„Haben uns gewöhnt“

So reagieren Piloten im Nahen Osten auf den Krieg

Ausland
16.03.2026 17:33
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der Irak, Kuwait und Bahrain haben ihren Luftraum aufgrund des Nahost-Kriegs bereits geschlossen. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde am Montag vorübergehend der Flugverkehr ausgesetzt. Dennoch steuern Pilotinnen und Piloten immer wieder Flugzeuge, wenn am Himmel Drohnen, Raketen und Marschflugkörper fliegen. Einige Länder haben zum Beispiel ein Notfallsystem.

„Piloten und Kabinenpersonal werden auf schwierige Situationen vorbereitet“, sagt die Mitarbeiterin einer großen Fluggesellschaft in einem der Golfstaaten. Wenn Pilotinnen und Piloten die Bedingungen für unsicher hielten, hätten sie das Recht, den Flug abzulehnen. „Fluggesellschaften werden niemals zulassen, dass ein Flugzeug in einem Luftraum fliegt, der als unsicher eingestuft wird“, sagte sie weiter.

Dennoch kamen einige Passagierflugzeuge den Angriffen im Iran-Krieg in den vergangenen Tagen gefährlich nahe. So kehrte eine Emirates-Maschine aus Indien auf dem Weg nach Dubai aufgrund von Raketenangriffen um, steuerte nach der Abwehr aber wieder auf Dubai zu und landete schließlich auch dort. Eine solche „doppelte Wende“ gilt als äußerst selten.

Hier sehen Sie ein Video aus der Region:

In Katar und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gilt das Notfallsystem ESCAT. Dabei kann die Flugsicherung sofort Kursänderungen oder Landungen für bestimmte Zonen in der Luft vorschreiben, um beispielsweise den Abschuss von Drohnen und Raketen zu ermöglichen. „Wir haben uns daran gewöhnt“, sagt ein Pilot einer großen arabischen Airline. Es sei unvermeidlich, in problematischen Regionen im Einsatz zu sein. Pilot und Copilot versuchten jedoch alles, um Risiken so gering wie möglich zu halten – etwa mit zusätzlichem Treibstoff für mögliche Kursänderungen oder durch die Bitte um eine alternative Route, sagte er weiter.

„Business as usual“
In Beirut sei das inzwischen „business as usual“, sagte ein Mitarbeiter des Flughafens. Die Pilotinnen und Piloten würden weiter fliegen, damit der Libanon nicht vom Rest der Welt abgeschnitten werde. Einen besonderen Ruf hat die staatliche Middle East Airline, die schon im jüngsten Krieg zwischen Israel und der Hisbollah weiter flog, teils während laufender Explosionen in Sichtweite der Startbahn. Von den MEA-Maschinen, die unter Explosionen und Rauch starten und landen, sind einige Videos viral gegangen.

„Absoluter Wahnsinn“
„Ich würde in der Gegend im Moment nicht fliegen wollen. Die ganze Gegend ist ein aktives Konfliktgebiet“, meinte hingegen ein anderer Pilot. Einige sprechen gar von „absolutem Wahnsinn“ und prognostizieren, dass die Flüge nur so lange laufen würden, bis es zu einer großen Katastrophe komme, etwa durch einen Unfall oder den gezielten Abschuss einer Passagiermaschine.

Solch schwere Vorfälle während Konflikten in Nahost gab es bereits. 2020 schoss Irans Luftabwehr eine ukrainische Maschine inmitten militärischer Spannungen mit den USA kurz nach dem Start in Teheran ab. Alle 176 Menschen an Bord wurden getötet. 1988 schoss ein US-Kreuzer ein iranisches Passagierflugzeug über der Straße von Hormuz ab – alle 290 Passagierinnen und Passagiere kamen ums Leben.

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