In nur 45 Minuten!

Softwarefehler kostet Handelsfirma 440 Mio. Dollar

Digital
03.08.2012 16:07
Eine neu installierte Software hat die US-Handelsfirma Knight Capital in nur 45 Minuten 440 Millionen US-Dollar (360 Millionen Euro) gekostet und damit an den Rand des Ruins getrieben, wie US-Medien berichten. Das Programm habe bei Börsenstart am Mittwoch Millionen Aktienanteile gekauft, die das Unternehmen später zu einem viel niedrigeren Preis wieder loswerden musste. Nun sucht die Firma offenbar händeringend nach Investoren oder Kaufinteressenten.

Binnen kürzester Zeit habe das Programm Millionen Aktien von über 140 Unternehmen gekauft und damit vielen zu einem Höhenflug an der Börse verholfen, so die "New York Times". Das größte Durcheinander habe sich zwischen 9.30 und 10.15 Uhr New Yorker Zeit abgespielt, bis die Techniker der Firmer die Software stoppen konnten.

Die 440 Millionen Dollar Verlust habe Knight Capital anschließend eingefahren, als es die unfreiwillig angesammelten Anteile verkaufte. Knight Capital ist nun in ernsten Schwierigkeiten, schließlich kostete der Softwarefehler das Unternehmen mehr, als es im gesamten zweiten Quartal 2012 verdient hat.

Aktie in zwei Tagen 75 Prozent abgestürzt
Die Investoren ließen Knight daraufhin fallen: Die Aktie verlor in zwei Tagen 75 Prozent ihres Werts, der Börsenwert schrumpfte auf gut 250 Millionen Dollar. Dabei galt die 17 Jahre alte Firma als ein Stützpfeiler des Marktes mit einem täglichen Handelsvolumen von 20 Milliarden Dollar, wie das "Wall Street Journal" betonte. Knight-Chef Thomas Joyce hatte sich der Zeitung zufolge am Dienstag am Knie operieren lassen, seit Mittwoch versuchte er stundenlang, Kunden zu beruhigen, und schlief die Nacht auf der Couch in seinem Büro. Die Aufsichtsbehörde Finra habe mittlerweile erste Untersuchungen zu dem Fall aufgenommen.

Käufer dringend gesucht
Knight habe inzwischen die Bücher für mehrere potenzielle Käufer geöffnet, darunter Finanzinvestoren und mindestens einen Konkurrenten aus der Branche, berichtete Bloomberg. Es gehe um einen Einstieg oder eine Übernahme. Unter anderem die Investmentbank Goldman Sachs helfe bei der Suche nach einem Investor, hieß es. Angesichts möglichen Ärgers mit den Aufsichtsbehörden sei unsicher, ob eine große Bank ein ernsthaftes Gebot wage, berichtete der Sender CNBC unter Berufung auf seine Quellen. Inzwischen sei auch das Handelsvolumen drastisch gefallen, weil sich viele Partner verabschiedet hätten.

Programme stürzen Börsen ins Chaos
Es ist nicht das erste Mal, dass Software auf dem Aktienmarkt für Chaos sorgt. Berühmtestes Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist wohl Facebooks Börsenstart: Da die Systeme der Technologiebörse Nasdaq mit den Millionen Kauf- und Verkaufsanträgen überfordert waren, war auch nach Stunden nicht klar, ob Order erfolgreich abgewickelt worden waren.

Dass nun ausgerechnet Knight Capital ebenfalls von einem Softwarefehler heimgesucht wird, sei besonders unangenehm für den Chef des Unternehmens, Thomas Joyce, so die "New York Times". Schließlich habe sich Joyce lautstark über die Probleme Nasdaqs beim Facebook-Börsenstart beschwert, hatte doch seine Firma dabei 35,4 Millionen Dollar verloren (siehe Infobox).

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