Saures Aufstoßen nach einem üppigen Essen - das kennen viele. Doch wann wird Sodbrennen zum Dauerproblem und kann Folgeschäden verursachen? Im Gespräch mit der „Krone“ gibt der Mediziner Christoph Grander von der Klinik Innsbruck wertvolle Tipps und erklärt, wann eine Operation nötig ist.
Herr Doktor Grander, was medizinisch als Reflux bezeichnet wird, kennt man landläufig als Sodbrennen. Ein unangenehmes Gefühl, das viele schon einmal hatten. Ist Reflux eine Volkskrankheit?
Ja, das würde ich so sagen. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung hat irgendwann in ihrem Leben einmal eine Episode, in der Symptome auftreten. Das kennen viele aus der Zeit nach den Weihnachtsfeiertagen, wenn besonders üppig gegessen wurde. Und dann gibt es die chronische Refluxerkrankung, bei der wöchentlich mindestens einmal Symptome auftreten. Medizinisch nennt sich das gastroösophageale Refluxkrankheit. Ein Überbegriff für unterschiedliche Ausprägungen dieses Leidens, bei dem bedingt durch eine Schwäche des Speiseröhrenschließmuskels der säurehaltige Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt.
Die Symptome können sehr unterschiedlich sein
Was löst dieser Rückfluss im Körper aus?
Klassische Symptome sind Aufstoßen und ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein. Das kann aber sehr individuell sein. Manche Betroffene haben einen großen Leidensdruck, andere spüren kaum etwas, obwohl die Schleimhäute bereits angegriffen sind. Aber auch Schluckbeschwerden, Husten, Heiserkeit und Räuspern können auf eine Refluxkrankheit hinweisen. Grundsätzlich sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Die Genetik spielt eine Rolle, aber vor allem Risikofaktoren, die häufiger bei Männern vorkommen: Übergewicht, Rauchen, Alkoholkonsum. Der größere Unterschied ist der Lebensstil. Männer essen häufiger fett, scharf, sauer – also Speisen mit höherem Säuregehalt.
Auf dem freien Markt findet man unzählige Mittel zur Beschwerdelinderung, daneben Hausmittel, die helfen sollen. Was halten Sie davon? Und wann sollte man unbedingt zum Arzt?
Bei episodischem Reflux kann man es ruhig mal mit einem Hausmitteln versuchen. Wissenschaftlich ist das nicht gut untersucht, daher kann ich dazu keine Aussagen machen.
Und wie schaut die übliche Therapie bei einem chronischen Reflux aus?
Sogenannte Protonenpumpenhemmer sind die wirksamsten Medikamente zur Behandlung eines Reflux. Diese können die Magensäureproduktion stark reduzieren. In der Praxis ist das der bekannte Magenschutz, der oft in Kombination mit anderen Medikamenten verschrieben wird. Magenschutz ist ein sehr sicheres Medikament. Aber auch das sollte immer nur so kurz wie möglich genommen werden. Zentral für einen guten Therapieerfolg ist eine Lebensstiländerung: Gewichtsabnahme, Alkoholreduktion und das Verändern der Essgewohnheiten bringen viel. Wer den Reflux in der Nacht spürt, sollte den Oberkörper hochlagern oder am Abend nicht so spät essen – all das kann entscheidende Erleichterungen bringen.
Schluckstörungen und Krebs möglich
Was kann passieren, wenn ein chronischer Reflux nicht behandelt wird?
Einerseits können entzündliche Veränderungen in der Speiseröhre entstehen, in der Folge Engstellen, die Schluckstörungen verursachen. Eine Langzeitkomplikation kann sein, dass es – vereinfacht gesagt – zu einer Umwandlung der Zellen in der Speiseröhre hin zu Darmzellen kommt. Wir nennen das Metaplasie. Durch diesen Progress steigt das Risiko für eine bestimmte Krebsvorstufe und in der Folge Krebs.
Extreme beim Essen begünstigen Reflux. Gibt es Lebensmittel, die Betroffene meiden sollten?
Nicht jeder reagiert auf jedes Essen gleich. Aber wir wissen schon, dass neben Alkohol und Nikotin sehr saures oder würziges Essen, dazu gehört zum Beispiel auch Geräuchertes, einen Reflux begünstigt. Wir raten Betroffenen ein Symptom-Tagebuch zu führen. So merkt man rasch, was man gar nicht gut verträgt.
Was, wenn Magenschutz und Lebensstiländerung nicht den gewünschten Therapieerfolg bringen?
Unter Umständen kann eine Operation angeraten sein. Das heißt es dann genau abzuklären mit einer Magenspiegelung und anderen Untersuchungsmethoden. Bei der Operation wird der obere Magenanteil um den unteren Teil der Speiseröhre gelegt, um einen natürlichen Schließmechanismus wiederherzustellen.
Am Donnerstag, 22. Jänner, gehen in Innsbruck die „Tiroler Gesundheitsgespräche“ in die nächste Runde. Die Veranstaltungsreihe der Tirol Kliniken in Partnerschaft mit der „Tiroler Krone“ und dem ORF Tirol widmet sich diesmal dem Thema: Stilles Leiden Reflux. Die Symptome, die viele nicht ernst nehmen. Auskunft geben die Fachleute Christoph Grander, Oberarzt an der Uni-Klinik für Innere Medizin I in Innsbruck sowie Professor Benedikt Hofauer, Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und Professor Heinz Wykypiel, Oberarzt an der Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie. Beginn ist um 19 Uhr im Studio 3 des ORF am Rennweg in Innsbruck. Um Anmeldung wird gebeten per Mail unter: studio3.tirol@orf.at oder per Telefon unter 0512/5343-26220. Der Eintritt ist frei!
Wir haben über Symptome und Therapie gesprochen. Zum Abschluss: Wie vermeide ich die Entstehung eines chronischen Reflux?
Das klingt jetzt unspektakulär: die effektivste Prävention ist ein gesunder Lebensstil. Aufs Essen achten und die genannten Extreme vermeiden, Alkohol und Nikotin reduzieren oder ganz weglassen. Und manchmal nimmt man vielleicht eine Reflux-Episode in Kauf, weil eben Weihnachten oder Fasching ist. Die Botschaft lautet jedenfalls: man kann selbst sehr viel tun, um einen Reflux zu verhindern.
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