Der Krieg im Nahen Osten lässt an den heimischen Tankstellen die Spritpreise explodieren. Diesel zum Beispiel hat sich seit Sonntag um über 16 Prozent verteuert und kostete am Mittwoch im Schnitt 1,799 Euro, womit schon kräftig an der 2-Euro-Marke gekratzt wird. Bei Superbenzin stieg der Preis sogar um 13,3 Prozent – Tendenz steigend!
Mit Stand Mittwoch kostete laut E-Control Diesel im Schnitt 1,799 Euro (Sonntag: 1,552 Euro) und Superbenzin 1,689 Euro (Sonntag: 1,490 Euro) pro Liter. Schon im Februar sei es zu Spritpreissteigerungen gekommen, der Aufwärtstrend setze sich nun mit Beginn der Kampfhandlungen deutlich fort, hieß es zuletzt seitens des ÖAMTC. Das Wirtschaftsministerium will die Spritpreisentwicklung prüfen lassen.
Tankstellenbetreiber weisen Kritik zurück
Tankstellenbetreiber wie Turmöl halten dem entgegen, dass man sich lediglich an den Treibstoffbörsen orientieren würde, sagte Unternehmenschef Jürgen Stichenwirth im Ö1-„Morgenjournal“. „Wir spüren natürlich die steigenden Preise, an denen orientieren wir uns. Die Preise, die wir durch die Krise in Nahost sehen an den Märkten, vor allem an der Rotterdamer Börse, sind einfach stark gestiegen.“
Auch den Vorwurf, Tankstellen würden für zuvor billiger gekaufte Reserven zu viel Geld verlangen, will der Firmenchef zumindest für sein Unternehmen nicht gelten lassen: „Wir verfügen nur über das, was wir unter dem Boden in der Tankstelle haben, das ist relativ schnell verbraucht.“ Vom ÖAMTC heißt es, dass andere Anbieter mehr Spielraum bzw. eigene Raffineriekapazitäten hätten.
Günstigere Preise möglich: Tankstellen in der Kritik
Die schnelle und spürbare Reaktion an den heimischen Tankstellen auf den gestiegenen Rohölpreis kann AK-Experte Daniel Witzani-Haim nicht nachvollziehen. „Ich glaube, dass die Lager hier durchaus noch günstigere Preise hergeben würden. Und was man sich vor Augen führen muss, in Österreich wird mehr als die Hälfte des verwendeten Benzins und Diesels vor Ort von der OMV raffiniert. Wir haben außerdem in der Vergangenheit schon gesehen, dass Raffinerien bei Preissteigerungen teilweise ihre Margen erhöhen konnten“, sagte Witzani-Haim am Donnerstag im Ö1-„Morgenjournal“.
„Dieser drastische Anstieg ist nicht nachvollziehbar“, kritisierte auch ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth. Ihrer Ansicht nach muss die Option einer Margenregelung geprüft werden. Die von der Regierung angekündigte Treibstoffmarkt-Untersuchung sei ein „längst überfälliger Schritt“.
Noch höhere Preise in Deutschland
Noch brisanter ist die Lage bei unseren deutschen Nachbarn. Diesel kostete dort im bundesweiten Tagesschnitt des Mittwochs 2,005 Euro pro Liter. Das waren um 8,8 Cent mehr als am Dienstag und um 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des Iran-Krieges. Super E10 verteuerte sich zum Dienstag um 3,8 Cent pro Liter auf 1,935 Euro, im Vergleich zum Freitag um 15,7 Cent. Die „Bild“ berichtete am Donnerstag sogar von einer Tankstelle in Bayern, an der der Diesel satte 2,49 Euro kostete.
Im Zuge der militärischen Auseinandersetzungen im Nahen und Mittleren Osten kam es zu einer faktischen Schließung der Straße von Hormuz. Rund 20 Prozent des weltweit verschifften Öls, unter anderem von den Förderländern Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Kuwait und dem Iran, werden durch die Meerenge transportiert. Mehrere Reedereien stoppten am Wochenende den Verkehr durch die Passage. Brent-Öl verteuerte sich daraufhin um mittlerweile etwa 16 Prozent. Am Dienstag wurde bei 85,12 Dollar zeitweise der höchste Stand seit Juli 2024 erreicht.
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