Kaum Frauen an Spitze

Heimische Politik noch immer fest in Männerhand

Innenpolitik
04.03.2026 10:30
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die heimische Spitzenpolitik ist immer noch überwiegend männlich. Österreich hatte noch nie eine Bundespräsidentin, eine Kanzlerin gab es nur in der Übergangsregierung. Beim Bürgermeisteramt haben die Männer die Nase besonders weit vorn.

Die aktuelle schwarz-rot-pinke Regierung setzt auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Zehn der 21 Mitglieder (inklusive Staatssekretärinnen und -sekretäre) sind Frauen. Doch fast nirgends sonst in der heimischen Spitzenpolitik ist der Frauenanteil genauso hoch.

Im Nationalrat sind aktuell nur 65 von 183 Abgeordneten weiblich. Mit dem Abgang der SPÖ-Abgeordneten Elke Hanel-Torsch – die neue Wiener Stadträtin – und der Rückkehr von Christoph Matznetter geht die Kurve aber weiter nach unten. Der Frauenanteil im Nationalrat liegt dann mit 64 Mandatarinnen nur noch bei 35 Prozent. Zum Vergleich: Anfang 2022 waren es noch mehr als 41 Prozent.

Frauen im Nationalrat

  • In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Repräsentation von Frauen im Nationalrat deutlich verbessert.
  • Nach der Wahl im Jahr 1920 gab es die ersten neun Mandatarinnen, die Frauenquote lag bei rund fünf Prozent.
  • Seit der Wahl 1986 ist die Quote zweistellig, wie APA-Berechnungen auf Basis der Daten des Parlaments zeigen.
  • Erste Ministerin war 1966 Grete Rehor (ÖVP).

Nur zwei Klubs kriegen Frauenförderung
Die größte Parlamentspartei ist gleichzeitig die mit dem geringsten Frauenanteil. Nur knapp ein Viertel der Blauen im Nationalrat sind Frauen. Bei der ÖVP sind es immerhin 35 Prozent, bei der SPÖ mit Matznetter nur noch 39 Prozent. Hat ein Klub mehr als 40 Prozent Frauen, bekommt er um drei Prozent mehr Klubförderung. Diese stauben nur die NEOS (44 Prozent Frauen) und die Grünen (56 Prozent) ab.

Ungleichgewicht in Bundesländern
Auf Landesebene gibt es seit Mitte des Vorjahres in zwei Bundesländern Frauen an der Spitze: Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) in Salzburg. Salzburg hat als einziges Bundesland zwei Frauen an der Spitze, Landeshauptfrau-Stellvertreterin ist Marlene Svazek (FPÖ).

Die Infografik zeigt die Frauenanteile in der österreichischen Politik auf drei Ebenen: Bundesregierung, Nationalrat und Bürgermeisterinnen. In der Bundesregierung liegt der Frauenanteil bei 48 %, im Nationalrat bei 35 % und bei den Bürgermeisterinnen bei 12 %. Liniendiagramme zeigen, dass der Frauenanteil in der Bundesregierung seit 1966 und im Nationalrat seit 1920 langsam gestiegen ist, mit Werten von 48 % beziehungsweise 41,5 %. Bei den Bürgermeisterinnen ist der Anteil seit 1999 auf 12 % gestiegen. Quelle: Parlament/APA.

Auch in den Landesregierungen hat ein Frauen-Überhang Seltenheitswert. Wiens Regierung besteht – inklusive nicht amtsführender Stadträtinnen und -räte – zu 57 Prozent aus Frauen, in allen anderen acht Bundesländern sind die Männer in der Überzahl. Das Schlusslicht bildet Oberösterreich mit 22 Prozent Frauen.

Bei den Länderparlamenten findet sich Vorarlberg an der Spitze, das die Hälfte der Bevölkerung auch mit 50 Prozent Frauen im Landtag repräsentiert. In Wien sind es 40 Prozent, in Tirol 39. Am unteren Ende findet sich Kärnten mit 17 Prozent.

Wenig Bürgermeisterinnen
Deutlich mehr Männer als Frauen gibt es im Bürgermeisteramt. Von den fast 2100 Gemeinden haben nur 243 eine Bürgermeisterin, das ist etwas mehr als ein Zehntel. Vizebürgermeisterinnen gibt es mehr als doppelt so viele, wie der Gemeindebund zählt. In den Gemeinderäten sitzen dann etwas mehr Frauen, der Anteil liegt bei 27 Prozent.

Kanzler und Bundespräsident weiterhin männlich
Ganz nach oben zu kommen, fällt Frauen in der heimischen Politik weiterhin schwer. Eine Bundeskanzlerin gab es mit Brigitte Bierlein erst einmal. Sie wurde 2019 nach Zerbrechen der ÖVP-FPÖ-Koalition aufgrund der Ibiza-Affäre Chefin einer Beamtenregierung. Aus einer Nationalratswahl ging noch nie eine Regierung unter einer Frau hervor. Erste und bisher einzige Vizekanzlerin wurde 2000 Susanne Riess-Hahn (FPÖ, früher Riess-Passer). Eine Bundespräsidentin gab es überhaupt noch nie.

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