03.06.2014 13:02 |

"Berg aus Eisen"

Mit der BMW R 1200 GS Adventure beim Erzbergrodeo

Ein Ufo würde hier oben beim Erzbergrodeo wohl kaum mehr bestaunt werden als ich mit meiner BMW R 1200 GS Adventure – mitten unter den unzähligen Enduro-Freaks beim Hare Scramble. Von ungläubigem Staunen bis echter Anerkennung reichen die Reaktionen – obwohl ich nur als Zuschauer da bin.

500 Fahrer haben sich für das Hauptrennen des Erzbergrodeos qualifiziert und versuchen den "Berg aus Eisen" zu bezwingen. Ich habe mich einer Enduristengruppe samt Guide angeschlossen, um an Schlüsselstellen hautnah dabei zu sein. Alle mit Bikes für den harten Einsatz, mit Stollenreifen und 200 bis 350 cm³. Ich habe Straßenreifen drauf, den neuen 1.170-cm³-Wasserboxer zwischen den Beinen und Heizgriffe in den Händen. 260 kg wiegt die GS mit ihrem 30-Liter-Tank, dazu kommen noch die Alukoffer.

Auf der Straße merkt man der Adventure ihr Gewicht kaum an, so leichtfüßig, wie sie sich durch Kurven schwingt. Im Schlamm des Erzbergs sieht sie Sache anders aus, wobei es mehr die Bereifung ist, die mir das Leben schwer macht. Ich rutsche zum Teil schon heftig durch die Gegend, und spätestens als dieses Trumm mal zu "gehen" anfängt, merke ich, dass ich im Gelände nicht zu den Erfahrensten gehöre. Wie gut, dass mir die GS praktisch wie auf den Leib geschneidert ist, ich fühle mich einfach wohl auf ihr.

Trotzdem muss ich sie kurzzeitig abstellen. Auf dem schmalen Weg durch den Wald zu "Karl's Diner" liegt ein Baumstamm halbhoch quer. Meine Mitstreiter neigen ihre Maschinen einfach drunter durch, für die GS ist hier Sackgasse und ich sehe zu Fuß, wie Jonny Walker die Felsenpassage sieben Minuten vor Graham Jarvis meistert. Als auch Andi Lettenbichler vorbei ist, ziehen wir weiter.

Sinnvolle Fahrmodi
Aus den zur Verfügung stehenden Fahrmodi habe ich "Enduro" ausgewählt, was für das "Fahren mit Straßenreifen im Gelände" gedacht ist. "Enduro Pro" gibt's auch, das ist aber für Stollenreifen programmiert und lässt sich nicht ohne Codierstecker aktivieren. Mir reicht "Enduro" mit entsprechender Abstimmung von ABS und ASC (Antriebsschlupfregelung). Im Normal-Modus kommt man offroad nicht weit, weil einem die ASC ständig die Leistung wegnimmt.

Ein großer Vorteil des neuen Motors sind sein guter Durchzug und die im Vergleich zur normalen GS ein Kilogramm schwerere Kurbelwelle; das Getriebe könnte für den Einsatz im Gelände eine etwas kürzere Übersetzung vertragen. Wo ich im ersten Gang schon mit Standgas relativ schnell unterwegs bin, haben die Kollegen mit ihren Gatschhupfern schon ein paarmal raufgehakelt. Ich würde gerne eine kurze, steile Bergauffahrt probieren, aber mit Straßenreifen wäre das wohl aussichtslos.

An einer richtig steilen, steinigen Auffahrt (am Checkpoint Dynamite) wird uns ein beinharter Positionskampf geboten. Taylor Robert wird von Cody Webb passiert, während er sich zum Schwungholen "einparkt", der scheitert aber oben an der Kuppe kläglich und muss seinen Landsmann, der volles Risiko geht, resignierend ziehen lassen. Die beiden US-Boys sollten sich in der Folge noch bis zur Zieleinfahrt nichts schenken.

Unterschiede zur zivileren Schwester
Die BMW R 1200 GS Adventure unterscheidet sich von der normalen GS (abgesehen von der Kurbelwelle) in mancherlei Hinsicht, etwa durch 20 mm mehr Federweg, den zehn Liter größeren Tank und einen zusätzlichen Schwingungsdämpfer im Motor, breitere Fußrasten, einstellbare Fußhebel und einen größeren stufenlos verstellbaren Windschild. Die robusten Sturzbügel musste ich zum Glück nicht prüfen.

Ausstattungsmäßig lässt sich natürlich eine Menge aufrüsten: elektronisch einstellbares Fahrwerk (Dynamic ESA, ein Muss), LED-Scheinwerfer, Fahrmodi Pro (da sind Enduro und Enduro Pro dabei) oder auch ein richtig gutes Navigationssystem, das allerdings den Drehzahlmesser teilweise verdeckt. Ans Herz gelegt sei auch noch der Akrapovic-Auspuff, den meine Testmaschine um 23.000 Euro noch nicht drauf hat (Einstiegspreis BMW R 1200 GS Adventure: 19.210 Euro).

Nach der Siegerehrung und dem Gruppenfoto mit allen 31 Finishern (so viele haben es selten ins Ziel geschafft) trete ich die Heimreise an. Die GS fühlt sich wohl in ihrer Schlammpackung und ich kann mich auf kurvigen Landstraßen entspannen. Auf Facebook hat ein Leser inzwischen gepostet, er würde mit der BMW R 1200 GS Adventure gerne mal den Prolog des Erzbergrodeos fahren. Dann würden's wirklich schauen, die Leut'…

Warum?

  • Das absolute Schweizermesser unter den Motorrädern
  • Idealer Reisebegleiter für Leute, die nicht oft tanken wollen

Warum nicht?

  • Ist halt schon ein Trumm

Oder vielleicht …

… die zivile R 1200 GS, die kleinere 800er-Adventure oder die KTM 1190 Adventure

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