Erstmals seit Jahren zeigt sich bei Jugendlichen in Österreich ein klarer Aufwärtstrend in Sachen Wohlbefinden. Weniger Bildschirmzeit, mehr Lebenszufriedenheit, weniger depressive Symptome – eine Entwicklung, die nun die Ergebnisse der „mental health days‑Studie 2025“ aufzeigen und viele Experten so nicht erwartet hätten.
Laut der in Wien präsentierten Studie verbringen Jugendliche im Schnitt 31 Minuten weniger pro Tag am Smartphone als noch im Jahr davor. Das klingt unspektakulär, ist aber ein deutlicher Bruch mit dem Trend der letzten Jahre.
Studienautor Dr. Tobias Dienlin, Professor für Empirical Communication and Media an der Uni Zürich, erklärt: „Die Ergebnisse sind erfreulich: Zum ersten Mal seit Beginn unserer Erhebung steigt die Lebenszufriedenheit und sinkt die Depressivität. Ebenso nimmt die Nutzung von Social Media und Smartphones erstmals wieder ab.“
Die Daten stammen von 8177 Schülern und Lehrlingen mit einem Durchschnittsalter von 14 Jahren. Die tägliche Smartphone‑Zeit sank von 221 auf 190 Minuten. Auch Social‑Media‑Nutzung ging spürbar zurück – von 96 auf 80 Minuten täglich.
Ein längst überfälliger Trend
Parallel dazu zeigt sich ein weiterer positiver Trend: Der Anteil Jugendlicher mit erhöhter depressiver Symptomatik sank von 15 auf 12 Prozent. Ein kleiner, aber bedeutender Schritt.
Internationale Daten zeigen, dass wir uns seit Jahren in einer mental-health-Krise befinden. Zum ersten Mal sehen wir nun auch Anzeichen für eine Verbesserung.
Univ.-Prof. Dr. Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien
Univ.-Prof. Dr. Paul Plener, Leiter der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien, sieht darin ein Signal, dass Präventionsarbeit und Bewusstseinsbildung Wirkung zeigen – warnt aber gleichzeitig davor, sich zurückzulehnen.
Denn trotz der positiven Gesamtentwicklung bleiben Unterschiede bestehen: Mädchen, divers-identifizierende Jugendliche und junge Menschen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien berichten weiterhin häufiger von psychischen Belastungen.
Social Media – wo Nutzung schnell kippen kann
Zudem zeigt die Studie erneut einen klaren Zusammenhang: Je mehr Social Media, desto niedriger die Lebenszufriedenheit. Golli Marboe, Obmann des „Vereins zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien“ betont: „Wir sollten uns fragen, wie wir im Alltag und insbesondere in Schulen mehr bewusst gestaltete, social-media-freie Räume schaffen können. Denn weniger Social Media tut der Seele gut.“
Bei den „mental health days – Tage der psychischen Gesundheit“ wurden seit dem Start 2022 über 3500 Workshops durchgeführt, 272 Schulen eingebunden und rund 197.000 Jugendliche erreicht. Pro Schule wird pro Schuljahr ein ganztägiger „mental health day“ umgesetzt, der die gesamte Schulgemeinschaft einbindet. In den altersgerechten Workshops setzen sich die Schüler mit Themen wie Mobbing, Körperbild und Essstörungen, Handy‑ und Internetsucht, Leistungsdruck und Prüfungsangst sowie Sucht und Depression auseinander.
Ein möglicher Faktor: das Handyverbot an Schulen
In Österreich gilt seit Mai 2025 ein Verbot von Handys und Smartwatches an Volksschulen und in der Unterstufe. Die neue Studie kann zwar keinen direkten Kausalzusammenhang herstellen, doch der zeitliche Zusammenhang ist auffällig: Weniger Smartphone‑Zeit im Alltag könnte auch damit zu tun haben, dass Kinder und Jugendliche während der Schulzeit schlicht weniger Zugriff auf ihre Geräte haben, so Golli Marboe.
Die Daten legen zumindest nahe, dass schulische Rahmenbedingungen einen messbaren Einfluss auf das Nutzungsverhalten haben könnten - und damit möglicherweise auch auf das psychische Wohlbefinden.
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