Im Juli 2023 drückte Christian Mattura während eines lauschigen Sommerabends im Wiener Nobelitaliener Il Cavalluccio während eines Gesprächs mit Christian Pilnacek auf den Aufnahmeknopf. Im Untersuchungsausschuss zum Tode des früheren Sektionschefs erläutert er nun seine Motivation – und sorgt dabei für einige Kontroversen.
In der Aufnahme, die im November 2023 in der „Krone“ und dem ORF auszugsweise veröffentlicht wurde, spricht Christian Pilnacek rund fünf Monate vor seinem Tod über mutmaßliche Versuche politischer Einflussnahme und sagt, dass auf ihn Druck ausgeübt werde. Urheber Christian Mattura schilderte am Donnerstag im Untersuchungsausschuss, wie es überhaupt zu dem Treffen kam.
Hälfte des Gesprächs veröffentlicht
Der inzwischen verstorbene Wolfgang Rauball, millionenschwerer deutscher Unternehmer, war einer der Vertrauten Pilnaceks. Mattura kam über Rauball, mit dem er auch geschäftlich zu tun hatte, mit Pilnacek in Kontakt. Und sprach den zu diesem Zeitpunkt bereits suspendierten Sektionschef auch auf ein Verfahren an, in dem er selbst als Beschuldigter geführt worden war. Dabei sei es auch um einen Konflikt mit dem Glücksspielkonzern Novomatic gegangen: „Ich war dann durch mein eigenes Verfahren sensibilisiert.“ Bei einem Treffen im Il Cavalluccio habe er dann „aufs Knopferl gedrückt“.
Pilnacek hatte damals, nach einigen Gläsern Wein, von politischem Druck seitens der ÖVP gesprochen. „Ich habe mir gedacht: Es ist Zeit, dass es da eine Veränderung gibt in dem ganzen System“, so Mattura. Allerdings habe er zuerst gar nicht vorgehabt, die Aufnahme zu veröffentlichen. Später wurde dann von den rund 23 Minuten etwa die Hälfte veröffentlicht. Warum der Rest nicht, will SPÖ-Fraktionsführer Kai Jan Krainer wissen? „Weil da noch andere Personen dann dabei waren.“
Eine kleine Spur zur Signa
Ausführliche Angaben machte Mattura dann zum geplanten Hauskauf in Rossatz. Er bestätigte, dass Unternehmer Rauball diesen Kauf zwischenfinanzieren hätte sollen – und bringt noch ein interessantes Detail zutage: „Wolfgang Rauball hat einmal erwähnt, dass es da Probleme geben könnte, weil er eigentlich eine Ad-hoc-Meldung wegen der Signa Sports United machen müsste.“ Auf Verkäuferseite der Immobilie war nämlich der damalige Signa-Manager Christoph Stadlhuber involviert.
Zur Erklärung: Die Signa Sports United war eine börsennotierte Tochtergesellschaft der Signa Holding von René Benko, meldete Ende Oktober 2023 Insolvenz an, nachdem eine zugesagte Kapitalspritze von 150 Millionen Euro zurückgezogen wurde. Die SSU war eigentlich der Stein des Anstoßes, welcher René Benkos Kartenhaus zum Einsturz brachte. Stadlhuber war Managing Director bei der Signa Holding gewesen, die schließlich im November 2023 Insolvenz anmeldete.
Eine Ad-hoc-Meldung ist eine gesetzlich vorgeschriebene, unverzügliche Veröffentlichung kursrelevanter Informationen durch börsennotierte Unternehmen, um Insiderhandel zu verhindern und Markttransparenz zu gewährleisten. Sprich: Es besteht die Möglichkeit, dass ein möglicher Zusammenbruch der Signa bereits Wochen vor der Pleite Thema war. Da Rauball im Jänner 2025 verstarb, kann er dazu allerdings nicht mehr befragt werden. Pilnacek habe auch Rauball gegenüber erwähnt, er würde „auf eine größere Summe aus Dubai warten“, dies sei ihm komisch vorgekommen, so Mattura.
Verschlussakten auf Pilnacek-Laptop
Thema war außerdem auch der Laptop des verstorbenen Sektionschefs. Mattura erhielt den Laptop von Anna P., später fand dieser seinen Weg zur Untersuchungskommission von Martin Kreutner. Auch Mattura hatte Einblick in den Inhalt des Laptops. Er bestätigte die Angaben des bereits befragten Journalisten Michael Nikbakhsh, wonach sich auf dem Laptop auch zahlreiche Akten befunden hatten: „Der komplette, ungeschwärzte Akt zum Ibiza-Verfahren. Und Akten zu Novomatic.“
Mattura war in seinem Eingangsstatement auf Konfrontationskurs mit ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger gegangen. Dieser habe aus seiner Sicht ein „sehr befremdliches Demokratieverständnis“ und stelle „die falschen Fragen“. Hanger würde Auskunftspersonen diskreditieren, um von Untersuchungen gegen seine Partei abzulenken, so der Unternehmer und frühere Glücksspiellobbyist.
Hanger hatte Matturas Motive infrage gestellt und in den Raum gestellt und ihn als „jahrelang im illegalen Glücksspiel aktiv“ bezeichnet. Mattura war tatsächlich als Verbandssprecher einer Vereinigung aktiv gewesen, die sich für eine Öffnung des kleinen Glücksspiels ausgesprochen hatte. Hanger hatte diesbezüglich mehrere Fragen gestellt, die Verfahrensrichterin hatte diese allerdings nicht zugelassen, da sie nicht den Untersuchungsgegenstand betreffen würden.
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