83 Angestellten des Salzburger Tageselternzentrums (TEZ) droht die Kündigung. Um ihren Pädagogen zu helfen, haben sich knapp 100 Menschen am Platzl in der Landeshauptstadt zu einer Kundgebung getroffen. Sie unterstützten damit Forderungen des Betriebsrats nach Gesprächen auf Augenhöhe – und ohne Drohungen.
Laut ist es zugegangen am Platzl in Salzburg. Denn knapp 100 Menschen haben sich versammelt, um gegen 83 Kündigungen zu demonstrieren, die das Tageselternzentrum (TEZ) ausgesprochen hat. Dabei haben die Mitarbeitenden die Wahl: Entweder sie unterschreiben bis zum 15. März neue Verträge, in denen es keinen Gehaltsbonus in Höhe von 20 Prozent mehr gibt, oder sie werden hinausgeworfen.
Unsere Tagesmutter hat eine Kündigung bekommen. Jakob ist vier Tage pro Woche bei ihr. Wir sind darauf angewiesen.

Lisa Reindl mit ihrem Sohn (zwei Jahre)
Bild: Markus Tschepp
Die Geschäftsleitung will uns 20 Prozent Zulage wegnehmen. Ich würde nicht kündigen – aber wohl gekündigt werden.

Helmut Atzmüller, TEZ-Tagesvater
Bild: Markus Tschepp
Ich wäre aus der Karenz draußen und könnte arbeiten. Aber ich weiß nicht, wie lange meine Tochter noch betreut wird.

Jaqueline Wertschnig, betroffene Mutter
Bild: Markus Tschepp
„20% weg! Wo sollen wir bleiben“, steht etwa neben einer Kinderzeichnung auf einem Plakat. Oder: „Ich bin TEZ-Tageskind und will bleiben“. Doch genau das wird nicht so einfach werden, denn: Am 19. Februar gibt es mit Geschäftsführung und Gewerkschaft Sozialplanverhandlungen.
„Dabei haben wir ein sehr prekäres Arbeitsverhältnis, das von der Kinderzahl abhängt“, sagt TEZ-Tagesvater Helmut Atzmüller zur „Krone“. Demnach hänge sein Lohn davon ab, wie viele Tageskinder ihm durch das TEZ vermittelt werden. „Jetzt soll ich weniger Lohn bekommen, aber weitermachen wie bisher?“
Betreuungssituation verhindert Job-Zusagen
Direkt betroffen ist Jaqueline Wertschnig. Ihre Karenzzeit ist vorbei und sie hat bereits mehrere Bewerbungen geschrieben, wisse aber nicht, wie lange ihre Tochter noch zur Tagesmutter könne: „Was soll ich denn den Betrieben mitteilen, wenn ich eine Zusage bekomme?“
Ähnlich geht es auch Lisa Reindl: „Ich bin Volksschullehrerin und wenn mein Sohn nicht mehr betreut wird, kann ich nicht mehr arbeiten.“ Dabei sei sie für ihren Beruf extra früher aus der Karenz zurückgekommen. „Bei uns wird ja händeringend nach Lehrern gesucht“, erzählt sie.
Viele Kolleginnen und betroffene Eltern sind da. Wir sind gesprächsbereit, wenn die Androhungen zurückgenommen werden.

Daniela Kandler, TEZ-Betriebsratschefin
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Ich bin da, um die Tagesmütter zu unterstützen. Es ist eine bodenlose Frechheit, was da gerade gemacht wird.

Barbara Burger mit ihrer Tochter (1,5 Jahre)
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Als meine Kinder klein waren, habe ich für Mutter-Kind-Gruppen gekämpft. Jetzt kämpft meine Tochter für Tageseltern.

Renate Fuchs-Haberl, betroffene Oma
Bild: Markus Tschepp
Dass sich manche Dinge über Jahrzehnte nicht ändern, findet Renate Fuchs-Haberl. Sie ist als Oma indirekt betroffen. „Wir haben uns damals unter anderem für eine Kindergartengruppe für Dreijährige in Nußdorf engagiert“, sagt sie. „Jetzt kämpft die nächste Generation wieder – dieses Mal um ihre Tageseltern.“
Der TEZ-Betriebsrat zeigt sich für weitere Gespräche offen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Kündigungs-Androhungen vorher zurückgenommen werden.
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