Ehrlicher Skistar:

„Man sollte nicht so einen Stock im Arsch haben“

Ski Alpin
04.05.2026 22:10

Er gewann heuer alle fünf Kristallkugeln im Weltcup, dazu 3 x Gold und 1 x Bronze bei den Paralympics in Cortina. Johannes Aigner, der am 29. April seinen 21. Geburtstag feierte, hat diesen Winter Geschichte geschrieben. „Hansi“ ist aber auch abseits der Piste ein Multitalent. Und trotz seines jungen Alters verfügt der sehbehinderte Skistar über eine bemerkenswerte Reife. Das zeigte der Niederösterreicher einmal mehr in einem „Sky“-Interview.

Aigner ist ein absolutes Multi-Talent. Bei der Feier nach dem Abfahrtssieg bei den Paralympics in Cortina spielte „Hansi“ auf der „Quetschn“, die er in den Monaten zuvor via Online-Kurs gelernt hatte. Die Gitarre beherrscht er schon länger. Beim Empfang nach den Paralympics in China fand Johannes großen Gefallen am Tanzen. Bei der Landjugend lernte er es mit Freundin Lena so gut und so schnell, dass er schon 2023 mit Schwester Elisabeth den Opernball eröffnete. Weiters repariert der IT-Spezialist Computer und Smartphones: „Man braucht dafür eine gute Feinmotorik in den Fingern, die habe ich.“

Mit seiner Schwester Elisabeth eröffnete Johannes Aigner 2023 den Opernball.
Mit seiner Schwester Elisabeth eröffnete Johannes Aigner 2023 den Opernball.(Bild: Petra Aigner)

Daheim in Trattenbach im Bezirk Neunkirchen ist Johannes der Handwerker für alles: „Ich eigne mir gerne verschiedene Dinge an, das macht mir Spaß. Trotz seiner Sehbeeinträchtigung hat er auch kein Problem mit dem Aufhängen von Lampen: „Man muss sich nur alles genau anschauen. Dann funktioniert es auch.“

Johannes Aigner feierte nach seinem Abfahrts-Gold in Cortina mit der „Quetschn“.
Johannes Aigner feierte nach seinem Abfahrts-Gold in Cortina mit der „Quetschn“.(Bild: GEPA)

Fotografie als großes Hobby
Ein weiteres großes Hobby von ihm ist die Fotografie. Ein Schwerpunkt sind Porträts. Beim Sommer-Interview im Stadtcafe Gloggnitz zeigte „Hansi“ vergangenes Jahr aber spektakuläre Motocross--Fotos: „Ich fotografiere Freunde und auch einen Cousin.“ Früher fuhr er auch selbst Motocross mit seinem früheren Guide Matteo Fleischmann: „Das mache ich jetzt aber nicht mehr. Die Verletzungsgefahr ist zu groß.“

Mama Petra sagt über ihn: „Ich bin immer wieder überrascht, wie weit er schon trotz seines jungen Alters ist.“ Beim „Sky“-Format „RIESENrad – Sportgrößen im Waggon 28 zeigte Johannes einmal mehr seine Reife, gab Moderatorin Kimberly Budinsky starke Antworten.

Mit Guide Nico Haberl räumte Johannes Aigner heuer im Weltcup alle Kugeln ab.
Mit Guide Nico Haberl räumte Johannes Aigner heuer im Weltcup alle Kugeln ab.(Bild: Ski Austria)

„Das ist richtig beschissen“
Über seine angeborene Sehbehinderung sagte der Niederösterreicher: „Meine Mama hat diese Behinderung auch. Somit hat sie gesagt, dass sie die Kinder ganz normal aufwachsen lassen möchte. Sie hat gewusst, dass gewisse Sachen möglich sind. Manchmal sagt man, dass die Eltern wissen, was sie tun, aber hin und wieder weiß das Kind trotzdem besser, was es motorisch kann. Die Mama hat sich da nicht so viele Sorgen gemacht. Sie hat es verstanden und hatte nicht diese Angst an sich. Von dem her ist es schon ein wesentlicher Punkt, bei dem ich glaube, dass es mir jetzt im Leben im Nachhinein sehr hilft. Man macht das Beste daraus. Der Führerschein ist ein großes Thema. Das ist richtig beschissen. Du bist trotzdem nicht so mobil in dem Sinne und bist immer auf jemanden angewiesen. Das ist der größte Nachteil.“

Zu den Vorurteilen gegenüber einer Behinderung meinte Aigner: „Die Leute stellen sich einen Sehbehinderten immer mit Blindenstock, Schleife und tollpatschig vor. Es gibt zwar ein Lehrbuch, aber es ist immer individuell. Grundsätzlich kommt es mir so vor, als würden die Leute die Behinderten in Watte einpacken. Ich würde sagen, dass man sie normal behandeln sollte. Wenn ich Hilfe brauche, dann sage ich es schon. Man sollte nicht so einen Stock im Arsch haben.“

Bei den Paralympics in Cortina gewann Johannes Aigner 3 x Gold und 1 x Bronze.
Bei den Paralympics in Cortina gewann Johannes Aigner 3 x Gold und 1 x Bronze.(Bild: GEPA)

„Sind bei der FIS, aber nur am Papier“
Ein schwieriges Thema bleiben die Preisgelder im Weltcup: „Während wir bei den Paralympics für Gold 15.000 Euro, für Silber 13.000 Euro und für Bronze 11.000 Euro bekommen, gibt es bei den meisten Weltcup-Rennen gar nichts. Es wäre eher dankbarer, wenn es kein Nullerspiel im Weltcup geben würde. Das Preisgeld zahlt die FIS aus. Wir sind zwar bei der FIS, aber anscheinend nur am Papier, weil sonst hätten sie es ein bisschen gleichgestellt. Wenn wir Preisgeld bekommen, was jetzt nicht viel ist, macht es eher der Veranstaltungsort. In Frankreich waren es bei den Technikdisziplinen 100 Euro und bei den Speeddisziplinen 500 Euro. Frankreich ist da ein Vorreiter. Es geht nicht von der FIS aus, sondern vom Veranstalter. Wenn ich nicht beim Bundesheer wäre, könnte ich kein Skifahrer sein.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

KMM
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung