Eine tödliche Kollision auf dem Bodensee, ein abgelenkter Bootsführer und ein Freund, der die Wahrheit verbiegt. Letzterer fasste am Freitag im Prozess am Landesgericht Feldkirch wegen seiner Falschaussage eine saftige Geldstrafe aus.
Diese Freundschaftshilfe ging gewaltig ins Geld! Satte 9600 Euro muss ein 35-jähriger Mechaniker blechen, weil er nach einem tödlichen Bootsdrama auf dem Bodensee vor Gericht die Wahrheit verbogen hatte. Rückblick: Am 11. Oktober 2025 ist der See spiegelglatt, die Sonne scheint. Ein 26-Jähriger schippert mit drei Freunden in einem sieben Tonnen schweren Motorboot Richtung Konstanz. Pizzaessen ist angesagt. Doch drei Kilometer vor Gaißau wird aus dem vergnüglichen Ausflug ein tödliches Drama. Das Motorboot rammt das leichte Segelschiff eines deutschen Ehepaares. Der Mann rettet sich mit einem Sprung ins Wasser, seine Frau stirbt.
Erst voll bei der Sache, dann abgelenkt
In der ersten Verhandlung im April behauptet der 26-jährige Bootsführer vor dem Einzelrichter noch, das Segelboot nicht gesehen zu haben, obwohl er den See stets im Auge behalten habe. Auch bestreitet er, anderweitig abgelenkt gewesen zu sein. Die Einzelrichterin glaubt die Version nicht und fällt ein Unzuständigkeitsurteil. Wegen des Verdachts auf versuchten Mord wird die Sache zum Fall fürs Schwurgericht.
Dort räumt der Bootsführer unter Tränen schließlich ein, nicht bei der Sache gewesen zu sein. Getränke servieren, Handyfotos verschicken, einen Liegeplatz organisieren und Gespräche führen – all das hatte seine Aufmerksamkeit vom See abgelenkt. Im August wird er zu zwölf Monaten Haft, davon vier Monate unbedingt, verurteilt.
Freund deckte den Bootsführer
Pikant: Auch sein Freund, der während der Unglücksfahrt neben dem 26-jährigen Bootsmann saß, hatte zuvor vor Gericht ursprünglich ein völlig anderes Bild gezeichnet. Der Bootsführer habe aufrecht gesessen, nach vorn geschaut und nur gelegentlich Blickkontakt zu den Mitfahrenden aufgenommen. Ein Handy? Fehlanzeige!
Schuldspruch wegen Begünstigung und Falschaussage
Die Staatsanwaltschaft nahm die Aussage folglich genau unter die Lupe. Mit dem Ergebnis, dass der einstige Zeuge am Freitag selbst auf der Anklagebank Platz nehmen musste. Der sichtlich nervöse Mechaniker gesteht sofort die Lügen im ersten Prozess und bekennt sich zum Vorwurf der Begünstigung und Falschaussage schuldig. Verteidigerin Olivia Lerch erklärt, ihr Mandant habe erst später erkannt, welchen Rattenschwanz seine Aussage nach sich ziehen würde, und verweist auf den Umstand, dass der bislang Unbescholtene aufgrund der tragischen Geschehnisse in Therapie sei. Vor einer saftigen Geldstrafe bewahrt ihn das allerdings nicht, das Urteil ist bereits rechtskräftig.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.