System hat einen Haken

Warum „grüne“ Politik auch den Öko-Strom verteuert

Wirtschaft
15.03.2026 21:30

Ausgerechnet die umweltfreundliche CO₂-Bepreisung verteuert grünen Strom. Denn wegen der sogenannten Merit-Order gibt immer das teuerste Kraftwerk den Preis auch bei Wind- und Wasserkraft vor, inklusive der CO₂-Kosten, die dabei anfallen. Staatssekretärin Elisabeth Zehetner will nun auf EU-Ebene dieses „paradoxe Zusammenspiel“ beenden.

Die „Merit-Order“ am Energiemarkt stand schon häufiger in der Kritik. Bei hohem Strombedarf gibt immer das teuerste, noch benötigte Kraftwerk den Preis vor. Das verteuert dann auch günstig produzierten Wind- und Sonnenstrom. Generell folgt das schon einer Logik: Strom hat kein „Mascherl“, Megawattstunde ist Megawattstunde – und dank dieser Regel kommt günstiger grüner Strom immer zuerst ins Netz.

Energie-Staatssekretärin Zehetner
Energie-Staatssekretärin Zehetner(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

Staatssekretärin Elisabeth Zehetner will an dem „bewährten Modell“ auch nicht rütteln. Doch es gibt einen Haken, den die EU beseitigen sollte: „Setzt ein fossiles Kraftwerk den Preis, verteuert der CO₂-Preis automatisch auch grünen Strom, das ist paradox“, so Zehetner. Das bremst wiederum die Elektrifizierung von Industrie und Mobilität und verteuert die „grüne Transformation“. Kosten für CO₂-Zertifikate werden nämlich direkt auf den fossil erzeugten Strom draufgeschlagen.

Diese Zertifikate sind Freimengen von Emissionen, die am Markt gekauft und dann eben als Kosten weitergegeben werden.

Wenn der Wind nicht reicht, kommen fossile Quellen dazu
Ein Beispiel veranschaulicht das Problem: Erneuerbare Energien wie Wind, Wasser und Solar stellen Strom günstig her und – da sie umweltfreundlich sind– ohne CO₂-Kosten. Doch reichen sie nicht aus, kommen fossile Kraftwerke dazu. Sie müssen aber CO₂-Zertifikate kaufen, was die Kosten ziemlich erhöht. Produziert ein Gaskraftwerk zum Beispiel Strom für 90 Euro pro Megawattstunde, kommen noch 30 Euro CO₂-Kosten dazu, der Marktpreis beträgt dann 120 Euro, und dieser Marktpreis gilt dann auch für grüne Energie.

Länder wie Österreich hier im Nachteil
Auf EU-Ebene soll ein Ausweg gefunden werden. Die CO₂-Kosten der Fossilen sollen eher wie ein „Durchlaufposten“ behandelt werden und nicht den Marktpreis mitbestimmen und nach oben treiben. International wollen das „Merit-Order“-System einige andere Staaten wie zum Beispiel Italien ebenfalls reformieren. „Vor allem Länder mit viel erneuerbarer Energie, wie Österreich, sind hier im Nachteil“, betont Zehetner, die am EU-Ministerrat in Brüssel einen Vorschlag vorlegen wird. 

Jetzt ist auch noch ausreichend Zeit für eine Reform, um im Winter gerüstet zu sein. Sonst kommt mit dem Zuschalten der Gaskraftwerke eine Strom-Verteuerung auf die Österreicher zu, „dank“ grüner CO₂-Umweltpolitik. 

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