Sa, 23. Juni 2018

Handy mit Festplatte

23.12.2005 01:00

Samsungs i300 im Krone.at-Test

Ein Smartphone also. Samsung stürmt mit dem i300 den Handymarkt für jene, die alles haben wollen. Als umfassendes Paket bietet das leicht übergroße Mobiltelefon eine Festplatte mit drei Gigabyte, alle Multimedia-anwendungen, mit denen der liebe Technik-Gott uns bisher gesegnet hat und Luxus von der Megapixel-Kamera bis zum Betriebsystem Windows Mobile. Im Krone.at-Test hat sich das i300 zwei Wochen lang wacker geschlagen...

Erster Eindruck: Es ist groß und hat den bösen Blick. Irgendwie sieht das Samsung SGH-i300 auch einem Modell des Konkurrenten Siemens verdammt ähnlich. Und etwas schwerer ist es gefühlsmäßig auch geraten. Aber alles nicht so, als könnte man es nicht doch in die Tasche packen. Außerdem ist es ein 2-in-1-Gerät und man erspart sich jene Hosentasche, die sonst der MP3-Player belegen würde.

Einschalten und los geht's
Die erste, etwas eigenartige Überraschung kam beim Betätigen des On-Knopfs. Es tat sich genau gar nichts! Mit Windows Mobile ausgerüstet, braucht das SGH-i300 mindestens eine halbe Minute, bis es betriebsbereit ist. Dann noch einmal zehn Sekunden, bis man telefonieren kann. Aber wie oft schaltet man ein Handy heutzutage auch ein oder aus? Danach präsentiert sich jedenfalls ein übersichtlich gestaltetes Menü und ein gestochen scharfes Display mit ausgezeichnetem Kontrast. Am Anfang fühlt man sich mit dem Betriebssystem Windows Mobile zwar so gar nicht vertraut, hat man aber einmal die Logik vom PC übernommen, wird’s ein Kinderspiel. Mit dem Drehrad à la iPod – das sich übrigens auch als ganz normales Navigationskreuz drücken lässt - hat Samsung eine intuitive Steuerung geschaffen. Vorausgesetzt man neigt nicht zu trockener Haut; dann rutscht man nämlich auf der glatten Oberfläche des Drehrads hin und her, als wär’s ein Eiswürfel.

Windows Mobile
An der Betriebs-Software gibt’s absolut nichts auszusetzen. Die Anordnung der Menüpunkte erscheint zwar etwas Microsoft-lastig, so sind eher unwichtige Dinge, wie die Outlook-Synchronisierung oder der MSN-Messenger ganz oben gereiht, durch das Drehrad und eine zusätzliche Schnellnavigation erreicht man aber alles andere unumständlich und schnell. Abgestürzt ist Windows Mobile im Krone.at-Test auch. Einmal, bei zu schnell entferntem Ladekabel. Und ein zweites Mal, beim Versuch das Handy auszuschalten. Mit dem beherzten Griff zum Akku
 war aber beides in Minuten gegessen.

Festplatte und Multimedia
Als Supportsoftware bietet Samsung einen eigenen Download-Client an, der zwar etwas ruppig arbeitet, mit dem man aber Bilder und Daten vom Handy bequem am PC sichern kann. MP3s und Videos auf das i300 zu laden, funktioniert damit aber einfach zu langsam. Stöpselt man das i300 hingegen als Wechseldatenträger an und befüllt es via Windows-Explorer oder per Ordner-Drag-and-Drop, geht die Sache recht schnell von statten. Für eine 1,8-Gigabyte große Musikladung benötigte das Handy im Test ca. 45 Minuten via USB-2.0-Schnittstelle. Da sind manche MP3-Player wesentlich langsamer.

Zankapfel Kopfhörer
Eigentlich ist es gar kein Zankapfel. Hier gibt’s nämlich null Diskussion! Die Kopfhörer mit integriertem Mikrophon, die Samsung zum i300 mitliefert, sind mangelhaft. Für Sprachwiedergabe beim Telefonieren reicht es aus, bei der Musikwiedergabe hingegen tönte es aus Samsungs Ohrhörern wie aus einer Blechdose. Im Test konnten die Plastik-Ohrhörer ohne Schaumstoffbezug weder MP3s noch WMAs - beide in verschiedenen Bandbreiten - wirklich zufrieden stellend wiedergeben.

Dabei würde das i300 doch so gut klingen! Via Bluetooth-Headset (im Test von Logitech) offenbarte sich kristallklarer Klang mit ordentlich Bass und sattem 3D-Sound, den der Mediaplayer des i300 wunderbar kreiert. Bloß ist halt serienmäßig kein Bluetooth-Headset dabei. Es lassen sich auch keine herkömmlichen Ohrhörer ans i300 koppeln. Samsung benutzt hier einen eigenen vierpoligen Stecker, der Stereosignal, Fernbedienung und Mikrofon speist. Gerade beim musikalisch wichtigsten Teil, sollte so etwas einer sonst so tadellosen Firma wie Samsung nicht passieren.

Gretchenfrage: Akku
Im Sparbetrieb mit gedimmtem, aber ausreichend lesbarem Display, hielt sich das i300 fast vier Tage lang. Hier wurde aber spärlich telefoniert. Mit etwas mehr Gesprächszeit, fotografieren und ein bisschen Musik zusätzlich, pendelte sich die Akkuleistung bei zwei Tage plus/minus einem halben Tag ein. Mit dem Bluetooth-Stereo-Headset gekoppelt und bei intensivem Musikgenuss, hielt der Akku des i300 einen Arbeitstag inklusive Hin- und Rückweg durch. Dafür, dass das i300 Windows Mobile betreibt und eine stromintensive Festplatte noch dazu, sind die Akku-Laufzeiten wirklich phänomenal. Ein optional erhältlicher Zusatz-Akku, der uns beim Test zur Verfügung stand, verdoppelt die Leistung sogar noch, macht dem Handy aber einen zentimeterhohen „Buckel“ ins Kreuz. Damit ist es dann nur mehr bedingt Hosentaschen tauglich.

Foto ja, Schnappschuss nein
Gestochen scharfe Bilder in einer Größe von bis zu 1024 x 768 Pixel liefert das i300. Man kann sie sogar großformatig ausdrucken und mit einer guten Hand im Photoshop, erkennt man keinen Unterschied mehr zur digitalen Kompaktkamera. Einziger Wehrmutstropfen: Betätigt man die Schnelltaste für die Kamera, braucht das i300 gute 8 Sekunden bis man ein Foto machen kann. Bei einem Schnappschuss wäre hier jedes noch so behäbige Objekt schon über alle Berge. Ist das Foto erst einmal gemacht, fragt das i300 noch nach, ob man es denn speichern möchte. Bejaht man dies (was in der Regel der Fall sein wird), so wartet man noch einmal ein paar Sekunderl, bis die Festplatte zu Ende geackert hat und der Kameramodus wieder initiiert ist. Hier geht Qualität vor Quantität. Bei geringerer Auflösungs-Einstellung passiert das natürlich nicht. Da geht’s Ruck-Zuck und die Peinlichkeit ist im Kasten. Somit werden Handy-Schnappschüsse auch weiterhin kleinformatig und mit niedriger Auflösung versehen bleiben. Die großen Portraitfotos meistert das SGH-i300 aber sagenhaft.

Fazit, Preis und Leistungsverhältnis
Samsungs i300 ist ein beherzter und guter Versuch ein Handy allmächtig zu machen. Mit Windows Mobile spricht es Business-Kunden an. Mit der großen Festplatte die iPod-Junkies. Vom Design her gefällt es auf jeden Fall. Schwarz, etwas muskulöser und nicht zu verspielt. Für Einsteiger ist das i300 aber sicher nicht konzipiert und auch nicht geeignet. Um es optimal nutzen zu können, schadet’s auch nicht durchschnittliche PC-Kenntnisse zu beherrschen. Eine herbe Enttäuschung, nicht für Audiospezialisten, waren die mitgelieferten Kopfhörer. Hier bleibt nur die Option mit einem Bluetooth-Stereo-Headset (gute gibt’s schon ab ca. 35 Euro), die allerdings auf Kosten des Stromverbrauchs geht, aber auch zusätzliche Kabelfreiheit schafft.

Mit der etwas behäbigen Kamera freundet man sich an, schließlich zieht man die optimale Qualität bei Portraitfotos schnell der Schnelligkeit vor. Spätestens beim Preis scheiden sich aber die Geister: Das i300 wird ohne Vertrag und inklusive Mehrwertssteuer satte 799 Euro kosten. Preisminderungen bei Mobilfunkanbietern sind zu erwarten, das i300 wird aber in den nächsten Monaten kaum unter 250 Euro zu haben sein. Zählt man andererseits ein gutes Fotohandy und einen speicherähnlichen MP3-Player zusammen, kommt man in etwa auf denselben Preis.

Christoph Andert

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