Maßnahmen aufgezeigt

OP-Stau zwingt Patienten in andere Spitäler

Oberösterreich
29.01.2026 15:41

OP-Stau in Oberösterreich: Patienten werden quer durchs Land verlegt, Ärzte und Pfleger springen in fremden Kliniken ein. Mit neuen Kooperationen will Gesundheitsreferentin Christine Haberlander (ÖVP) die Wartezeiten senken, die Kritik der Opposition verstummt trotzdem nicht. 

Aus Sicht von SPÖ-Gesundheitssprecher Peter Binder wäre eine Lösung für die langen Wartezeiten auf Operationen im Kepler-Uniklinikum einfach: Patienten könnten im Linzer Unfallkrankenhaus (UKH) im Bereich der Orthopädie versorgt werden. Tatsächlich gibt es dazu seit Monaten Gespräche zwischen der Gesundheitsdirektion des Landes und dem UKH-Betreiber AUVA. Richtig in Fahrt gekommen ist diese Kooperation allerdings noch nicht.

Kooperationen mit Rohrbach, Schärding und Salzkammergut
Wie ist die angespannte Lage also in den Griff zu bekommen? Gesundheitsreferentin Christine Haberlander (ÖVP) erklärte am Donnerstag in der Sitzung des Landtags, dass Patienten nun auf andere Spitäler der Oberösterreichischen Gesundheitsholding ausgelagert werden. So werden seit Jahresbeginn rund 17 Operationen pro Monat im Klinikum Rohrbach abgewickelt, 41 im Klinikum Schärding. Ab März soll auch eine Kooperation mit dem Salzkammergut-Klinikum starten, dort sollen zusätzlich 21 Eingriffe pro Monat durchgeführt werden.

Haberlander wörtlich im Landtag: „Durch diese Kooperationen kann die Zahl der nicht durchführbaren Operationen im Kepler-Uniklinik im Jänner auf etwa 110 und im Februar auf 80 Eingriffe reduziert werden.“ Ab März soll es auch im KUK selbst ein zusätzliches OP-Team geben, wodurch die Zahl der „Nicht-Operationen“ auf rund 35 pro Monat sinken könnte.

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Es kann niemandem ernsthaft erklärt werden, warum Patienten quer durch Oberösterreich transportiert werden.

Felix Eypteltauer, NEOS

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Pyhrn-Eisenwurzen-Klinikum (PEK) mit den Standorten Kirchdorf und Steyr. Dort sind die OP-Kapazitäten in der Kernarbeitszeit werktags von 7.30 bis 16 Uhr im Vergleich zu den Jahren vor 2020 eingeschränkt – und werden es voraussichtlich zumindest bis Ende 2026 bleiben. Insgesamt sei die OP-Leistung jedoch weniger stark betroffen, da außerhalb der Kernzeiten gleich viele oder in einzelnen Bereichen sogar mehr OP-Minuten erbracht würden.

Personalmangel in Anästhesie und OP-Pflege
Als Hauptursache nennt das Land den Personalmangel in der Anästhesie sowie in der spezialisierten OP-Pflege. Es fehlen sowohl Fach- und Assistenzärzte als auch diplomierte OP-Pflegekräfte und Operationstechnische Assistenten (OTA). Dabei handle es sich um keinen oberösterreichischen Sonderfall, sondern um ein österreichweites Problem.

Um gegenzusteuern, werden mehrere Maßnahmen gesetzt: In Steyr wird derzeit die Warteliste für orthopädische Eingriffe – von Endoprothesen bis zu kleineren Operationen – durch persönliche Telefonate aktualisiert, um realistischer planen zu können. Gleichzeitig werden Eingriffe zunehmend in den tagesklinischen oder ambulanten Bereich verlagert. In Steyr werden etwa Herzschrittmacher-Implantationen bereits außerhalb klassischer OP-Strukturen durchgeführt, weitere Eingriffe sollen folgen. In Kirchdorf wird an der Umsetzung eines eigenen tagesklinischen Bereichs gearbeitet.

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Hinter jedem Einzelfall und hinter jeder Warteliste stehen Menschen, die unter einem System leiden, das dringend geprüft werden muss.

Peter Binder, SPÖ

Zusätzlich wird OP-Pflegepersonal tageweise von Kirchdorf nach Steyr verlegt. Unterstützt wird das PEK dabei auch vom Salzkammergut-Klinikum sowie vom Klinikum Schärding, die an einzelnen Tagen OP-Pflegepersonal und Anästhesisten zur Verfügung stellen. Parallel dazu läuft ein Projekt zur generellen Optimierung der OP-Planung sowie eine verstärkte Personaloffensive – inklusive Social-Media-Kampagnen und dem Einsatz von Leasingkräften.

Auch Linz rüstet personell auf
Auch im Kepler-Uniklinikum selbst setzt man verstärkt auf Personalmaßnahmen. Allein 2025 konnten zehn zusätzliche Ärztinnen und Ärzte in der Anästhesie gewonnen werden, weitere Einstellungen sind für 2026 und 2027 geplant. In der OP-Pflege gab es im Vorjahr ein Plus von 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, weitere OTAs stoßen in den kommenden Monaten und Jahren dazu.

NEOS-Klubobmann Felix Eypeltauer kritisiert dennoch, dass „Patienten quer durch Oberösterreich transportiert werden, statt vorhandene Kapazitäten im UKH zu nutzen“. SPÖ-Politiker Peter Binder sagt: „Hinter jedem Fall und hinter jeder Warteliste stehen Menschen, die unter diesem System leiden.“

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