Die ITB, die größte Tourismusmesse der Welt in Berlin, zeigt deutlich, wohin die Reise geht. Tirol ist dabei und wird wohl zu den Gewinnern der aktuellen Entwicklungen und neuen Reisetrends gehören. Überschattet wird der Branchentreff von den Ereignissen im Nahen Osten.
„Die Zeiten der regelbasierten Weltordnung sind vorbei.“ Das sagte der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer als einer der Hauptredner der bis Donnerstag dauernden Reisemesse ITB in Berlin, dem größten Branchentreff der Welt. Auch Österreich und Tirol präsentieren sich dort. Die „Krone“ war vor Ort und hat eine Branche im Umbruch erlebt.
Viele Tirol-Urlauber von Krieg in Nahost betroffen
Die 60. Ausgabe der ITB ist überschattet von den Ereignissen im Nahen Osten. Der Krieg im Iran und seine Auswirkungen auf die gesamte Region führen – wieder einmal – vor Augen, wie rasch scheinbar sichere Touristenpfade zu Sackgassen werden können.
Fischer sprach von Konflikten, Naturkatastrophen und Kriegen als unveränderliche Elemente des Daseins. Darauf müsse sich der Tourismus einstellen. Noch will und kann niemand ermessen, welche Auswirkungen die aktuellen Ereignisse langfristig haben werden.
„Für uns geht es etwa um die Verbindungen von Asien nach Europa“, spricht Karin Seiler, Geschäftsführerin der Tirol Werbung, den nach der Pandemie gerade erst wieder erstarkten asiatischen Markt an. Aber auch Urlauber aus arabischen Ländern und Israel haben in Tirol deutlich an Bedeutung gewonnen – wenn auch auf vergleichbar niedrigem Niveau. Diese Gäste machen in Summe ein Prozent der Nächtigungen aus – im Vorjahr rund 500.000 -, doch sie haben allein im vergangenen Sommer Zuwächse von teilweise deutlich mehr als 20 Prozent verzeichnet.
Im Radtrend sehen wir eine große Chance für unsere Region. Vor allem, wenn im Juni der neue Talradweg eröffnet.

Michael Mairhofer
TVB Wildschönau
Bild: Claudia Thurner
Tirol ist eine Stecknadel in der Welt. Das wird auf der ITB deutlich. Aber wir haben die Kraft, als Reiseziel zu punkten.

Martin Ebster
TVB St. Anton
Bild: Claudia Thurner
„Klein, nah, sicher und kühl“ als Trend
Für Seiler liegt eine der Antworten auf unsichere Zeiten in der Internationalisierung der Gästeschichten. Wer kommt, wird sich verändern. Die Konstante: Die Reiselust ist ungebrochen. Das wurde auf der ITB ganz deutlich. Unterwegs sein, andere Länder erkunden und Abenteuer erleben – das gehört für immer mehr Menschen zu einem Grundbedürfnis. Das Wohin ist veränderbar. „Klein, nah, sicher und kühl“, fasst Seiler einen Trend zusammen, von dem Tirol seit Jahren profitiert. Auch Martin Ebster, Direktor des Tourismusverbands St. Anton, spricht von der „Sehnsucht nach sicherem Reisen“. Die geopolitische Lage sei nur ein Aspekt. Tourismus-LR Mario Gerber (ÖVP) nennt als weiteren eine gute Infrastruktur auf den Bergen.
Die Trends kommen immer noch schneller
Reisen kommt nicht aus der Mode. Aber das Wie verändert sich rasant. Vor allem Künstliche Intelligenz (KI) wird Touristenströme in Zukunft immer noch stärker lenken und Trends generieren, auf die sich Touristiker immer noch schneller einstellen müssen. Ein Trend, der auch ohne KI in Tirol immer deutlicher wird, ist jener des „hybriden Gastes“, wie es Benjamin Kneisl, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Tiroler Tourismusverbände (VTT), ausdrückt. „Im März und April bewegen wir uns weg von der klassischen Wintersaison. Es wird schwierig, die Gäste zu Ostern allein fürs Skifahren zu begeistern“, sagt Kneisl.
Wie schaut die Alternative aus? „Vormittags Skifahren, am Nachmittag aufs Rad oder zum Golfen“, nennt Kneisl eine Entwicklung.
Der Gast ist unstet geworden: Er will in kurzer Zeit viel erleben – aber immer mit dem Gefühl, alles ist entschleunigt, naturnah, authentisch. Das ist die Quadratur des Kreises für den Tourismus. Die Tiroler zeigten sich auf der ITB zuversichtlich, dass dies gelingen kann.
Rund 50 Journalisten kamen am Mittwoch zum Pressefrühstück der Tirol Werbung in Berlin. Im 60. Jahr der ITB hat diese Einladung bereits Tradition und ist eine ideale Gelegenheit, Lust auf Urlaub in den Bergen zu machen. In diesem Jahr mit einem Spot, der das „Tirol-Gefühl“ beschwört.
Tourismus-LR Mario Gerber sprach vor den Journalisten vom ehrlichen Tourismus, von der Gastfreundschaft und doch großen Tourismusakzeptanz der Bevölkerung, die hinter dem „Tirol-Gefühl“ stehen. Karin Seiler, GF der Tirol Werbung, rief im frühlingshaften Berlin den Winter auf den Tiroler Bergen in Erinnerung.
Die deutsche Hauptstadt mit ihren fast vier Millionen Einwohnern ist heuer ein Schwerpunktgebiet der Tirol Werbung, gemeinsam mit den Regionen Kitzbühel, Achensee und Zugspitzarena. Eine sportliche Stadt, für die Tirol idealer Abenteuerspielplatz ist. Davon erzählte die deutsche Ultraläuferin Rosanna Buchauer. Dass sie an einem Tag umgerechnet fünfmal auf die Zugspitze läuft, belegt einen Trend der Zeit. Naturerlebnis, aber bitte extrem – Trailrunning ist als Grenzerfahrungen zum Breitensport geworden. Kein Nischenprodukt, sondern Massenphänomen. Rennen sind im Nu ausgebucht.
Sechs Millionen Euro steckt die Tirol Werbung in die Sommer-Kampagne. Berlin ist ein Schwerpunkt. Hier sind die Trendsetter daheim. Was hier investiert wird, soll auf ganz Deutschland ausstrahlen – immerhin Tirols wichtigster Markt mit fast 27 Millionen Nächtigungen im Jahr. Und bald könnte es laut Gerber auch wieder mit der Flugverbindung Frankfurt klappen.
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