Abnehmspritzen gelten als Hoffnungsträger im Kampf gegen starkes Übergewicht. Doch eine neue Analyse zeigt: Wer die Behandlung beendet, muss oft damit rechnen, dass ein Großteil der verlorenen Kilos zurückkommt – und zwar relativ schnell. Bereits ein Jahr nach dem Absetzen haben Patienten im Schnitt rund 60 Prozent ihres zuvor verlorenen Gewichts wieder zugenommen.
Zu diesem Ergebnis kommt ein Forschungsteam um Brajan Budini von der University of Cambridge. Die Wissenschaftler werteten mehrere Studien zu Medikamenten aus, die den sogenannten GLP-1-Rezeptor beeinflussen. Diese Wirkstoffe verändern unter anderem das Hungergefühl und den Stoffwechsel und werden daher zunehmend zur Behandlung von Übergewicht eingesetzt. Die Ergebnisse der Analyse wurden in der Fachzeitschrift „EClinicalMedicine“ veröffentlicht.
Analyse von mehr als 3000 Patienten
Für ihre Untersuchung werteten die Forscher sechs klinische Studien mit insgesamt 3236 Teilnehmern aus. Dabei ging es um drei Wirkstoffe, die häufig in sogenannten Abnehmspritzen eingesetzt werden.
In drei Studien wurde Semaglutid getestet, das unter anderem in den Präparaten Ozempic und Wegovy enthalten ist. Während Ozempic in Österreich vor allem zur Behandlung von Typ-2-Diabetes zugelassen ist, wird Wegovy bei bestimmten Formen von starkem Übergewicht eingesetzt. Zwei weitere Studien untersuchten den Wirkstoff Tirzepatid, eine Studie den Wirkstoff Liraglutid.
Das durchschnittliche Ausgangsgewicht der Teilnehmer lag in den untersuchten Studien zwischen 104 und 112 Kilogramm.
Deutlicher Gewichtsverlust während der Behandlung
Während der Behandlung verloren viele Teilnehmer deutlich an Gewicht. Mit Semaglutid lag der durchschnittliche Gewichtsverlust bei etwa elf bis 17 Prozent des Körpergewichts. Beim Wirkstoff Tirzepatid fiel er mit 15 bis 23 Prozent noch höher aus, allerdings über einen deutlich längeren Zeitraum von mehr als drei Jahren.
Doch dieser Erfolg hält offenbar nur begrenzt an, wenn die Medikamente abgesetzt werden.
Gewicht steigt nach Therapie-Ende wieder an
Nach dem Ende der Behandlung steigt das Gewicht laut Analyse zunächst relativ schnell und später immer langsamer wieder an. Nach 52 Wochen, also etwa einem Jahr, sind im Durchschnitt bereits rund 60 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts wieder zurück.
Die Forscher berechneten auch einen möglichen langfristigen Verlauf. Demnach könnte sich die Gewichtszunahme bei etwa 75 Prozent des ursprünglichen Gewichtsverlusts stabilisieren. Das würde bedeuten, dass ein Teil des Abnehmerfolgs dauerhaft bestehen bleibt. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um eine theoretische Berechnung, da verlässliche Langzeitdaten über mehrere Jahre bisher fehlen.
Viele Patienten brechen Behandlung vorzeitig ab
Studien zeigen außerdem, dass etwa die Hälfte der Patienten eine Therapie mit solchen Medikamenten vorzeitig beendet. Als Gründe nennen die Forscher vor allem Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt, finanzielle Schwierigkeiten sowie eingeschränkten Zugang durch Krankenversicherungen oder Verschreibungsregeln. Experten vermuten daher, dass die Medikamente möglicherweise langfristig oder sogar dauerhaft eingesetzt werden müssten, um den Gewichtsverlust vollständig zu halten.
Je stärker die Abnahme, desto größer der Rückschlag
Eine weitere Untersuchung aus China deutet darauf hin, dass Patienten umso stärker wieder zunehmen, je größer ihr vorheriger Gewichtsverlust gewesen ist. Dieser Effekt zeigte sich sogar bei Menschen, die gleichzeitig an Programmen zur Veränderung ihres Lebensstils teilnahmen, etwa mit angepasster Ernährung oder mehr Bewegung.
Ein ähnliches Muster ist auch von sehr strengen Diäten bekannt. Menschen, die ihre Kalorienzufuhr stark reduzieren, nehmen nach dem Ende der Diät häufig schneller wieder zu als Personen, die ihre Ernährung nur moderat einschränken.
Hoffnung auf neue Therapie-Strategien
Ein möglicher Ansatz könnte darin bestehen, die Medikamente nicht vollständig abzusetzen, sondern die Dosis schrittweise zu reduzieren. In aktuellen Studien wird deshalb untersucht, ob Patienten ihr Gewicht halten können, wenn die Wirkstoffmenge individuell angepasst wird.
Diese Strategie könnte die langfristige Verträglichkeit der Behandlung verbessern. Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass es für viele Patienten möglicherweise schwierig bleibt, die Therapie vollständig zu beenden, ohne wieder deutlich zuzunehmen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.