Künstler lehnen ab

FPÖ-Radiosender spielt kaum österreichische Musik

Innenpolitik
19.01.2026 12:52
Porträt von krone.at
Von krone.at

Am Samstag hat die FPÖ ihren Online-Radiosender „Austria First“ gestartet und über das Neujahrstreffen der Partei berichtet. Beim „neuen Patriotensender“ sind mehrmals am Tag „Infosendungen“ zu hören. Während es um Nachrichten gehen soll, die „für Österreich relevant sind“, wird bei der Musik vor allem auf englischsprachigen Pop gesetzt.

Zu hören gibt es bei „Austria First“ etwa Songs von Miley Cyrus, Take That oder Jason Mraz. Aus Österreich wird in erster Linie nur die John Otti Band gespielt, die regelmäßig bei FPÖ-Veranstaltungen auftritt. Laut Medienberichten sollen sich einzelne Musikerinnen und Musiker auch schon gegen das Abspielen ihrer Songs ausgesprochen haben. „Ich möchte auf keinen Fall dort gespielt werden (...)“, teilte etwa Rapper Skero mit. Auch die Dialekt-Popband Poxrucker Sisters schrieb, dass sie im FPÖ-Radio nicht zu hören sein wolle.

Tatsächlich können Urheberinnen und Urheber untersagen, dass ihre Werke genutzt werden dürfen. Ohne eine solche Mitteilung dürfen die Songs laut dem österreichischen Urheberrechte-Verwalter AKM gespielt werden, wenn sie im Musikprogramm sind, das wiederum die Grundlage für die Abrechnung ist. Bei einem Teil der Hörerinnen und Hörer kommt die Musikauswahl jedenfalls gut an. So schrieb ein Nutzer auf der Plattform X, dass er Songs von Andrea Berg oder den Ursprung Buam erwartet hätte, sich diese Sorge aber als völlig unbegründet erwiesen habe. „Statt Berg-Schnulzen gibt es hier super Musik rund um die Uhr.“

Hier sehen Sie das Posting eines Users, der sich „als echten Patrioten“ bezeichnet:

Ex-ORF-Journalistin an Bord
Laut FPÖ-Angaben wurde „Austria First“ bisher etwa 40.000 Mal heruntergeladen. Zum Nachhören gibt es bisher unter anderem ein Interview mit FPÖ-Chef Herbert Kickl. An Bord des Online-Radiosenders sind etwa Nationalratsabgeordnete Marie-Christine Giuliani, die einst für den ORF tätig war, und Werner Reichel, der zuletzt ein Buch über angeblich linke Verschwörungstheorien veröffentlicht hat.

Einer der Moderatoren ist auch Nicolas Schrott, Chefredakteur des oberösterreichischen Regionalfernsehsenders RTV. RTV ist als Sender bekannt, der Verschwörungstheorien und rechten Protagonistinnen und Protagonisten viel Platz einräumt. 2022 gewährte RTV dem Onlinesender Auf1 mehr als acht Monate lang täglich ein Fensterprogramm. Auf1 hatte jedoch gar keine Zulassung dafür. Der Onlinesender wird in Deutschland zudem vom Verfassungsschutz überwacht, weil er „minderheiten-, islam- und muslimfeindliche Inhalte“ verbreite und sich „regelmäßig auf antisemitisch konnotierte Verschwörungstheorien“ beziehe.

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