.
(Fast) nichts geht mehr
Die iranischen Streitkräfte haben eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt praktisch von der Außenwelt abgeschnitten und ausbluten lassen. Vor allem aus den Golfstaaten kommt praktisch nichts mehr durch. Ein Desaster nicht nur für die Region, sondern auch für den Westen.
Jüngste Datenerhebungen zeigen, wie fest die Straße von Hormuz in iranischer Hand ist. Allen Angriffen und Drohungen zum Trotz schaffen es vor allem die Tanker der Mullahs durch die Wasserstraße. Seit Kriegsbeginn am 28. Februar hat der Iran laut „TankerTrackers.com“ mindestens 13,7 Millionen Fass Rohöl durch die Meerenge geschleust. Zur Einordnung: Das entspricht beinahe jener Menge, die vor dem Krieg durchschnittlich exportiert wurde.
„TankerTrackers.com“ überwacht Schiffsbewegungen per Satellit und kann so auch jene Schiffe erfassen, die ihre Ortungssysteme abschalten, um unentdeckt zu bleiben. Viele Tanker sind laut Branchenexperten „dunkel geworden“, nachdem Teheran gedroht hatte, jedes Schiff anzugreifen, das die Passage zu durchqueren versucht.
China kauft und Trump wütet
Nun stellt sich die Frage: Wer kauft überhaupt noch Öl vom Mullah-Regime? Den Satellitenbildern zufolge nahmen alle Tanker Kurs auf China. Das stellt ein enormes Problem für Trump dar. Der Republikaner kämpft seit Tagen mit sinkenden Zustimmungswerten für einen Krieg, der von Anfang an unbeliebt innerhalb der US-Bevölkerung war.
Zuletzt forderte er angesichts der neuen Preiskrise die in der Region festsitzenden Schiffe auf, „etwas Mut zu zeigen“ und den Kanal zu durchfahren. In einem Interview mit Fox News sagte er provokant: „Es gibt nichts zu befürchten, sie haben keine Marine, wir haben alle ihre Schiffe versenkt.“ Schiffe, die seinem Rat folgten, gingen in den vergangenen Stunden in Flammen auf.
Und während jene Tanker brennen, denen der US-Präsident Schutz versprochen hatte, herrscht 600 Kilometer entfernt am iranischen Hauptterminal auf der Insel Kharg Hochbetrieb. Die kleine Öl-Oase im Persischen Golf könnte nun zur zentralen Figur im Konflikt zwischen den USA und dem Iran werden.
Kleine Insel, große Wirkung
Ein großer Teil der Ölproduktion wird von dort verschifft. Das iranische Öl wird über Pipelines nach Kharg geleitet, da die Küstengewässer für Supertanker zu seicht sind. Von dort aus wird das „schwarze Gold“ dann in die Welt exportiert und spült dringend benötigtes Geld in Irans Kassen, das für die Kontrolle der eigenen Bevölkerung und die Finanzierung seiner Terror-Milizen unerlässlich ist.
Wer also den Geldfluss an das Regime stoppen will, muss die Lebensader des Iran durchschneiden. Das wird im politischen Washington auch debattiert, wie US-Medien berichten. Das wirtschaftliche Herz der islamistischen Diktatur wurde bisher aus gutem Grund verschont – denn ein Angriff wäre mit gewaltigen Risiken verbunden.
Trumps Vorgängern war die Mission zu heiß
Michael Rubin, ein ehemaliger Pentagon-Berater, bezeichnete die Eroberung der Insel zuletzt als „ultimativen Schachzug gegen den Iran“. Eine Besetzung des Ölterminals sei sinnvoller als Bombardierungen, da sie dem Regime die Finanzierungsquelle entziehe. „Wenn sie ihr eigenes Öl nicht verkaufen können, können sie ihre Gehälter nicht bezahlen.“
Die Idee ist nicht neu und die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Bereits während der Geiselnahme von US-Diplomaten 1979 unter Präsident Carter wurde eine Besetzung von Kharg erwogen, aber verworfen. Auch Ronald Reagan ließ die Insel unangetastet, obwohl er andere iranische Ölplattformen zerstören ließ. Doch Trump ist dafür bekannt, gerne einen Schritt weiterzugehen als seine Vorgänger.
Eine solche Operation würde Bodentruppen erfordern. Die Insel ist vermint und militärisch gesichert. US-Soldaten wären Militärexperten zufolge auf engstem Raum iranischen Drohnen- und Raketenangriffen ausgesetzt. Zudem würde ein solcher Angriff die globalen Ölpreise unweigerlich in die Höhe schnellen lassen, mit unkalkulierbaren Folgen für die Weltwirtschaft.

Alleine Berichte über Explosionen nahe der Insel hatten Ende Februar Tumulte auf den Ölmärkten ausgelöst. Schätzungen des „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) in Washington zufolge könnte ein Angriff auf die Insel oder eine Unterbrechung der Ölexporte die Preise um rund 100 Dollar pro Barrel nach oben treiben.
Also in Höhen, die man sich nicht einmal vorstellen mag. Irans Parlamentspräsident hat die USA und Israel jedenfalls vorsorglich vor einem Angriff auf Inseln im Persischen Golf gewarnt. „Jede Aggression gegen den Boden der iranischen Inseln wird alle Zurückhaltung zunichtemachen“, schrieb Mohammed Bagher Ghalibaf auf X.
„Wir werden den Persischen Golf mit dem Blut der Invasoren tränken“, fügte der frühere General hinzu. Das „Blut der amerikanischen Soldaten“ liege nun in Trumps persönlicher Verantwortung.
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