Warnung vor Stillstand

AMS-Chef Kopf: „Ich bin noch nicht zufrieden“

Wirtschaft
13.12.2025 07:00

AMS-Chef Johannes Kopf schlägt Alarm: Wachstum zu schwach, Arbeitslosigkeit zu hoch – und ohne Reformen droht Österreich weiter zurückzufallen. Im krone.tv-Interview spricht er Klartext über fehlende Spielräume, nötige Veränderungen, die Folgen von KI und warum wir künftig länger arbeiten müssen.

„Ich kann es offen sagen. Ich bin noch nicht zufrieden. Und das Wachstum, das uns vorhergesagt wird, ist auch ein bescheidenes“, sagt AMS-Chef Johannes Kopf angesprochen auf die aktuelle wirtschaftliche Situation. Zwar wachse die Wirtschaft heuer um 0,7 bis 0,9 Prozent, doch bei einer steigenden Bevölkerung sei das zu wenig. Kopf geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit 2026 stabil bleiben werde, „aber das kann uns nicht genügen – wir brauchen einen Wachstumschub, sonst wird uns das nicht gelingen.“ 

Ein klassisches Konjunkturpaket sei derzeit nicht möglich, weil der Staat nach hohen Ausgaben der letzten Jahre zu wenig Spielraum habe. Daher brauche es strukturelle Reformen, besonders in Bildung, Digitalisierung, KI und Ökologisierung. Ohne diese Veränderungen bleibe Österreich in einer „herausfordernden Situation“.

AMS-Chef Johannes Kopf im krone.tv-Interview mit Jana Pasching
AMS-Chef Johannes Kopf im krone.tv-Interview mit Jana Pasching(Bild: krone.tv )

„Es ist teurer, Menschen nicht zu integrieren“
Ein zentrales Problem sieht der AMS-Chef bei der Verteilung und Integration Geflüchteter. Viele neu angekommene Menschen ziehen nach Wien – der einzigen echten Großstadt Österreichs -, wo bereits jetzt die höchste Arbeitslosigkeit herrscht. Während es in Salzburg weniger als 1000 arbeitslose Geflüchtete gebe, seien es in Wien rund 32.000. Um diese Schieflage zu korrigieren, plädiert Kopf seit Jahren für eine Wohnsitzauflage, die Geflüchtete dort hält, wo Jobs verfügbar sind.

Sozialhilfe solle nur dort bezogen werden können, wo man auch gemeldet ist. Entscheidend sei zudem Qualifizierung: Besonders junge Geflüchtete bräuchten Ausbildung, Sprachkurse und einen klaren Weg in Lehre und Beschäftigung. Programme wie die „Jugendcolleges“ hätten großen Erfolg – doch sie seien teuer. Kopf betont jedoch: „Es ist teurer, Menschen nicht zu integrieren. Auch wer Migration kritisch sieht, muss anerkennen: Wenn sie hier sind, dann müssen wir sie qualifizieren.“

KI-Schulungsprogramme beim AMS
Künstliche Intelligenz werde bestimmte Tätigkeiten ersetzen, aber auch neue Berufsfelder schaffen, so Kopf. Betroffen seien u. a. Buchhaltung, Programmierung und juristische Assistenz, während neue Aufgaben etwa in Prompting und KI-Training entstünden. Der AMS arbeite bereits mit der Regierung an KI-Schulungsprogrammen. Menschliche Fähigkeiten wie Kreativität und soziale Kompetenz seien künftig wichtiger denn je.

Pensionen: „Wir werden länger arbeiten müssen“
Beim Pensionssystem spricht Kopf Klartext: Aufgrund steigender Lebenserwartung und hoher Kosten sei längeres Arbeiten unausweichlich. Politisch sei das Thema heikel, aber „notwendig“, betont er. Wichtig seien altersgerechte und gesunde Arbeitsplätze, damit längeres Arbeiten überhaupt möglich wird.

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