Südamerika entdecken

Allein in Kolumbien

Reisen & Urlaub
05.03.2026 11:00
Porträt von Britta Mayerhofer
Von Britta Mayerhofer

Laut, chaotisch, farbenfroh und widersprüchlich – von der ersten Minute an „überfordert“ Kolumbien im besten Sinne. Britta Mayerhofer (44) entdeckte ein Land im Alleingang, das einen nicht vorsichtig an der Hand nimmt, sondern mitreißt.

Hupen, Straßenverkäufer mit Mangobechern, der Duft von frisch gebrühtem Kaffee – Bogotá empfängt mich laut und lebendig. Menschen, Händler, Verkehr und Stau gehören hier zum Alltag – kein Wunder bei rund 9,5 Millionen Einwohnern. Die kolumbianische Hauptstadt ist in vielerlei Hinsicht einzigartig: Sie liegt 2640 Meter über dem Meeresspiegel, die Luft ist spürbar dünner und das Klima deutlich kühler als im Rest des Landes. Während es im Norden Kolumbiens oft 30 Grad heiß ist, herrschen in Bogotá meist frühlingshafte Temperaturen.

Bogotá gilt als „gefährlichste“ Stadt Kolumbiens. Ich habe jedoch keine schlechten Erfahrungen gemacht, habe mich als alleinreisende Frau an die üblichen Vorsichtsregeln gehalten: kein Schmuck, Handy nicht offen zeigen, Wertsachen in den Hotelsafe, Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen. Und ich habe mich erkundigt, welche Viertel Touristen meiden sollten.

Als größte Stadt des Landes ist Bogotá ein echter Schmelztiegel, voller Gegensätze. Moderne Architektur trifft auf koloniale Bauweise, und als Metropole bietet die Stadt für jeden Geschmack etwas. Meine Unterkunft lag nicht weit von der Altstadt entfernt – ideal, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählen die Plaza Bolívar, das Museo de Oro, die Stierkampfarena, der Parque Nacional, La Candelaria sowie das historische Zentrum von Zipaquirá, das sich ganz im spanischen Stil mit quadratischem Platz und kolonialer Kirche präsentiert.

Der Cerro de Monserrate ist ein besonderes Highlight. Mit der Seilbahn geht es hinauf auf den Hausberg, von dem aus man eine beeindruckende Aussicht über die gesamte Stadt genießt.

„Una familia“ (1989) von Fernando Botero zeigt eine seiner typischen Familienszenen – man findet ...
„Una familia“ (1989) von Fernando Botero zeigt eine seiner typischen Familienszenen – man findet seine Kunst im ganzen Land.(Bild: Britta Mayerhofer)

Eine gute Möglichkeit, Bogotá näher kennenzulernen, ist eine Free Walking Tour. Drei Stunden lang führte uns unser Guide durch den pulsierenden Bezirk „La Candelaria“ und versorgte uns mit spannenden Einblicken in die Geschichte, Kultur, das Schulsystem und die politischen Hintergründe Kolumbiens. Natürlich durfte auch das Probieren von Chicha nicht fehlen, einem leicht alkoholischen Getränk aus fermentiertem Mais, das schon die Inkas tranken, aber Vorsicht: Kopfschmerzgefahr! Beeindruckend war das Museo Botero, benannt nach dem berühmten kolumbianischen Künstler Fernando Botero. Besonders erfreulich: Der Eintritt ist kostenlos.

Kaffee, Palmen und grüne Hügel
Weiter geht es nach Armenia, ins Herz der Kaffeeregion. Auf einer Kaffeefarm in Salento lerne ich, wie viel Arbeit in jeder einzelnen Bohne steckt, darf beim Bohnenpflücken helfen und nach der „Arbeit“ auch die unterschiedlichen Sorten verkosten.

Auf einer Kaffeeplantage bei Salento wird das schwarze Gold Kolumbiens geerntet.
Auf einer Kaffeeplantage bei Salento wird das schwarze Gold Kolumbiens geerntet.(Bild: Getty Images/Alexandre Laprise)
Und wer hier einen „Tinto“ bestellt, bekommt keinen Rotwein wie in Spanien – sondern eine kleine ...
Und wer hier einen „Tinto“ bestellt, bekommt keinen Rotwein wie in Spanien – sondern eine kleine Tasse schwarzen Kaffee.(Bild: Getty Images/Alexandre Laprise)

Unvergesslich ist das Valle de Cocora, das Tal der Wachspalmen. Abseits der vorderen Aussichtspunkte, lässt man die meisten Besucher schnell hinter sich. Zwischen Nebel und sattgrünen Hügeln ragen die bis zu 60 Meter hohen Palmen in den Himmel. Ein besonderes Glück: Während unserer Wanderung kreiste plötzlich ein majestätischer Andenkondor über mir.

Die höchste Palmenart der Welt findet man im Valle de Cocora.
Die höchste Palmenart der Welt findet man im Valle de Cocora.(Bild: Britta Mayerhofer)

Medellín – Stadt des Wandels
Es geht weiter nach Medellín. Die Stadt war einst ein Synonym für Armut und Gewalt, ist heute modern, kreativ und erstaunlich entspannt. Die Metro, sie ist die einzige Kolumbiens, und die Seilbahnen verbinden die Armenviertel in den Hügeln mit dem Zentrum. Sie dient auch als soziale Brücke zwischen Arm und Reich. Besonders beeindruckend ist die Comuna 13. Wo früher Angst herrschte, gibt es heute Street Art, Musik und Tanz.

„Piedra del Peñol“ – der Fels von Guatape mit Aussicht auf die Seenlandschaft.
„Piedra del Peñol“ – der Fels von Guatape mit Aussicht auf die Seenlandschaft.(Bild: Jhampier Giron - stock.adobe.com)

Am nächsten Tag fahre ich etwas außerhalb der Stadt. Ich steige auf den Fels „Piedra del Peñol“, mit seinen 659 nummerierten Stufen. Als Belohnung gibt es eine grandiose Aussicht auf die Seenlandschaft. Anschließend mache ich eine Bootstour über den See, vorbei an La Manuela, dem ehemaligen Sommerhaus von Pablo Escobar, sowie an luxuriösen Villen von Fußballstars, wie James Rodriguez. Übrigens: Den Namen von Drogenbaron Escobar erwähnt man vor Ort besser nicht. Unbedingt probieren sollte man Buñuelos, runde, frittierte Teigkugeln.

Ehemaliges Sommerhaus von Pablo Escobar am Ufer des Stausees Penol-Guatape.
Ehemaliges Sommerhaus von Pablo Escobar am Ufer des Stausees Penol-Guatape.(Bild: Britta Mayerhofer)

Danach geht es nach Guatapé, ein kleines Dorf, das sich wie ein Farbrausch anfühlt. Zócalos (Sockelleisten) erzählen Geschichten an Hauswänden, Tuk-Tuks hupen durch enge Gassen, Musiker spielen auf dem Hauptplatz. Alles ist hübsch herausgeputzt.

Karibik, Kolonialcharme und Realität
Nun steht Cartagena auf meinem Reiseplan. Sie ist eine der beliebtesten Reisedestinationen in Kolumbien und gilt als Perle. Alte Stadtmauern und mächtige Festungen erzählen von Goldschätzen und Piratenangriffen und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Ebenso die Altstadt, die aus einem Labyrinth aus Gassen mit Kopfsteinpflaster besteht.

Musik & Tanz am Hauptplatz in Cartagena.
Musik & Tanz am Hauptplatz in Cartagena.(Bild: Britta Mayerhofer)

Hier findet man alles, was das Herz begehrt: makellos restaurierte bunte Paläste, Herrenhäuser mit Holzbalkonen und traumhaften Innenhöfen, imposante Kirchen, wie auch viele gute Restaurants, Cafés, Shops und Hotels. Am nächsten Tag fahre ich mit dem Schnellboot zu den Rosario-Inseln, eine Inselgruppe vor Cartagena. Hervorragend, um zu schnorcheln und der Hitze der Stadt zu entkommen.

Minca & Tayrona – Natur pur
Am Weg nach Minca, einem verschlafenen Dorf in den Bergen, besuche ich die Katanzama Cummunity, ein indigenes Dorf, 30 Minuten vom Tayrona-Nationalpark entfernt. Dort leben 80 Arhuaco-Indigenenfamilien, die ihre Bräuche bewahren konnten und uns Besuchern über ihre Verbindung zur Natur, ihre Geschichte und den Anbau von Coca und Kakao erzählen.

Tayrona-Nationalpark
Tayrona-Nationalpark(Bild: Getty Images/Pierre Klemas)

Im Tayrona-Nationalpark treffen Regenwald und Karibikstrände aufeinander. Ich starte meine Wanderung früh, um die Mittagshitze zu vermeiden, und treffe auf dem Weg Brüll- und Kapuzineraffen, diverse Krabbeltiere, entdecke in den Baumkronen versteckt ein Faultier und Tukane. Das Ziel: La Piscina (Der Pool), ein Strand, der seinem Namen gerecht wird. Man kann ihn nur zu Fuß durch den Nationalpark oder entlang der Küste per Boot erreichen, Autos sind verboten.

Ein Kapuzineräffchen begrüßt mich im Tayrona-Nationalpark.
Ein Kapuzineräffchen begrüßt mich im Tayrona-Nationalpark.(Bild: Britta Mayerhofer)

Nur eine Stunde von der Küste entfernt liegt Minca. Eine Wanderung zum Marinka-Wasserfall gehört unbedingt dazu. Um hierhin zu kommen, kann man entweder ein Motortaxi nehmen oder von Minca aus in ca. zwei Stunden hinwandern. Auf der Terrasse meines Hotels bleibt danach noch Zeit, die Aussicht zu genießen und Kolibris sowie andere Vögel zu beobachten.

Santa Marta – ein leiser Abschied
Meine letzte Station ist Santa Marta, die älteste spanische Stadt Südamerikas. Es gibt keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, aber am Malecón, der Hafenpromenade, kann man entspannt flanieren und am Abend in einem der vielen Lokale den Sonnenuntergang genießen. Viele Touristen nutzen Santa Marta als Startpunkt für eine

INFOS

  • ÖFFENTLICHE BUSSE sind sehr komfortabel und günstig. Der Beifahrer verkauft Getränke und Snacks. Allerdings fahren die Busse ohne Pause durch, keine Chance, sich die Beine zu vertreten oder zu fotografieren.
  • „NO DAR PAPAYAS“ ist eine allgemeine Sicherheitsregel und bedeutet so viel wie: „Gib keine Gelegenheit, bestohlen oder ausgenutzt zu werden.“  
  • ALLGEMEINE INFOS: www.colombia.co

TIPP: Im karibischen Teil des Landes gibt es oft nur kaltes Wasser in den Hotels zum Duschen.

Wanderung zur „Ciudad Perdida“, „der verlorenen Stadt“, eine mehrtägige Wanderung bei 35 Grad und sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Wanderung hebe ich mir allerdings für meinen nächsten Besuch auf.

Was von Kolumbien bleibt, sind vor allem die Menschen und die Musik, die so wichtig ist wie die Luft zum Atmen. Kolumbien wirkt auf den ersten Blick vielleicht chaotisch und überwältigend, doch je länger man bleibt, desto mehr versteht man dieses Land.

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