Heikler Prozess

Suicide by cop geplant: „Es ging um Leben und Tod“

Burgenland
06.06.2024 06:00
Porträt von Karl Grammer
Porträt von Christian Schulter
Von Karl Grammer und Christian Schulter

Polizisten mussten einen sogenannten Suicide by cop verhindern. Ein 22-Jähriger stand nun deswegen im Burgenland vor Gericht – ihm dürfte die Tragweite seines Handelns nicht bewusst gewesen sein. 

Der Beruf des Polizisten ist hart und erfordert oft viel Fingerspitzengefühl. Wie heikel und gefährlich die Arbeit sein kann, zeigt ein dramatischer Vorfall, der sich Mitte Februar in Neusiedl am See ereignet hat.

Selbstmordalarm
Weil sie befürchtete, dass ihr Freund (22) seinem Leben ein jähes Ende setzen wird, alarmierte eine junge Frau per Notruf die Polizei in Wien. Die Beamten verständigten sofort die Kollegen im Burgenland.

Messer in der Hand
Als die Uniformierten kurz darauf am Einsatzort eintrafen, stand der Freund der Anruferin mit einem Messer vor ihnen, die Klinge acht Zentimeter lang.

Beamte reagierten schnell
Alles deutete darauf hin, dass der 22-Jährige mit „Suicide by cop“ einen Schlussstrich ziehen wollte. Er wollte erschossen werden. Die Polizisten reagierten geistesgegenwärtig, redeten wohlüberlegt auf ihn ein.

Zitat Icon

Innerhalb weniger Sekunden ging es um Leben und Tod.

Ein Beamter

Schließlich konnten sie die höchst angespannte Situation entschärfen und den Mann beruhigen. „Der Einsatz hätte böse enden können. Dank des besonnenen Vorgehens der Polizisten ließ sich Schlimmeres verhindern“, lautete die Bilanz des kniffligen Falles.

Handeln als gefährliche Drohung
Jetzt musste sich der Angeklagte vor dem Landesgericht in Eisenstadt verantworten. Ihm war die ganze Tragweite seines verzweifelten Handelns offenbar nicht bewusst.

Der Vorwurf: Widerstand gegen die Staatsgewalt. Der 22-Jährige fasste letztlich wegen gefährlicher Drohung eine bedingte Haftstrafe über acht Monate mit drei Jahren Bewährung aus. Zudem muss er 300 Euro Schmerzensgeld an die Polizei zahlen.

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person sich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden oder von Suizidgedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 142. Weitere Krisentelefone und Notrufnummern finden Sie HIER.

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