Abschlussbericht

Drei Lawinentote: Gruppe hatte keinen Handyempfang

Steiermark
19.01.2026 12:37
Porträt von Steirerkrone
Von Steirerkrone

Die Ermittler der Alpinpolizei in der Steiermark haben ein genaues Bild vom Ablauf des Lawinenunglücks Samstagnachmittag unter dem Schönfeldspitz bei Pusterwald gewonnen, bei dem drei Menschen ums Leben kamen. Die Skitourengeher aus Tschechien waren gut ausgerüstet und haben professionell gehandelt, als es darum ging, die Verschütteten auszugraben. 

Die Gruppe habe bereits am Freitag eine Skitour in der Gegend um Pusterwald (obersteirischer Bezirk Murtal) unternommen. Am Samstag wollten die sieben Tschechen – zwei Frauen und fünf Männer im Alter zwischen 35 und 69 Jahren – die beliebte Tour auf den Schönfeldspitz (2202 Meter Seehöhe) unternehmen. Sie seien um 10 Uhr vom Parkplatz Hainzl gestartet und dann in guter Zeit, etwa vier Stunden, auf den Gipfel gekommen – heißt es in einem Bericht der APA.

„Nachdem sie sich gestärkt und für die Abfahrt vorbereitet hatten, sind sie guter Stimmung abgefahren“, schilderte der Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Murtal der Polizei, Wolfgang Murer, die Erkenntnisse aus den Befragungen, die mit Dolmetschern durchgeführt wurden.

Großeinsatz am Wochenende im Bezirk Murtal.
Großeinsatz am Wochenende im Bezirk Murtal.(Bild: ROLAND THENY)

Gegen 14.45 Uhr sei es zur Auslösung der Lawine unterhalb des Gipfels gekommen. Vier Personen wurden verschüttet, zwei Frauen und zwei Männer. Die Gruppe habe professionell reagiert, sagte der Alpinpolizist, eine nur zum Teil verschüttete Frau wurde unverletzt ausgegraben. Mit Lawinenpieps (Lawinenverschüttetensuchgerät, LVS) wurden die anderen drei geortet und zwei ebenfalls ausgegraben, eine weitere Person teilweise.

Jede Minute zählt
Kameradenhilfe sei beim Faktor Zeit sehr wichtig. „Bei über 15 Minuten unter der Lawine nimmt die Überlebenschance rapide ab“, so der Alpinspezialist. Die Suche habe etwa eine Stunde gedauert, ein Gruppenmitglied sei ins Tal gefahren, um die Einsatzkräfte zu alarmieren – an der Unglücksstelle und im Umkreis gab es keinen Handyempfang. Die Verschütteten seien aber bereits leblos gewesen.

Die Einsatzkräfte stiegen dann zur Unglücksstelle auf, mussten aber ebenso feststellen, dass die drei Gruppenmitglieder bereits verstorben waren. Die Bergung musste man wegen Dunkelheit und schlechtem Wetter mit Wind und Nebel abbrechen und auf Sonntag verschieben. Am Sonntag wurden die Verunglückten mit Unterstützung zweier Polizeihubschrauber geborgen. Das Abseilen der Verunglückten aus dem steilen Gelände über einige hundert Höhenmeter war laut Bergrettung ausgesprochen herausfordernd.

Die Tourenplanung der Tschechen sei in Ordnung gewesen, sagte der Alpinpolizist. Die Leichname seien zur Überführung freigegeben worden, über die Botschaft in Wien seien die Angehörigen in Tschechien verständigt worden.

„Bekanntes Altschnee-Problem“
Zur Ursache sagte Murer, es sei unter anderem das bekannte „Altschnee-Problem“ gewesen. Der Lawinenwarndienst Steiermark habe das zutreffend beurteilt und kommuniziert. Am Samstag habe zusätzlich eine Windverfrachtung von Schnee in Mulden und Karen geherrscht. „Diese aufbauende Umwandlung mehrerer Schneeschichten ist sehr, sehr schwer zu erkennen“, sagte der Polizist. Es gebe leider bei jeder Tour immer ein Restrisiko.

Am Samstag habe im Bereich der Unglücksstelle Lawinenwarnstufe eins (gering) von fünf geherrscht. Für den Sonntag war diese dann auf zwei (mäßig) hochgestuft worden. Bei beiden Skalenstufen bedeutet das aber, dass Lawinen im Steilbereich bei geringer Belastung ausgelöst werden können.

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