Epidemie in den USA

Masern-Fälle geraten zunehmend außer Kontrolle

Ausland
02.02.2026 17:26
Porträt von krone.at
Von krone.at

Seit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sein Amt angetreten hat, machen sich in den USA wieder die Masern breit. Jetzt traf es eine Haftanstalt der US-Einwanderungsbehörde ICE im Süden von Texas. Das Gefängnis dürfte allerdings das geringste Problem von Impfskeptiker Kennedy sein ...

Nach zwei bestätigten Infektionen in der Haftanstalt seien mehrere Migranten in Quarantäne gekommen, die Kontakt mit den Infizierten gehabt haben könnten, teilte eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums mit.

US-Medienberichten zufolge handelt es sich um eine Einrichtung, in der Eltern und Kinder wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsgesetze festgehalten werden. „Jegliche Bewegung“ in der Einrichtung sei untersagt worden. Was das konkret für die Inhaftierten bedeutet und wie lange die Maßnahme bestehen bleiben soll, war zunächst unklar.

Anwälten wird Zugang verwehrt
Die Einrichtung in dem Ort Dilley war zuletzt wegen der Inhaftierung eines Fünfjährigen in die Schlagzeilen geraten. Er war mit seinem Vater vor rund zwei Wochen bei einer Razzia im Bundesstaat Minnesota aufgegriffen und in Gewahrsam genommen worden. Nach einer Gerichtsentscheidung kamen die beiden am Sonntag wieder frei.

Das Bild von Liams (5) Festnahme ging um die Welt.
Das Bild von Liams (5) Festnahme ging um die Welt.(Bild: Kamala Harris/X.com)

Die Anwältin Neha Desai, die sich für Kinder in Gewahrsam einsetzt, mahnte, die Masern dürften nicht als Vorwand genommen werden, um ihr und ihren Kollegen den Zugang zur Einrichtung zu verwehren, sagte sie dem Sender CBS. 

Neue Masern-Epidemie in den USA
Die USA erleben derzeit den größten Masernausbruch seit über 20 Jahren, der eine historische medizinische Errungenschaft zunichtemachen könnte. Allein im Jänner 2026 wurden laut der US-Seuchenschutzbehörde CDC bereits über 658 Fälle gemeldet – mehr als in den Jahren 2022, 2023 und 2024 zusammengenommen. 

In den USA wurden 2026 bereits 588 Fälle bestätigt.
In den USA wurden 2026 bereits 588 Fälle bestätigt.(Bild: CDC)

Experten befürchten für das weitere Jahr einen explosionsartigen Verlauf der Ansteckungen, sollte Kennedy keine entsprechenden Maßnahmen ergreifen. Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten und können in Extremfällen lebensbedrohlich sein. Mit Masern-Viren kann man sich über Speicheltröpfchen in der Luft anstecken. 

Kritiker sehen eine direkte Mitverantwortung für die Krise im Weißen Haus. Die Regierung unter Präsident Donald Trump trage dazu bei, die Impfskepsis im Land zu befeuern. Besonders Gesundheitsminister Kennedy schürt die Verunsicherung. Er besetzte wichtige Expertengremien neu und dünnte den offiziellen Impfkalender aus.

Während sein Ministerium auf dem Papier die Impfung als wirksamsten Schutz bezeichnet, spielt Kennedy die Gefahr von Maserninfektionen öffentlich herunter und propagiert unkonventionelle und potenziell gefährliche Behandlungsmethoden mit Vitaminen, Steroiden oder Antibiotika, was im vergangenen Jahr zu Vergiftungen in der Bevölkerung führte.

Impfquote sinkt seit Kennedy-Antritt stetig
Die Folgen seiner Politik sind deutlich spürbar: Seit der Corona-Pandemie ist die Impfquote bei Kindergartenkindern landesweit von 95,2 auf 92,5 Prozent gesunken, was laut Experten nicht mehr für eine effektive Herdenimmunität ausreicht.

Gesundheitsminister und Impfskeptiker Kennedy führte die vielen Infektionen unter ungeimpften ...
Gesundheitsminister und Impfskeptiker Kennedy führte die vielen Infektionen unter ungeimpften Kindern mitunter auf „schlechte Ernährung“ zurück.(Bild: AFP/Kevin Dietsch/Getty Images)

Das Virus verbreitet sich oft rasant in konservativen und streng religiösen Gemeinschaften mit großen Impflücken. Epizentrum der Welle ist der Bundesstaat South Carolina, wo die hochansteckende Krankheit vor allem ungeimpfte Kinder und Jugendliche trifft. Mehr als ein Viertel der Erkrankten ist laut CDC jünger als fünf Jahre.

Schon das Vorjahr 2025 war mit über 2260 registrierten Fällen das schlimmste seit 30 Jahren. In Texas starben zwei Kinder – die ersten Maserntoten in den USA seit mehr als einem Jahrzehnt.

Über 25 Jahre galten die Masern in den USA als offiziell eliminiert. Beobachter gehen nun davon aus, dass der Status noch in diesem Jahr offiziell aberkannt werden wird. Eine erste Beratung der panamerikanischen Weltgesundheitsorganisation ist dazu für April angesetzt.

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