Ein Posting versetzt Eltern in einer beschaulichen Kleingemeinde in Oberösterreich in Angst. Sie sorgten sich, dass ihre Kinder draußen beim Spielen oder am Schulweg in Gefahr sind, weil eine Warnung zigfach geteilt wurde. Die „Krone“ machte den Fakten-Check.
Wie ein Lauffeuer verbreitete sich binnen Stunden eine Meldung vor allem im Innviertel: Mehrere maskierte Männer hätten versucht, ein Kind zu entführen!
Zigfach auf Social Media geteilt
Und das offenbar nicht zum ersten Mal – siehe die Mitteilung unten, die via Social-Media-Kanäle wie WhatsApp, Facebook etc. – hundertfach geteilt wurde. „Ich sah sie auf Facebook und dachte, es ist wichtig, diese Information weiterzugeben“, sagte ein Braunauer Busfahrer, der die Nachricht in teils überregionalen Gruppen teilte.
„Habe Information nicht mehr weitergegeben“
Auch der Auerbacher Bürgermeister Josef Seidl, in dessen Gemeinde sich der angebliche Entführungsversuch zugetragen haben soll, bekam die Warnung nicht nur einmal auf sein Handy. „Ich habe sie aber nicht mehr weitergeschickt, weil ich nicht wusste, was dahintersteckt“, sagt der Ortschef der knapp 900-Einwohner-Gemeinde im Bezirk Braunau. „Vor Jahren gab es schon einmal Meldungen über einen weißen Kastenwagen, in dem ein dunkelhäutiger Mann saß, der mehrere Kinder angesprochen haben soll“, erinnert sich der Ortschef. „Rausgekommen“ sei damals aber nichts.
Mutter ließ Kinder nicht mit Rad zur Schule fahren
„Wir haben sofort unsere Kinder gefragt, ob sie etwas wissen, und haben sie am Montag nicht mit dem Fahrrad zur Schule fahren lassen“, erzählt eine besorgte Mama. Die „Krone“ machte den Tatsachen-Check. Doch es gibt bei der Polizei keine aktuelle oder längerfristig zurückliegende Anzeige über mutmaßliche versuchte Kindesentführungen. Falls solche Meldungen offiziell bei der Exekutive ankommen, werden sie jedenfalls ernst genommen, auch wenn sich die meisten als Fehlalarme herausstellen.
Ursprung kaum nachvollziehbar
„Aber man weiß nie, was dahintersteckt, und daher wird jede Anzeige untersucht“, heißt es bei der Polizei. Wer im aktuellen Fall die erste „Warnung“ online stellte, lässt sich auf die Schnelle kaum nachvollziehen, da sie so oft und so rasch in den sozialen Medien geteilt wurde.
Die WhatsApp-Gruppe gab’s schon immer – früher nannte man es Tratschen. „Weißt du schon, dass ...?“ – und schon ging’s los mit Hörensagen, Gerüchten und Co. Jetzt sind wir längst bei Tratschen 2.0 angekommen, das Tempo der Ausbreitung und die Empfängerzahl explodiert.
Hinterfragt wird heute genauso wenig wie damals, als sich die „Tratschen“ – übrigens weiblich und männlich gemeint – irgendwo trafen. Und die viel beschworene KI übernimmt, wenn es online nur oft genug wo steht, auch Fehlinfos. Darum frage ich so gerne persönlich nach, ob etwas stimmt – und das nicht nur beruflich.
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