Ein neuer „Poppstar“

Tabubrüche: Ikkimel liefert Tipps zum „Baddie“

Musik
15.05.2026 05:00

Spätestens seit ihrem Debütalbum „F*otze“ ist Ikkimel wohl jedem ein Begriff. Die Berlinerin hat sich in den letzten drei Jahren zu einer festen Größe im Deutschrap entwickelt und legt nun mit zweitem Werk „Poppstar“ nach. Zwischen Provokation, Tabubrüchen und tanzbaren Clubbeats, wir haben alles dabei – Die „Krone“ durfte, die Platte genauer unter die Lupe nehmen.

kmm

„Auf der Lauer, auf der Lauer liegt ’ne kleine Wanze, sie nennen mich Schl*mpe, ich nenn mich Genie“, rappt Melina Gaby Strauß alias Ikkimel auf ihrem neuen Album „Poppstar“. Die 28-jährige Berlinerin sorgte bereits im vergangenen Jahr mit ihrem Debütalbum „F*tze“ für Aufsehen. Sie gehört wohl zu den wenigen Künstlerinnen, die nicht nur laut denken, sondern alles auch laut aussprechen. Ikkimel ist wirklich alles, nur nicht zurückhaltend – und genau damit hat sie sich in den vergangenen drei Jahren als fixe Größe im deutschen Rap etabliert. Selbst Rapperinnen wie Katja Krasavice feiern sie bereits, eine gemeinsame Zusammenarbeit gab es ebenfalls schon. Doch wie kann jemand, der derart polarisiert, gleichzeitig so erfolgreich sein?

Denn die Berlinerin ist alles andere als gewöhnlich. Ihre Reime sind definitiv nichts für ein zu junges Publikum. Wer also glaubt, auf einem Ikkimel-Album gehe es um Blümchen, Bienchen und harmlose Poptexte, hat sich gewaltig geschnitten. Gibt man Melina Gaby Strauß bei Google ein, stößt man neben ihrer Musik auch schnell auf Aussagen darüber, warum sie überhaupt mit Musik begonnen hat. „Ich hab immer gern Rap gehört und Party gemacht, gerne gefreestyled mit Freunden etc. Anfang Corona ist mein Vater gestorben an Blutkrebs. Das war nach Jahren der Pflege dann der Punkt, wo ich dachte: Man lebt nur einmal. Ich scheiß jetzt auf alles und mach einfach das, was mir Spaß macht.“ – und genau das tut sie offensichtlich.
Neben vier Auszeichnungen im vergangenen Jahr, darunter zwei 1-Live-Kronen als „Bester Newcomer Act“ und „Bester Party Song“, verzeichnet Ikkimel mittlerweile mehr als 2,2 Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Da stellt sich automatisch die Frage: Wer hört eigentlich sowas?

„Ti-Tipps von mir wie man eine Baddie wird“: Die Rapperin setzt auch optisch auf Provokation und ...
„Ti-Tipps von mir wie man eine Baddie wird“: Die Rapperin setzt auch optisch auf Provokation und maximale Aufmerksamkeit.(Bild: Jonas Unden)

Von Scheren und Kokosnüssen
Schon beim Start des Albums merkt man diese gewisse Spannung: Was erwartet einen hier eigentlich? Eines vorweg – leichte Kost ist „Poppstar“ definitiv nicht. Der Opener „Was jetzt“ beginnt überraschend melodisch und schlägt zunächst einen ganz anderen Ton an als erwartet. Normalerweise kennt man Ikkimel eher schnell, laut und kompromisslos. „Was jetzt? Ich glaub die haben mich unterschätzt … schöne Grüße an meinen Ex“, rappt sie fast schon gesungen. Kurz entsteht tatsächlich der Eindruck eines möglichen Soundwechsels. Doch lange hält dieser Moment nicht an. Schon wenig später wird es wieder schneller und man merkt: Nein, Ikkimel bleibt Ikkimel.

Spätestens bei „Schere“ ist endgültig klar, wohin die Reise geht. Hier gibt es auch gleich das erste Feature mit Rapperin – und Achtung - Kneipenbesitzerin Pintendari. Worum es in „Schere“ geht, kann man sich ungefähr vorstellen. Noch deutlicher wird es bei „Kokosnuss“. Liebe, Sex und Zärtlichkeit spielen auch hier eine Rolle – allerdings alles andere als romantisch: „Uh yeah, Sex am Strand, sex on the beach oder Sex ohne Namen …“ Leichte Kost bleibt „Poppstar“ also weiterhin nicht.
Tatsächlich erinnert Ikkimel stellenweise an Rapper wie Ski Aggu. Beide nehmen kein Blatt vor den Mund und bewegen sich irgendwo zwischen Party, Provokation und völliger Eskalation. Umso witziger wirken die Gerüchte, dass die beiden zwischen 2024 und 2025 ein Paar gewesen sein sollen. Ob daran wirklich etwas dran war oder ob es nur ein gelungener PR-Gag blieb, weiß wohl niemand so genau. 

Handbuch zum Bad Girl
Sechs Songs wurden bereits vorab veröffentlicht, der Rest erscheint nun komplett. Schon anhand der bisherigen Tracks zeigte sich, welche Produzenten auf dem Album mitmischen. Neben Florida Juicy und Barré ist auch das Produzenten-Kollektiv nocashfromparents vertreten, das für moderne Hyperpop-Elemente und harte Clubsounds bekannt ist.

Der Song „Tipps von mir“ sagt eigentlich schon alles. Hier erklärt Ikkimel fast schon, wie man zur „Baddie“ wird – also zum bösen Mädchen. „Sie woll’n Tipps von mir, wie man eine Baddie wird“, rappt sie und liefert gleich die passenden Regeln dazu. Ob man diese mit 16 wirklich hören sollte, sei einmal dahingestellt.

Das große Finale
Umso überraschender wirkt dann plötzlich „Country Girl“. Der Song lebt von sanften Gitarrenriffs, erzählerischen Melodien und amerikanischem Country-Flair. Es geht um „Holy“, ein Mädchen aus einer Kleinstadt – und plötzlich fehlen sie: die vulgären Begriffe, die schamlosen Punchlines und die bewussten Grenzüberschreitungen. Stattdessen bekommt man für einen kurzen Moment Ruhe. Nach all den schnellen Beats und den überzeichneten Provokationen wirkt „Country Girl“ fast wie eine kleine Verschnaufpause. Wer sich die CD oder Vinyl-Version holt, bekommt mit „Für Svenni“ zusätzlich noch eine echte Überraschung serviert. Der Bonustrack ist eine ruhige Ballade mit Klavierklängen und deutlich emotionaler Stimmung. Ein starker Kontrast zu den „Baddie“-Tipps und den exzessiven Partytracks davor.

Fazit: „Poppstar“ liefert genau jene Schockmomente, für die Ikkimel mittlerweile bekannt ist. Das Album provoziert bewusst, überschreitet Grenzen und lebt von dieser kompromisslosen Attitüde zwischen Party, Vulgarität und Eskalation. Gleichzeitig zeigt die Berlinerin aber auch neue Seiten von sich. Gerade die ruhigeren Songs am Ende sorgen überraschend für einen kurzen Moment des Innehaltens. Hinter all der Provokation steckt also doch mehr als bloßer Schockfaktor – und vielleicht sogar mehr Gefühl, als Ikkimel selbst zugeben würde.

Am 22. August steht die Rapperin beim Frequency in St. Pölten auf der Bühne. Weitere Informationen rund um das Festival gibt es auf www.frequency.at – dort sind auch Tickets erhältlich.

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