Ganz andere Symptome

Herzinfarkt: Bei Frauen tödlicher als bei Männern

Jahrelang als „Männerdomäne“ anerkannt, können es die meisten Frauen nicht glauben oder erkennen, wenn sie so ein Ereignis ereilt – und auch das Umfeld denkt selten an diese Erkrankung. Die Rettung wird viel später gerufen. So sterben Frauen häufiger als Männer in der Akutphase und im ersten Monat nach einem Infarkt.

Jahrzehntelang dachte man konkret nur bei starken Brustschmerzen, die in den Arm ausstrahlen, an einen Herzinfarkt. Das Problem: „Die Symptome bei Frauen zeigen sich jedoch anders als bei Männern“, stellt Kardiologin Dr. Anna Rab aus Klagenfurt (K) fest. „Sie klagen eher über Luftnot, Übelkeit, Oberbauch- oder Rückenschmerzen sowie extreme Müdigkeit, also bei weitem nicht nur über Brustschmerzen.“

Notruf oft sehr spät verständigt
Diese Beschwerden können schleichend beginnen und werden rasch als Magenleiden, Erkältung, Stress oder Verspannung fehlgedeutet. Weil Frauen (und auch ihr Umfeld) aufgrund ihrer spezifischen Symptome selten an einen Herzinfarkt denken, warten sie im Schnitt auch länger, bis sie den Notruf wählen. „In Schnitt zögern sie sogar 20 bis 60 Minuten!“, so Dr. Rab, die auch Expertin für geschlechtersensitive Medizin ist. „Dieser Zeitverlust verschlechtert natürlich die Überlebens- und Heilungschancen immens!“

Der „Gender-Gap“ in der Herzmedizin ist traurige Realität: Frauen bekommen seltener gezielte Herz-Vorsorge, teils andere Diagnostik und Therapie. „Ihre“ Beschwerden werden nicht ernst genommen oder als Stress assoziiert, und oft ganz einfach als „hysterisch“ abgetan. Dabei sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Todesursache Nr. 1 bei Frauen – und nicht nur bei Männern.

Östrogen schützt im Alter nicht mehr
Viele wissen auch nicht, dass Frauen in späterem Alter einen Infarkt erleiden, im Durchschnitt rund sieben bis zehn Jahre später im Vergleich zum männlichen Kollektiv. Dr. Rab: „Das Risiko steigt dann stark nach den Wechseljahren, wenn der schützende Östrogeneffekt nachlässt. Dieses Hormon wappnet die Gefäße der Frauen nämlich bis zur Menopause.“

Zitat Icon

 Selbstverantwortung für Frauen ist gefragt! Bei Verdacht sofort 144 rufen und deutlich „Verdacht auf Herzinfarkt“ sagen.

Dr. Anna Rab, Kardiologin, Klagenfurt am Wörthersee (K)

Rauchen und Co. schadet „ihr“ mehr als „ihm“
Frauenkörper haben außerdem das Problem, empfindlicher auf klassische Risikofaktoren zu reagieren. Diese wirken sich bei „ihr“ schlimmer aus: Rauchen erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt um 25 Prozent. Aber auch Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfette, Übergewicht oder Bewegungsmangel haben gravierendere Auswirkungen auf das Herz als bei männlichen Pendants.

Außerdem reagieren sie auch auf Dauerstress sensibler. „Dieser wirkt sich bei Frauen besonders negativ aus. Care-Arbeit, Schlafmangel und psychische Belastung erhöhen das Herzinfarktrisiko zusätzlich“, gibt Dr. Rab zu bedenken. Zusätzliche Frauen-Risikofaktoren für einen Infarkt sind vorangegangene Krankheiten wie Schwangerschafts-Bluthochdruck/ Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes, Endometriose, eine Frühgeburt gehabt zu haben sowie diverse Autoimmunerkrankungen.

Typische Frauen-Symptome

  • Luftnot, schneller Atem
  • Druck oder Enge in Brust, Oberbauch, Rücken, Kiefer
  • Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß
  • Plötzliche starke Müdigkeit, Schwächegefühl, Schwindel

Daher gilt, laut Ärztin, und vor allem für Frauen: Bei plötzlicher Luftnot, Druck in Brust/Oberbauch, unerklärter Schwäche oder kaltem Schweiß sofort die Rettung rufen! Neuaufgetretene Beschwerden, die nicht erklärbar sind, unbedingt ärztlich abklären lassen. Sie rät unbedingt dazu, die Selbstwahrnehmung zu verbessern, und „komische Gefühle und Beschwerden“ ernst zu nehmen, und nicht als Stress, Magenprobleme oder „Wehwehchen“ abzutun.

Dementsprechend ist es wichtig, Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen und Risikofaktoren (Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Rauchen, Übergewicht) aktiv anzupacken, auch mit ärztlicher Unterstützung.

Kampagne #GoRed

Am 6. Februar ist #GoRed-Day: Ein rotes Kleidungsstück oder Accessoire wird zum Symbol für Solidarität, Aufklärung und mehr Aufmerksamkeit für Frauenherzen. Die Kampagne für Frauenherzen soll Herzgesundheit im Alltag präsent halten, zu Vorsorge-Checks, gesünderem Lebensstil und Gespräch mit Ärztinnen/Ärzten motivieren.

Akutversorgung verbessern
„Grundsätzlich ist die Notfallversorgung bei Herzinfarkt in Österreich einwandfrei aufgestellt – für Frauen und Männer“, so die Kardiologin. Rettung, Notarzt, Spitäler, alle arbeiten nach klaren Standards, mit EKG und schneller Diagnose. Bei Brustschmerz sollte immer innerhalb von zehn Minuten nach Eintreffen im Krankenhaus ein EKG durchgeführt werden. Dennoch wird bei Frauen oft nicht an einen Herzinfarkt gedacht, auch aufgrund nicht erkannter Symptome.

„Frauen müssen allerdings zusätzlich selbst lernen, einen möglichen Herzinfarkt bei sich überhaupt ,mitzudenken´ – und dann schnell zu handeln. Nicht abwarten, nicht ,zamreißen´, nicht eine Freundin oder den Hausarzt anrufen, sondern die Rettung 144“, regt Dr. Rab dringend an. „Sagen Sie beim Telefonat deutlich, dass es sich um einen Verdacht auf Herzinfarkt handelt!“

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