Sanitäter im Fokus

Eine Aktionswoche rüttelt für den Ernstfall auf

Oberösterreich
19.05.2026 05:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr: Wenn Menschen Hilfe benötigen, ist der Rettungsdienst da. Die Aktionswoche Rettungsdienst holt diese Arbeit auf Initiative vom Bundesverband Rettungsdienst und der „Krone“ vor den Vorhang. Clemens Kaltenberger, Präsident des BVRD.at, erklärt im Interview, was es für einen zukunftssicheren Rettungsdienst in Österreich braucht.

Rettungsdienste weltweit veranstalten diese Woche unter dem Namen EMS-Week (Emergency Medical Services Week) Events. In Österreich rufen dazu der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD.at) und die „Krone“ bis 24. Mai zur Aktionswoche auf. Aktionen und Begegnungen zeigen auf, wie vielseitig, innovativ und unverzichtbar der Rettungsdienst für unsere Gesellschaft ist. Alle Infos dazu unter: bvrd.at/emsweek.

Der BVRD.at schafft Rahmenbedingungen für Sanitäter.
Der BVRD.at schafft Rahmenbedingungen für Sanitäter.(Bild: BVRD.at)

Was ist eigentlich der BVRD.at? 
Wird der Notruf gewählt, können wir auf Hilfe vertrauen. Um die Rahmenbedingungen dafür kümmert sich der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD.at). Der BVRD.at ist die Plattform für den Rettungsdienst und für alle Sanitäter in Österreich – vom freiwilligen Sanitäter bis zum Notfallsanitäter, vom Land bis zur Großstadt. Mit einem klaren Ziel: Mehr Qualität und mehr Sicherheit für Patienten, egal, wo sie in Österreich den Notruf wählen!

Die „Krone“ traf BVRD.at-Präsident Clemens Kaltenberger zum Interview:

„Krone“: Gibt es im österreichischen Rettungswesen so viele Baustellen, dass es dafür einen eigenen Bundesverband benötigt? 
Clemens Kaltenberger: Der Rettungsdienst ist ein zentraler Bestandteil unseres Gesundheitssystems, aber er bekommt bei weitem nicht die Aufmerksamkeit, die er verdient. Wir erleben tagtäglich, wie viel Verantwortung Sanitäter tragen und wie wenig davon in der politischen Realität ankommt. Genau hier setzt der BVRD.at an: Wir arbeiten unabhängig, sprechen Missstände offen an und legen konkrete Lösungen auf den Tisch. Am Ende geht es darum, die Versorgung vor dem Krankenhaus nachhaltig zu verbessern: für die Patienten, aber auch für die Menschen, die jeden Tag für sie im Einsatz stehen.

Welche Themen brennen Ihnen aktuell am meisten unter den Nägeln?
Ein Riesenthema ist die Ausbildung. Der Rettungsdienst entwickelt sich fachlich rasant weiter, aber die Ausbildungsstrukturen halten nicht überall mit. Uns fehlt in Österreich der Gesundheitsberuf eines diplomierten Notfallsanitäters, den es in allen Nachbarländern gibt. Das steigert den Druck auf Notarztsysteme und Spitalsambulanzen, weil bei uns jeder ins Krankenhaus gebracht wird. Das ist längst überholt. Wir brauchen eine echte Professionalisierung der Rettungsberufe mit Durchlässigkeiten in die Pflege und andere Gesundheitsberufe.

Zitat Icon

„Uns fehlt in Österreich der Gesundheitsberuf eines diplomierten Notfallsanitäters, den es in allen Nachbarländern gibt.“

BVRD.at-Präsident Clemens Kaltenberger

Mit dem „Camillo-Award“ haben Sie eine besondere Ehrung für Sanitäter geschaffen. Was bedeutet diese Auszeichnung für die Szene? 
Der „Camillo-Award“ zeichnet Menschen aus, die oft jahrelang im Hintergrund Großartiges leisten: in der Ausbildung, in Projekten, als Führungskräfte. Genau diese Initiativen und dieses Engagement wollen wir sichtbar machen, denn das sind die Personen, die den Rettungsdienst voranbringen. Der Award zeigt auch, wie viel Kompetenz und Leidenschaft im österreichischen Rettungsdienst steckt, weit über Organisations- und Bundeslandgrenzen hinweg.

Gemeinsam mit der „Krone“ und der Aktionswoche Rettungsdienst gehen Sie ganz bewusst an die breite Öffentlichkeit. Warum ist das so wichtig? 
Viele verbinden mit dem Rettungsdienst nur Blaulicht und den Transport ins Krankenhaus. Die Realität ist viel komplexer: jahrelange Ausbildung, Qualitätssicherung und eine enorme organisatorische Leistung. In der Aktionswoche öffnen wir die Türen mit Aktionen in ganz Österreich, Hintergrundberichten und Einblicken in den Alltag der Einsatzkräfte. Wir wollen zeigen, wie vielseitig dieser Beruf ist, junge Menschen für den Rettungsdienst begeistern und insgesamt mehr Wertschätzung schaffen.

Was wird in Zukunft alles auf den Rettungsdienst in Österreich zukommen?
Er wird noch stärker gefordert sein. Das liegt am demografischen Wandel, an steigenden Einsatzzahlen und komplexeren medizinischen Anforderungen. Wenn wir jetzt nicht in Ausbildung, Qualität und Personal investieren, laufen wir Gefahr, ein System zu überlasten, das ohnehin schon am Limit arbeitet. Österreich hat zwar im internationalen Vergleich Aufholbedarf, aber auch enormes Potenzial. Wenn Politik, Organisationen und Fachkräfte an einem Strang ziehen, können wir den Rettungsdienst auf sehr hohem Niveau sichern und weiterentwickeln.

Zitat Icon

„Wenn wir jetzt nicht in Ausbildung, Qualität und Personal investieren, überlasten wir ein System, das ohnehin schon am Limit arbeitet.“

BVRD.at-Präsident Clemens Kaltenberger

Was wünschen Sie sich persönlich für die nächsten Jahre? 
Ganz klar: mehr echte Wertschätzung für alle Menschen im Rettungsdienst. Und damit meine ich nicht nur Applaus, sondern bessere Rahmenbedingungen, Planungssicherheit und die Anerkennung, die diese Tätigkeit verdient. Wenn es uns gelingt, diese Arbeit sichtbarer zu machen und gleichzeitig das System so weiterzuentwickeln, dass Einsatzkräfte gesund, motiviert und gut ausgebildet ihren Job machen können, dann haben wir viel erreicht.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung