Investigativjournalist Michael Nikbakhsh, der sich in seinem „Dunkelkammer“-Podcast intensiv mit der Causa Christian Pilnacek befasste, war am Donnerstag die erste Auskunftsperson im Untersuchungsausschuss. Er erläuterte unter anderem, warum er an der Suizidthese gezweifelt hatte.
Wenige Wochen nach dem Ableben des früheren Sektionschefs, am 9. Dezember 2023, führte Nikbakhsh im Keller seines Büros ein Gespräch mit der Pilnacek-Vertrauten Karin Wurm, deren Mitbewohnerin Anna P., ihrem Bekannten Christian Mattura und dem früheren Lobbyisten Peter Hochegger. Bei diesem zweistündigen Gespräch, welches Nikbakhsh mit seinem Handy aufzeichnete, soll Anna P. geschildert haben, dass man ihr nahegelegt hatte, Christians Pilanceks Laptop verschwinden zu lassen.
„Gesittetes Gespräch unter Erwachsenen“
Anna P. hatte in ihrer Aussage vor dem U-Ausschuss vor vier Wochen ausgesagt, es seien bei dem Gespräch „abstruse Verschwörungstheorien“ gewälzt worden und Alkohol geflossen. Nikbakhsh widersprach dem am Donnerstag: „Es war ein gesittetes Gespräch unter Erwachsenen, wir haben dann später zu viert eine Flasche Wein getrunken. Peter Hochegger trinkt keinen Alkohol.“ Ein „Gelage“, wie es von Anna P. geschildert worden war, sei es nicht gewesen.
Dass sich die Mitbewohnerin von Pilnaceks Vertrauter, die ihre anfänglichen Aussagen vor Gericht und dem U-Ausschuss zu einem großen Teil zurückgenommen hatte, unwohl gefühlt haben könnte? „Nein, ich halte mich für einen ganz guten Gastgeber.“ Woher der plötzliche „Sinneswandel“ gekommen sei, könne nur die Frau selbst sagen, meinte der Blogger.
Das Gespräch sei auf Vermittlung von Christian Mattura zustande gekommen, Peter Hochegger sei als Vertreter von Wolfgang Rauball, der mit Pilnacek ebenfalls geschäftlich verbunden war, anwesend gewesen, erklärt Nikbakhsh. Der Podcaster veröffentlichte schließlich erst im Mai 2025 ein Transkript auf seiner Website von etwa 15 Minuten des zweistündigen Gesprächs.
Zweifel an Suizid-These
Warum er sich überhaupt mit der Causa beschäftigt hatte, wollen die Abgeordneten Antonio Della Rossa (SPÖ) und Thomas Spalt (FPÖ) wissen? „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass ein erwachsener Mann ins Wasser geht.“ Für seinen Zweifel an der Suizid-These habe er auch viel Kritik erhalten. Die FPÖ wollte wissen, ob dem Journalisten unterstellt werde, ein „Aluhut-Träger“ zu sein. „Aber ja, ausgiebig“, so die Antwort.
Auf ihn sei jedenfalls keinerlei (politischer) Druck ausgeübt worden, was die Berichterstattung seines „Dunkelkammer“-Podcasts angehe: „Ich bin wahrscheinlich als Medium zu klein.“ Aber er sei auch lange genug Journalist, um sich im Fall des Falles von derartigem nicht beeindrucken zu lassen, so Nikbakhsh.
Fraktionsführerin Nina Tomaselli (Grüne) fragte dann ausgiebig zu dem geplanten Hauskauf in Rossatz, da Nikbakhsh auch Zugang zu den Inhalten des Pilnacek-Laptops hatte. Da seien Entwürfe für einen Kaufvertrag gewesen, bestätigt der Journalist. Was ihn verwundert hatte: Der Kaufpreis sei doch relativ hoch gewesen. „Damals ging es um 1,43 Millionen Euro. Inzwischen ist das Haus um deutlich weniger, rund eine Million Euro verkauft worden.“ Das Geld sollte über den Umweg einer Schweizer Firma von dem inzwischen verstorbenen, deutschen Investor Wolfgang Rauball kommen.
„Kein Ordner ,Politische Einflussnahme‘ auf Laptop“
Wie viele Journalisten hatte auch Nikbakhsh, der vor seiner Tätigkeit als Podcaster beim „Profil“ tätig war, mit Pilnacek auch davor schon Kontakt. „Mir gegenüber hat er immer bestritten, dass es politische Interventionen in der Justiz gegeben hat.“ Somit sei das, was im sogenannten „Pilnacek-Tape“ aus dem Restaurant zu hören sei, ein interessanter Widerspruch. Auf der Aufnahme spricht Pilnacek nämlich davon, dass auf ihn Druck ausgeübt worden sei, Verfahren zu beeinflussen.
Eine Diskussion im Ausschuss brachte die Aussage von Nikbakhsh mit sich, dass sich auf dem Laptop Pilnaceks „Verschlussakten“ befunden haben sollen, obwohl Pilnacek zu diesem Zeitpunkt suspendiert war. Wie Pilnacek dazu gekommen sei, könne er aber nicht sagen, betont der Journalist. Auch habe er eine Art „Prozessstrategie“ für Sebastian Kurz in dessen Falschaussage-Prozess gefunden. „Aber das, wonach wir alle gesucht haben, habe auch ich nicht gesehen“, meint Nikbakhsh verschmitzt: „Es gab keinen Ordner ,Politische Einflussnahme‘ oder ,Politische Korruption‘ auf dem Laptop.“
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