Dank moderner Implantate und OP-Techniken hat sich die Haltbarkeit eines „neuen Gelenks“ zunehmend verbessert. Ein wichtiger und oft unterschätzter Faktor, der dem entgegenwirkt, sind Entzündungen. Diese können kurz nach der Operation oder erst Jahre später entstehen und zum Austausch des Implantats führen.
Was nicht jeder weiß und viele nicht bedenken: Auch ein Kunstgelenk kann sich entzünden. Solch ein Infekt entsteht bisweilen unmittelbar nach der Operation, manchmal auch erst Jahre später, und kann in weiterer Folge die Haltbarkeit des Gelenks mindern. Hier tragen auch die Patienten selbst Verantwortung und können wesentlich dazu beitragen, das Infektionsrisiko zu senken.
Entzündungsherde ausschließen lassen
„Die wichtigsten Schritte sind Vorbeugemaßnahmen vor dem Eingriff“, erläutert Prim. Dr. Wolfgang Kaltenbrunner, Leiter der Abteilung Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus in Wien. „Wir empfehlen allen unseren Patienten, schlummernde Infektionsquellen im Körper unbedingt vor jedem Eingriff sanieren zu lassen. Dazu zählen etwa beherdete Zähne oder Zahnfleischentzündungen, Naseninfektionen, offene Wunden im OP-Gebiet sowie Harnwegsinfekte, Bronchitis oder eitrige Zehennägel.“
Wir empfehlen allen unseren Patienten, schlummernde Infektionsquellen im Körper unbedingt vor jedem Eingriff sanieren zu lassen.

Prim. Dr. Wolfgang Kaltenbrunner, Abteilung Orthopädie und Traumatologie am Evangelischen Krankenhaus
Bild: Victoria Posch
Speziell Diabetiker tragen ein erhöhtes Infektionsrisiko und sollten daher rechtzeitig auf eine gute Blutzucker-Einstellung achten. Auch starkes Übergewicht bedeutet höhere Infektionsgefahr und sollte daher zügig abgebaut werden. Letzteres empfiehlt sich sowieso vor dem Eingriff, denn jedes Kilo weniger erleichtert auch die Wiedererlangung der natürlichen Bewegungsabläufe.
Raucher aufgepasst! Sie haben eine deutlich höhere Anfälligkeit für Infekte als Nichtraucher. Der (zumindest temporäre) Verzicht auf den Glimmstängel lohnt sich auch in Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen ungemein. Studien zeigen, dass ein Rauchstopp oder eine starke Reduktion auf fünf bis sechs Zigaretten pro Tag vier Wochen vor und vier Wochen danach das Infektionsrisiko stark reduzieren.
Hygiene-Offensive sieben Tagen vor OP
Großes Augenmerk liegt auf der Hautdesinfektion: „Meine Patienten werden spätestens sieben Tage vor dem Eingriff telefonisch erinnert, die tägliche Ganzkörperpflege mit antibakteriellen Waschlotionen zu beginnen und ein spezielles Nasengel zu verwenden. Direkt vor der OP erfolgen dann antiseptische Maßnahmen wie die meist von mir selbst durchgeführte Ganzkörper-Waschung“, schildert Prim. Wolfgang Kaltenbrunner.
Auch Prim. Dr. Christian Emich, Internist und Hygienebeauftragter am Evangelischen Krankenhaus betont die Bedeutung von Sauberkeit und Schutz vor Infektionen: „Kurz vor der OP, währenddessen und danach wird eine ganze Reihe von Hygienemaßnahmen gesetzt, die zur weiteren Minimierung des Infektionsrisikos beitragen, wobei Diabetiker und generell immungeschwächte Personen ganz spezielle Betreuung erhalten“, erklärt er.
Kurz vor der OP, währenddessen und danach wird eine ganze Reihe von Hygienemaßnahmen gesetzt, die zur weiteren Minimierung des Infektionsrisikos beitragen.

Prim. Dr. Christian Emich, Internist und Hygienebeauftragter am Evangelischen Krankenhaus
Bild: Groesel Grafik
Eitrige Infektionen müssen sofort behandelt werden
Auch wenn die OP schon Monate oder Jahre zurückliegt, kann ein unbehandelter, eitriger Infekt im Körper eine sogenannte „sekundäre Protheseninfektion“ hervorrufen. Wird ein Infekt der Knie- oder Hüftprothese einmal vermutet, muss sofort gehandelt und vorsichtshalber ein Röntgenbild des operierten Gelenks erstellt werden.
Prim. Emich: „Mein Appell: Ob Lungen-, Darm- oder Zahnfleischentzündung: bitte unterziehen Sie sich als Patient mit Knie-, Hüft- oder Schulterimplantaten bei bakteriellen Infekten unbedingt einer antibiotischen Therapie! Diese bannt zumeist das Risiko, dass es zu einer zu hohen Ausschwemmung von Erregern in die Blutbahn und somit zur Besiedelung der Gelenke mit Keimen kommt.“
Jährliches „Service“ empfohlen
„Generell sind jährliche Kontrollen beim Orthopäden sinnvoll, um zu prüfen, ob das Implantat noch richtig sitzt. Ein Kontrollröntgen kann bereits frühzeitig Veränderungen aufzeigen, bevor der Patient noch etwas spürt“, empfiehlt Prim. Kaltenbrunner: „Das ist ganz so wie beim jährlichen Autoservice und Pickerl. Das macht man ja auch, um Pannen vorzubeugen. Genau so viel Sorgfalt sollte man auch beim ‚körpereigenen Fahrwerk‘ anwenden.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.