Heuschnupfen wird oft als banale Erkrankung wahrgenommen. Tatsächlich ist er jedoch eng mit Asthma bronchiale verknüpft: 40 % der Patienten leiden auch unter Asthma, und 80 % der Asthmatiker haben zudem eine Rhinopathie. Heuschnupfen kann also Asthma auslösen! Warum beide Atemwege daher als Einheit betrachtet und gemeinsam behandelt werden sollten, lesen Sie hier.
„Die allergische Rhinitis – umgangssprachlich oft als ‚Heuschnupfen‘ bezeichnet – gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. In Österreich sind, je nach Altersgruppe, bis zu 25 Prozent der Bevölkerung betroffen“, erklärt Priv. Doz. Dr. Petra Zieglmayer, Karl Landsteiner Privatuniversität, Krems, und HNO-Fachärztin, Wien, im Fachmedium „Ärzte Krone“.
„Bereits 40 Prozent der Kinder zeigen schon bei Schuleintritt allergische Sensibilisierungen, das heißt, ihr Immunsystem reagiert überempfindlich auf eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare.“
Viele Betroffene wissen nicht, dass zwischen Nase und Lunge ein enger Zusammenhang besteht. Tatsächlich leiden sehr viele Menschen mit Asthma bronchiale gleichzeitig unter allergischen Beschwerden der Nase. Fachleute sprechen dabei von einer sogenannten „United Airway Disease“ („vereinte Atemwegserkrankung“). Dahinter steckt die Erkenntnis, dass obere und untere Atemwege funktionell eine Einheit bilden.
In Österreich sind – je nach Altersgruppe – bis zu 25 Prozent der Bevölkerung von allergischer Rhinitis betroffen.

Priv. Doz. Dr. Petra Zieglmayer, Karl Landsteiner Privatuniversität, Krems, und HNO-Fachärztin, Wien
Bild: CaroStrasnik
„Nase und Bronchien ähneln sich nicht nur anatomisch, sondern auch in ihrer Immunabwehr. Gelangen Allergene in den Körper, reagieren beide Bereiche ähnlich. Entzündungen in der Nasenschleimhaut können über bestimmte Mechanismen und Nervenreflexe aber auch die Entzündung in den Bronchien verstärken – und umgekehrt“, berichtet Priv. Doz. Dr. Zieglmayer.
Jeder 3. „Heuschnupfen“-Patient entwickelt Asthma
Studien zeigen: Bis zu 80 Prozent der Asthma-Patienten leiden gleichzeitig an einer allergischen Rhinitis. Umgekehrt entwickelt mehr als jeder Dritte mit dauerhaft bestehendem „Heuschnupfen“ im Laufe der Zeit Asthma.
Besonders problematisch ist eine unzureichend behandelte Rhinitis. Dann steigt das Risiko für bronchiale Beschwerden, akute Verschlechterungen und eine insgesamt schlechtere Asthmakontrolle deutlich an.
Dr. Zieglmayer: Ja. Eine unbehandelte allergische Rhinitis erhöht das Risiko, im Verlauf Asthma zu entwickeln, deutlich.
„Reicht mein Asthmaspray aus?“
Dr. Zieglmayer: Nein, nicht immer. Wenn auch die Nase betroffen ist, sollte diese gezielt mitbehandelt werden, um die Asthmakontrolle zu verbessern.
Im Alltag bleibt dieser Zusammenhang jedoch oft unerkannt: „Viele Patienten haben sich an eine chronisch verstopfte Nase gewöhnt. Sie berichten eher von einem kratzigen Hals in der Früh durch nächtliche Mundatmung oder von vermeintlicher Infektanfälligkeit, selten jedoch von nächtlichem Husten oder Atemnot bei Belastung“, weiß die HNO-Ärztin zu berichten. Umgekehrt wird bei bestehendem Asthma nicht immer gezielt nach Nasenbeschwerden gefragt – ein Versäumnis, das Folgen für Diagnose und Therapie haben kann.
Beide Erkrankungen zusammen behandeln
Mittlerweile weiß man: Von der konsequenten Therapie des Heuschnupfens profitiert auch die Lunge des Asthmatikers. „Als Therapie der ersten Wahl bei mittelstarken bis schweren Beschwerden gelten kortisonhaltige Nasensprays. Sie lindern nicht nur die Symptome der Rhinitis, sondern können sich auch positiv auf asthmabedingte Beschwerden auswirken“, so Priv. Doz. Dr. Zieglmayer.
Zusätzlich kommen Antihistaminika sowie Medikamente, die Entzündungen dämpfen und die Atmung erleichtern, zum Einsatz. Auch die allergenspezifische Immuntherapie (AIT, „Hyposensibilisierung“) spielt bei der Behandlung eine wichtige Rolle. Letztere kann – Studien zufolge – sowohl die Beschwerden von Heuschnupfen und Asthma reduzieren als auch das Risiko senken, dass sich aus einer allergischen Rhinitis Asthma entwickelt.
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