Ein jahrhundertealter Brauch wird in Bad Eisenkappel seit einer Hochwasserkatastrophe gelebt. Heute noch werden gebastelte Kirchlein zur Vellach gebracht – und es wird um Schutz gebeten.
Im Spätmittelalter wurde der heutige Luftkurort Bad Eisenkappel von einem dramatischen Hochwasser heimgesucht. Die Menschen mussten flüchten und fanden auf der Anhöhe bei der Kirche Maria Dorn Sicherheit und Schutz.
Ein kleines Kirchlein wurde gebaut, und zur Besänftigung der Fluten in das Wasser gegeben. Und zwar mit einem Gelöbnis – das von da an immer zu tun, wenn es hilft! Tatsächlich haben sich die Wassermassen beruhigt.
Seit Jahrhunderten wird am Vorabend vor Mariä Lichtmess am 2. Februar der Brauch des Kirchleintragens durchgeführt. „Jeder in unserem Ort hat dies als Kind gemacht“, sagt Kindergärtnerin Katrin Loger. Im Kindergarten wie auch in der Volks- und sogar der Mittelschule basteln die Kinder bereits in den Wochen vor dem 1. Februar kleine bis größere Kirchlein.
„Als ich klein war, wollte ich meine Kunstwerke nie der Vellach übergeben – weil sie so schön waren! Ich hab’ sie immer mit heim genommen“, lacht Loger. Auch Eva Kuchar vom Gemeindeamt erinnert sich: „Es liegt mehr als 50 Jahre zurück, als ich als Kind bei ,Ante Pante‘ dabei gewesen bin. Es war immer kalt, aber wunderschön.“
„Ante pante populore, kocle vrate cvilelore!“
Auch Bürgermeisterin Elisabeth Lobnik kennt den Brauch freilich seit ihrer frühesten Kindheit: „Das war immer sehr aufregend. Mein Vater hat mit uns fünf Kindern die Kirchlein gebastelt. Wir haben sogar wunderschöne bunte Mosaikfenster und kleine Gotteshäuser mit zwei Türmen gebaut“, erinnert sie sich.
Das wichtigste sei aber der Spruch: „Ante pante populore, kocle vrate cvilelore!“ Dieser lustig klingende Satz wird am Weg zur Vellach in die Dunkelheit gerufen. „Wir haben so laut geschrien, dass wir oft am nächsten Tag schulfrei hatten, weil die Stimme weg war“, so Lobnik.
Kirchlein bringen Schutz vor dem Hochwasser
Heute, Sonntag treffen sich Kinder und Erwachsene wieder, um den uralten Brauch zu pflegen. Los geht’s um 18 Uhr bei der Volksschule. Die gebastelten Kirchlein – sie wurden sorgfältig aus Holz, Pappe und Papier gefertigt und sind mit einer brennenden Kerze bestückt – werden zuerst bei der Pfarrkirche Eisenkappel gesegnet und danach bei der Schlossbrücke der kalten Vellach übergeben. Für genügend Licht und Sicherheit sorgt dabei die Feuerwehr.
Und dann tanzen die kleinen, leuchtenden Kirchlein mit ihren roten Dächern auf den Wellen dahin – manche kippen gleich um, andere schwimmen hunderte Meter weit und bitten um Schutz vor dem Hochwasser.
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