Der Vorarlberger Dialekt hat bekanntlich seine Eigenarten, insbesondere im Osten Österreichs versteht man nicht immer, was einem der Alemanne sagen will. Der Kabarettist und Autor Stefan Vögel will mit „Vögels Lexikon“ Abhilfe schaffen und Brücken bauen. Heute erklärt er den Begriff „vergitzla“.
Mit dem Zeitwort vergitzla drückt der Alemanne aus, dass ein Mensch vor Ungeduld, Neugier oder Spannung platzt bzw. verzweifelt. Vielfach handelt es sich dabei um ungeduldige Kinder („D’Gofa sind mr fast vergitzlat, bis der Nikolaus ko ischt“), jedoch vergitzlen auch erwachsene Voradelberger („I bin ab dem Puzzle mit da 5000 Teil fast vergitzlat!“).
Die Gründe für das Vergitzeln des Alemannen sind im Wesentlichen dreifaltig: 1.) wenn er das Eintreten eines Ereignisses nicht länger erwarten kann („I bin i dem Wartezimmer dinna fascht vergitzlat!“), 2.) wenn er an der Fertigstellung einer zumeist filigranen Arbeit verzweifelt („I bin a dera Strickete vergitzlat“), oder 3.) wenn er vor Spannung oder Schauergefühl nervös wird („I bi be dem Thriller fascht vergitzlat!“).
Ein Vergitzla im großen Stil kann man sehr gut bei Sportveranstaltungen beobachten, wenn das favorisierte Team nicht den Erwartungen seiner vergitzelnden Fans entspricht („Der trifft des leere Tor ned – es ischt doch zum Vergitzla!“).
Der etymologische Ursprung von vergitzla findet sich in der Geiß und ist leider weniger amüsant, als sein fröhlicher Wortklang vermuten lässt: Laut „Schweizer Idiotikon“ vergitzelt eine Ziege dann, wenn sie aufhört Zicklein zu werfen oder wenn es sich dabei um Totgeburten handelt.
Praktisch sinnidentisch zu vergitzla wird in unserer Mundart das Verb vergatzga eingesetzt, auch wenn dieses im Alltag weit seltener zu hören ist.
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