Geschichtsvereinspreis

Forschen ist „nice“: Maturanten stöbern im Archiv

Kärnten
22.12.2025 08:00

Der Geschichtsverein für Kärnten zeichnet zwei junge Leute für deren Forschungsarbeiten aus: Die beiden forschten über Verwandtschaften in Zell und die Entwicklung eines Bauernhofes in Bad Kleinkirchheim.

Weil sein Vater in Zell geboren wurde, hat der Klagenfurter Bastian Worsch ein Interesse für die Gemeinde entwickelt und für seine Abschlussarbeit am BG/BRG Mössinger die Kirchenmatriken von 1728 bis 1923 durchforstet. Um die Geburtenverzeichnisse überhaupt lesen zu können, hat sich der Schüler selbst die Kurrentschrift beigebracht.

„Nach den vielen Jahren Erfahrung kann ich selbst die schlimmsten Handschriften flüssig lesen. Ahnenforschung betreibe sich bereits seit meinem neunten Lebensjahr“, erzählt Bastian Worsch. Sein eigener Stammbaum enthält inzwischen schon mehr als 17.000 Namen!

Er hat die Geburtenbücher studiert und am Computer für die Auswertung der Daten einiges erstellt. Unter den Aha-Erlebnissen: Eine Frau hatte in Zell 18 Kinder zur Welt gebracht. Ein Mann kommt 25-mal als Vater vor. „Am meisten überrascht hat mich aber, wie viele Personen ich tatsächlich genealogisch miteinander verbinden konnte“, so der junge Forscher.

Geschichtsvereins-Direktor Wilhelm Wadl (re.) und Univ.-Prof. Werner Drobesch (li.) zeichneten ...
Geschichtsvereins-Direktor Wilhelm Wadl (re.) und Univ.-Prof. Werner Drobesch (li.) zeichneten Bastian Worsch und Susanne Maier für ihre Maturaarbeiten aus.(Bild: Heidi Rogy/Geschichtsverein)

Viele Verwandschaften
Von 5930 Personen konnte lediglich bei 51 keine verwandtschaftliche Verbindung nach Zell festgestellt werden. Ahnenforschung will Worsch auf jeden Fall weiterbetreiben, er bekommt auch immer wieder Anfragen von Interessierten. Derzeit absolviert der Klagenfurter den Zivildienst, danach möchte er an der ETH Zürich Mathematik studieren.

Vor dem Vergessen bewahren
Mehr über die Geschichte ihrer Familie wollte auch Susanne Maier aus Bad Kleinkirchheim erfahren. Im Zentrum stand dabei der Krönhof, ihr Heimathaus. „Obwohl ich wusste, dass unser Hof seit mindestens 237 Jahren in Familienbesitz ist, wurde mir erst während der Recherche das Ausmaß der dahinter liegenden Geschichte bewusst“, verrät Susanne Maier, die für ihre Maturaarbeit am BORG Spittal Interviews im Familienkreis führte.

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Beeindruckt hat mich die Willensstärke unserer Vorfahren: Von der mühevollen Urbarmachung bis zu den schnellen Modernisierungen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Susanne Maier hat den Hof der Familie und damit die Entwicklung in Landwirtschaft und Tourismus erforscht

Sie sichtete auch Fotos und Postkarten und durchforstete im Kärntner Landesarchiv Dokumente und Handschriften. „Das Wohnen in Holzwänden, die Geschichten aus vielen Generationen in sich tragen, hat etwas Besonderes“, schwärmt die Schülerin, die das Vergangene schriftlich festhalten will, um es vor dem Vergessen zu bewahren. 

In ihrer Arbeit geht es nicht nur um den Wandel in der Landwirtschaft, sondern auch um regionale und touristische Aspekte in der Region Bad Kleinkirchheim/Nockberge.

Susanne Maier am heimatlichen Krönhof in Bad Kleinkirchheim, dessen Geschichte sie für ihre ...
Susanne Maier am heimatlichen Krönhof in Bad Kleinkirchheim, dessen Geschichte sie für ihre Maturaarbeit erforscht hat.(Bild: zVg)

Nach der Matura will Susanne Maier ein freiwilliges soziales Jahr machen. Derzeit unterstützt sie das Team einer Kinder-Wohngemeinschaft der Diakonie, danach entscheidet sie sich für ein Studium. Ob das mit Geschichte zu tun hat, wird sich weisen...

Auszeichnung für Arbeiten zur Kärntner Geschichte
Die beiden jungen Leute haben aber jetzt schon gezeigt, wie „nice“ – so würde man in der Jugendsprache die spannende, großartige Forschungsarbeit beschreiben – das Stöbern in Archiven ist. Großartig fanden auch Historiker Wilhelm Wadl, der Direktor des Geschichtsvereins, und Universitätsprofessor Werner Drobesch die Arbeiten der beiden Maturanten. Der Geschichtsverein zeichnete Worsch und Maier für deren Forschungsarbeiten aus – mit jeweils 300 Euro und einer dreijährigen Gratismitgliedschaft im Geschichtsverein.

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