Ein möglicher Mega-Deal im europäischen Bankensektor sorgt für Aufsehen – und könnte auch Österreich betreffen: Die italienische Großbank UniCredit, Mutterkonzern der Bank Austria, hat ein freiwilliges Übernahmeangebot für die deutsche Commerzbank angekündigt. Der Vorstoß hat ein Volumen von rund 35 Milliarden Euro und stößt in Deutschland bereits auf massiven Widerstand.
Die Bank mit Sitz in Mailand bietet den Aktionären der Commerzbank eigene Aktien an. Konkret sollen sie rund 0,485 UniCredit-Aktien je Anteilsschein erhalten. Das entspricht laut Unternehmen einem Wert von etwa 30,80 Euro pro Aktie und damit einem Aufschlag von rund vier Prozent auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag.
Übernahme mit rechtlichen Hürden
Mit dem Angebot will UniCredit-Chef Andrea Orcel die Führung der Commerzbank zu Gesprächen bewegen und die bestehende Beteiligung weiter ausbauen. Nach Angaben der italienischen Bank hält UniCredit derzeit bereits rund 26 Prozent direkt sowie weitere knapp vier Prozent über Finanzderivate an dem deutschen Institut.
Hintergrund ist auch eine rechtliche Hürde: Überschreitet ein Investor in Deutschland die Beteiligungsschwelle von 30 Prozent, muss er ein verpflichtendes Übernahmeangebot in bar vorlegen. Weil die Commerzbank derzeit eigene Aktien zurückkauft, könnte sich der Anteil von UniCredit automatisch erhöhen. Mit dem nun vorgelegten freiwilligen Angebot in Aktien will die italienische Bank diese Situation vermeiden.
Wenig Freude in Deutschland
In Deutschland stößt der Vorstoß jedoch auf breite Ablehnung. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp wies das nicht abgesprochene Angebot zurück und betonte, das Institut setze weiterhin auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum. Das vorgeschlagene Umtauschverhältnis biete den eigenen Aktionären faktisch keine Prämie.
Auch die deutsche Bundesregierung steht den Plänen kritisch gegenüber. Der Staat hält seit der Finanzkrise 2008 noch rund zwölf Prozent an der Commerzbank. Ein Sprecher des Finanzministeriums bezeichnete den Vorstoß als feindliche Übernahme, die bei einer systemrelevanten Bank nicht akzeptabel sei. Zudem warnt die Gewerkschaft ver.di im Fall einer Fusion vor möglichen Jobverlusten.
Unicredit will keine vollständige Kontrolle
Orcel verteidigte das Angebot bei einer Telefonkonferenz. Ein weiteres Abwarten sei für beide Seiten nicht optimal, sagte der UniCredit-Chef. Das Offert solle helfen, die rechtliche Schwelle im deutschen Übernahmerecht zu überwinden und einen konstruktiven Dialog zu ermöglichen. Eine vollständige Kontrolle über die Commerzbank werde derzeit jedoch nicht angestrebt.
Die Angebotsunterlagen sollen voraussichtlich Anfang Mai veröffentlicht werden – vorausgesetzt, die Aktionäre von UniCredit stimmen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 4. Mai zu. Danach läuft eine Annahmefrist von vier Wochen. Parallel prüfen sowohl die Europäische Zentralbank als auch das deutsche Bundeskartellamt die Pläne.
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