108 Minuten lang hat sich Donald Trump in seiner Rede zur Lage der Nation selbst gelobt, seinen Vorgänger und die Opposition getadelt. Sie zeigt, wie weit der US-Präsident von der Realität entfernt ist. Das könnte ihm bald auf den Kopf fallen.
Angesichts Trumps Eigenlob wurde auch deutlich, welchen blinden Gehorsam die Republikaner ihrem Präsidenten entgegenbringen. Praktisch nach jedem Satz sprangen sie auf und pflichteten Trump mit Applaus bei. Als der schwarze Abgeordnete Al Green mit einem Plakat gegen Trumps Rassismus protestierte, wurde er hinausgeführt – unter lauten „USA, USA, USA“-Rufen der Republikaner.
Rede fast ohne Ausnahme abgelesen
Die Demokraten blieben während der Ansprache demonstrativ sitzen. Mehrmals forderte der US-Präsident die Opposition auf, ihre Zustimmung zu seiner Politik mit Aufstehen zu zeigen. Dies wurde verweigert und mit Zwischenrufen quittiert. Daraufhin tadelte Trump die Demokraten: „Ihr solltet euch schämen.“ Ansonsten folgte der Präsident beinahe ausschließlich dem Text am Teleprompter. Bemerkenswert für Trump, der sonst gerne ausgiebig abschweift. Das zeigt, wie wichtig die Rede zur Lage der Nation ist.
Mit der Lobeshymne auf sich selbst und was er im vergangenen Jahr geschafft habe, demonstrierte Trump auch, wie weit er von der Realität entfernt ist. Eine Lüge nach der anderen tischte er auf. So sprach der Präsident davon, dass man schon „müde vom Gewinnen“ sei, während seine Zustimmungswerte im Keller sind. 63 Prozent der US-Bürger lehnen Trumps Amtsführung ab, so eine von CNN beauftragte Umfrage.
Unwahrheiten am laufenden Band
Weiters behauptete Trump, die Preise für Wohnen und Nahrungsmittel seien gefallen. Die Inflation liegt aber immer noch bei 2,4 Prozent, vergangenes Jahr sind vor allem Lebensmittel und Gesundheitskosten teurer geworden. Zudem beklagte er, er habe von seinem Vorgänger eine „weit offene Grenze“ geerbt. Erst jetzt sei sie sicher. In Wirklichkeit waren die illegalen Grenzübertritte schon unter Joe Biden deutlich zurückgegangen.
Den Demokraten warf Trump wiederholten Wahlbetrug vor. Dafür gibt es keine Beweise. Die Anschuldigungen dienen aber als Vorwand dafür, bei den Zwischenwahlen (Midterm Elections) im November Maßnahmen zu setzen, um demokratischen Wählern die Stimmabgabe zu erschweren. Anzeichen dafür gab es bereits, und der Grund ist offensichtlich: Die Republikaner müssen zittern, im November ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus zu verlieren, in den Umfragen liegen die Demokraten vorn.
Was der Präsident aussparte
Mit keinem Wort erwähnte der Präsident den Konflikt um Grönland, mit dem er für außenpolitisches Chaos sorgte und die Glaubwürdigkeit der USA als Bündnispartner untergrub. Keine Rede auch von den Epstein-Akten, die die Skandale zeigen, in denen er selbst und unzählige Politiker verstrickt sind und weltweit für Empörung sorgen.
Auch bei Wohnen und Gesundheitsversorgung kündigte er keinerlei neue Maßnahmen an, obwohl es Themen sind, die bei den Zwischenwahlen entscheidend sind und den Wählern unter den Nägeln brennen. Kein Wunder, dass sich die demokratische Gouverneurin von Virginia, Abigail Spanberger, bei ihrer Gegenrede zu Trump genau darauf setzte und den Präsidenten dafür geißelte, das Leben der US-Bürger teurer zu machen. Was Trump bei seiner Rede aussparte, könnte ihm im Herbst noch auf den Kopf fallen.
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