Rückenschmerzen gelten mittlerweile als Volkskrankheit und oft wird eine schlechte Haltung als Hauptursache dafür gesehen. Doch die Realität ist viel komplexer, wie ein Physiotherapeut erklärt. Der Experte zählt die häufigsten Irrtümer auf – zum Beispiel beim Heben – und gibt Tipps, wie es richtig geht.
Ratschläge wie: „Gerade sitzen!“ oder „Aus den Knien heben“, begleiten uns von Kindheit an, wie Harald Kriener, Sportphysiotherapeut in Amstetten (NÖ), berichtet. Doch Menschen, die sich ständig bemühen, „richtig“ zu sitzen oder zu heben, bewegen sich oft zu steif und angespannt – genau das kann Kreuzweh fördern. „Wer schon einmal Schmerzen im Handgelenk hatte, weiß, dass eine dauerhaft angespannte Faust die Beschwerden sicher nicht verbessert. Genauso wenig hilft es einem schmerzenden Rücken, ihn krampfhaft in einer bestimmten Haltung zu fixieren“, so Harald Kriener.“
Mal rund sitzen, mal aufrecht – das ist normal und gesund. Das Entscheidende ist Bewegung und Abwechslung.

Harald Kriener, Sportphysiotherapeut in Amstetten (NÖ)
Bild: Harald Kriener
Wirbelsäule – robust und anpassungsfähig
Unsere Wirbelsäule hält uns nicht nur aufrecht, sondern ermöglicht auch das Beugen, Strecken und Drehen des Oberkörpers. „Mal rund sitzen, mal aufrecht – das ist normal und gesund. Das Entscheidende ist Bewegung und Abwechslung“, so der Therapeut.
Lange in einer Position zu verharren, ist nicht wegen „falscher“ Haltung ungünstig, sondern aufgrund des Bewegungsmangels. Auch das „Lümmeln“ ist laut dem Experten nicht grundsätzlich schlecht. Es kann den Bandscheiben sogar guttun, weil sie sich dabei regenerieren.
Techniken zum „gesunden“ Heben
Nur mit geradem Rücken und aus den Beinen heben – dieser Mythos hält sich hartnäckig. Doch auch hier gilt: Es gibt nicht eine richtige Technik, sondern mehrere, wie der Physiotherapeut erklärt:
Die Wahl der Technik hängt von Körper, Ziel und Alltag ab. Harald Kriener: „Wer auf dem Bau täglich leichte Dinge hebt, ist mit der Stoop-Technik oft besser beraten. Schweres Heben mit maximaler Kraft kann mit geradem Rücken sinnvoller sein – nicht zwingend aus wissenschaftlicher Evidenz, sondern aus praktischer Erfahrung.“
Menschen mit Schmerzen im unteren Rücken bewegen sich bei einer selbst gewählten Hebetechnik oft langsamer, steifer und beugen die Knie stärker, als beschwerdefreie Personen. Für die Hebetechnik konnten laut dem Physiotherapeuten in Studien jedoch keine Ursache-Wirkung-Zusammenhänge festgestellt werden und sie stellt möglicherweise eine Schutzreaktion des Körpers dar. Daher wäre es mitunter sinnvoll, diesen Stil schrittweise in Richtung Hebetechnik gesunder Menschen zu verändern, um Rückenschmerzen zu reduzieren.
Angst vor falscher Bewegung
Viele Menschen mit Rückenschmerzen vermeiden bestimmte Positionen aus Angst, etwas „falsch“ zu machen. „Doch diese Schonhaltung, verbunden mit Muskelanspannung und Vermeidung, verschlimmert das Problem oft. Die Haltung ist nicht das Problem, sondern die Angst davor“, betont der Therapeut.
Er rät, auch bei Kreuzweh verschiedene Haltungen auszuprobieren sowie regelmäßig die Sitz- und Hebeposition zu wechseln. Ebenso gibt der Experte zu bedenken, dass Schmerzen selten nur von der Körperhaltung abhängen. Stress, Ängste, schlechte Schlafqualität oder Bewegungsmangel spielen eine große Rolle. Auch bedeutet Schmerz nicht automatisch „Schaden“. Oft kann ein nicht beschädigter Körper einfach sehr sensibel reagieren.
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