






Noch bevor Zeugen im Parlament ins Rutschen geraten, rutschten die Fraktionschefs der Parteien gewissermaßen selbst rund um den Fundort von Christian Pilnaceks Leiche und sammelten Eindrücke, die bei den Befragungen helfen sollen. Ein Lokalaugenschein eines Lokalaugenscheins, der witterungsbedingt kurz vor der Absage stand.
„Es ist keine Schande, wenn man sich an einem der Äste auf der Seite anhält, um nicht auszurutschen“, erklärte FPÖ-Nationalratspräsident Walter Rosenkranz Mittwochmittag in der Wachau. Der formell zweithöchste Mann im Staat und Vorsitzende des Pilnacek-U-Ausschusses ging bei der Begehung des Fundorts der Leiche des ehemaligen Justiz-Beamten Christian Pilnacek voran – und bei der Spurensuche im Schnee gewissermaßen auch voraus.
Parlamentsbus war zu groß
Dicht gedrängt folgten ihm die Fraktionschefs der Parteien, die ab Donnerstag im Parlament den letzten Akt im Fall Pilnacek aufarbeiten wollen. Die Abgeordneten spazierten zunächst durch die etwa 350 Einwohner zählende Ortschaft. Ihr Bus war schließlich zu groß, um bis zum Parkplatz vor dem Donau-Nebenarm zu gelangen, in dem der ehemalige Justiz-Sektionschef im Oktober 2023 tot aufgefunden wurde. Am verschneiten Ufer beschrieb dann ein nicht an den Ermittlungen beteiligter, aber ortskundiger Polizeibeamter die Stelle, die sich ihm zufolge bei dem Hochwasser im Jahr 2024 stark verändert habe. Am dichtesten war FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker seinem Parteikollegen Rosenkranz auf der Spur.







Hafenecker: „Bessere Befragungsqualität“
Hafenecker sah in dem Ausflug, und mit Blick auf die heute beginnenden Befragungsrunden, ein Mittel zur Verbesserung der „Befragungsqualität“. Schließlich konnten sich so alle ein Bild von den Gegebenheiten machen – was insbesondere am Donnerstag „spielentscheidend“ werden dürfte. Befragt werden zu Beginn schließlich jener Baggerfahrer, der den Leichnam gefunden hat, sowie die zwei Polizisten, die am Fundort tätig waren.
Hanger kritisierte, kam aber dennoch
Auch die Fraktionsführer Kai Jan Krainer (SPÖ), Nina Tomaselli (Grüne) und Sophie Wotschke (Neos) lösten ihr Ticket für den eigens vom Parlament organisierten Bus nach Rossatz. Bei den Befragungen sei das ein Vorteil für alle, „weil dann wissen wir alle, wovon wir reden“, sagte etwa Krainer. So sehe man auf Fotos beispielsweise nicht, wie steil die Stelle in Wahrheit ist.
Der U-Ausschuss gehe auch der Frage nach, welche Fehler seitens der Ermittler am Fundort passiert seien, sagte wiederum Tomaselli. Thematisiert werde etwa, ob und wie dieser abgesperrt wurde – „da kann ich mir natürlich ein besseres Bild machen, wenn ich es vor Ort gesehen habe.“ ÖVP-Fraktionsführer Andreas Hanger, der den Lokalaugenschein für entbehrlich hielt und sich mit Hafenecker bereits im Vorfeld ein politisches Hickhack lieferte, reiste selbst, aber zumindest eben doch noch an.

Smartwatch-Chats als Nullum
Abseits der Rutschpartie in der Wachau sorgten im Vorfeld mögliche, von der viel zitierten Smartwatch Pilnaceks gespeicherte Chats für Aufruhr. Der „Krone“ liegen diese vor – und sie bergen viel Privates, jedoch nichts politisch Relevantes. Einzig: Pilnacek machte sich tatsächlich am Vortag seines Todes einen Termin in naher Zukunft aus.
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