Ausgetrunken?

Brau Union verkaufte sieben Prozent weniger Bier

Oberösterreich
12.02.2026 09:30
Porträt von Krone Oberösterreich
Von Krone Oberösterreich

Die zu Heineken gehörende Brau Union mit Sitz in Linz spürt die verhaltene Konsumlaune und die Einwegpfand-Einführung und sucht nach Strategien gegen den Absatzrückgang. Man habe im Vorjahr in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel um sechs bis sieben Prozent weniger Bier verkauft, sagte Brau-Union-Chef Hans Böhm.

Der Bierdosen-Absatz beim Linzer Brauereiunternehmen brach sogar um ein Viertel ein. Einen Kahlschlag beim Personal schließt der Manager im APA-Gespräch in nächster Zeit dennoch aus.

Dosenpfand als längerfristiger Einschnitt
Die Brau Union ist mit großem Abstand Marktführer in Österreich und machte zuletzt gut 900 Millionen Euro Umsatz. Zu ihr gehören Biermarken wie Gösser, Zipfer, Kaiser, Puntigamer, Schwechater, Wieselburger, Schladminger und Edelweiss. Rund die Hälfte des hierzulande produzierten Bieres entfällt auf den Konzern, der von veränderten Rahmenbedingungen freilich ebenso wie seine Konkurrenten nicht verschont bleibt: Neben der Konsumzurückhaltung wirbelte zuletzt vor allem das Dosenpfand den Markt auf, Böhm rechnet hier mit längerfristigen Einschnitten.

Denn bis sich Konsumgewohnheiten normalisieren würden, dauere es – außerdem lohne sich der Kauf für viele ausländische Konsumenten, die sich in den Grenzregionen mit österreichischem Bier versorgen, durch das Pfand weniger. Der Manager verwies auch auf Deutschland, wo es nach der Pfandeinführung viele Jahre gedauert habe, bis die negativen Effekte für die Brauereien verpufft seien.

Kein Stellenabbau geplant
Auf den Absatzrückgang reagierte der Brauereikonzern mit Stellenstreichungen und Effizienzmaßnahmen. Die Produktion der Villacher Brauerei wurde im Wesentlichen in die Steiermark verlagert. Auch im Logistikbereich und im Gastro-Vertrieb wurde personell eingespart. Die Zahl der Mitarbeiter (Vollzeitstellen) sank großteils durch nicht nachbesetzte Pensionierungen, aber auch durch Kündigungen im Vorjahr um fünf Prozent auf rund 2400 Beschäftigte. Größere Einschnitte beim Personal wolle man trotz allem auch heuer vermeiden, versicherte Böhm. Die Brau-Union-Mutter Heineken hatte am Mittwoch angekündigt, in den kommenden zwei Jahren weltweit 6000 Stellen abbauen zu wollen.

Wege aus der Flaute
Wie wieder Schwung in den schwächelnden Biermarkt geraten könnte? Patentrezepte hat der Niederländer zwar nicht, gemeinsam mit der Gastronomie wolle man allerdings versuchen, mehr Leute in die Lokale zu locken, was seitens der Brau Union vor allem über Innovation bei den Biersorten gelingen soll. So arbeite der Konzern daran, mehr Auswahl bei Zapfbier (Fassbier) zu bieten. Außerdem sei man bestrebt, das alkoholfreie Segment auszubauen, sagte Böhm. In Österreich lag der Anteil alkoholfreier Sorten zuletzt bei knapp vier Prozent des gesamten Bierausstoßes und damit deutlich hinter anderen europäischen Ländern. Böhm sieht in alkoholfreiem Bier eine Chance, mittelfristig sei ein Anteil von gut zehn Prozent möglich.

Vielfalt erhöhen
Generell gehe es darum, die geschmackliche Vielfalt zu erhöhen, so der Firmenchef, der demnächst die Leitung des gesamten DACH-Raums für die Brau Union übernimmt. So habe der Konzern den Braumeistern der eigenen kleineren Brauereien – das sind Falkenstein, Kaltenhausen, Linzer, Schladminger, Schleppe und Villacher – im Vorjahr mehr Freiheit eingeräumt, um den österreichischen Markt „mit neuen Sachen zu überraschen“. Man habe ein „bisschen den Druck auf die Produktivität weggenommen und Platz gemacht für mehr Innovationsfähigkeit“. Und man sei immer auf der Suche nach dem „nächsten Gösser Radler“, den Böhm als Erfolgsprodukt anpries.

Die zwölf zur Brau Union gehörenden Brauereien in Österreich führen insgesamt gut 100 Biersorten im Sortiment. Das Angebot des Marktführers war in der Vergangenheit von Konkurrenzfirmen der unabhängigen Privatbrauereien thematisiert worden, die die Marktdominanz von Österreichs größtem Braukonzern kritisierten und vor einem „Konzern-Einheitsbier“ warnten.

Kartellverfahren läuft
Im medialen Fokus stand die Brau Union zuletzt vor allem aufgrund eines laufenden Kartellverfahrens. Dabei geht es um die Zusammenarbeit des Braukonzerns mit Getränke-Logistikpartnern und die Frage, ob wirtschaftlicher Druck auf die Getränkelieferanten ausgeübt wurde. Die Bundeswettbewerbsbehörde ortet „eine Einflussnahme auf die Aktivität der unabhängigen Getränkehändler“ durch den Braukonzern.

Die als Logistikpartner fungierenden Getränkehändler liefern Bier und andere alkoholfreie Getränke auf Rechnung der Brau Union aus und bekommen dafür eine nicht näher bezifferte Logistikvergütung. Gleichzeitig können sie bei diesen „Streckenlieferungen“ für den Bierkonzern auch eigene Getränke an die belieferten Kunden verkaufen.

Die Brau Union hatte vor Gericht angekündigt, bis Jahresende aktualisierte Verträge mit 35 Logistikpartnern abzuschließen, um damit Kritikpunkte der BWB auszuräumen. „Der Großteil von den 35 Logistikpartnern hat die neuen Verträge unterschrieben“, erklärte der Firmenchef. Ende Februar könnte es zwischen Brau Union und der BWB auch zu einem außergerichtlichen Gespräch kommen. In Kartellverfahren sind einvernehmliche Verfahrensbeendigungen – sogenannte Settlements – möglich. Diese reduzieren das Bußgeld und verkürzen das Verfahren. Im Kartellverfahren sind weitere Verhandlungstermine für März angesetzt.

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