Heikles Überangebot

US-Raffinerien bleiben auf Öl aus Venezuela sitzen

Wirtschaft
03.02.2026 22:04
Porträt von krone.at
Von krone.at

Donald Trump hat mit seinem Coup in Venezuela der US-Ölindustrie etwas gegeben, wonach niemand in der Branche gefragt hat. Das zeigt sich jetzt: Nach dem Abschluss eines Liefervertrages zwischen Washington und Caracas kämpfen die Raffinerien an der Golfküste mit einem Überangebot.

Die rasant angestiegenen Öl-Lieferungen aus Venezuela drücken Händlern und Schifffahrtsdaten zufolge auf die Preise und führen dazu, dass etliche Ladungen unverkauft bleiben. Die schwache Nachfrage erschwert die Pläne von US-Präsident Donald Trump, das Öl des südamerikanischen Landes vorrangig in die USA zu leiten.

„Wir stehen alle vor dem Problem, dass es mehr Angebot als Abnehmer gibt“, sagte ein Händler. Die Exporte in die USA haben sich im vergangenen Monat auf 284.000 Barrel pro Tag (bpd) fast verdreifacht.

Händler finden keine Käufer
Die Raffinerien klagen, dass die Preise im Vergleich zu konkurrierenden kanadischen Sorten zu hoch seien. Während venezolanisches Schweröl zuletzt mit einem Abschlag von etwa 9,50 Dollar pro Barrel zur Nordsee-Sorte Brent angeboten wurde, wurde kanadisches WCS-Öl am Dienstag mit einem noch attraktiveren Abschlag von rund 10,25 Dollar gehandelt. Die Handelshäuser Vitol und Trafigura, die neben dem US-Konzern Chevron Lizenzen für den Export erhielten, haben nun Mühe, Käufer zu finden.

Eine Entlastung für den Markt könnte aus Indien kommen. Der indische Mischkonzern Reliance Industries erwägt Importe, nachdem Trump am Montag ein Handelsabkommen mit Neu-Delhi verkündet hatte.

Peking zieht sich zurück
Dieses sieht vor, dass Indien im Gegenzug für US-Zollsenkungen kein russisches Öl mehr kauft und stattdessen auf Lieferungen aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela setzt.

China, ehemals der wichtigste Abnehmer, fällt dagegen derzeit aus. Seit Jahresbeginn wurden keine Lieferungen mehr dorthin verzeichnet, und der Staatskonzern PetroChina hat Händler angewiesen, das Geschäft vorerst ruhen zu lassen.

Hintergrund der Marktturbulenzen ist der politische Umbruch in Caracas. US-Spezialkräfte hatten den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro im vergangenen Monat bei einem Zugriff in der Hauptstadt festgenommen und in die USA gebracht. Danach schloss die US-Regierung ein Lieferabkommen im Volumen von zwei Milliarden Dollar mit der Interimspräsidentin Delcy Rodriguez. Washington hat angekündigt, die Ölverkäufe des Landes auf unbestimmte Zeit zu kontrollieren, was die traditionellen Handelsströme verlagert hat.

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