Putin Hand reichen. Von den Putin-Verstehern, von jenen (teils hochrangigen) Österreichern, die mitunter schon die längste Zeit Verständnis, nicht selten auch Sympathie für den russischen Despoten gezeigt haben, war hier, wie auch in der „Krone“, gestern die Rede. Nachdem nun auch Alexej Nawalnij, der gefährlichste Widersacher des fürchterlichen Kreml-Zaren, der seit zwei Jahren einen schrecklichen Krieg gegen das Nachbarland Ukraine führen lässt, in einem Putin-Gulag zu Tode kam, wurde hier an die „lieben österreichischen Putin-Freunde“ die Frage gestellt, ob sie ihren „Spezi“ immer noch verstehen, ob sie ihm wieder die Hand schütteln würden, „obwohl an seinen Fingern Hektoliter Blut kleben“. Wenig überraschend halten da hochrangige Putin-Versteher still. Auch nachdem Vizekanzler Werner Kogler in der Sonntags-Pressestunde im ORF zum Rundumschlag gegen die „blauen Putin-Brüder“ ansetzte. Doch weniger prominente Putin-Freunde halten weiter nicht mit ihrer unverbrüchlichen Meinung hinter dem Berg. Einer schrieb mir, er verstehe sehr wohl, „dass sich Russland nach all den Angriffskriegen und dem gesprochenen Versprechen (gemeint keine NATO-Erweiterung nach Osten) bedroht fühlt“. Ein weiterer meint: „Die Auswirkungen der kriminellen USA-Politik im Nahen Osten sind mehr eine Gefahr als Putin.“ Besonders bemerkenswert, was ein nach Eigendefinition „Putin-Versteher der ersten Stunde“ schreibt: „Ja, ich verstehe meinen Spezi immer noch, ich würde ihm auch die Hand reichen, zumindest lieber als Van der Bellen.“ Das kann man unkommentiert lassen.
Alle Tassen im Schrank?Doch auch Putin-Nicht-Versteher melden sich zu Wort. Der treue „Krone“-Leser und „Krone“-Leserbriefschreiber Heinz Vielgrader etwa fragt, wie könne man einen Menschen verstehen, „der als Staatschef Angriffskriege befiehlt, unschuldige Zivilisten ermorden lässt, seine Widersacher aus Hotelzimmer stürzen oder wie den mutigen Oppositionellen Nawalny zuerst vergiften und nun im sibirischen Lagergefängnis verrecken lässt“. Auch Claus Pándi beschäftigt sich in seinem Kommentar in der Montags-„Krone“ mit den Entwicklungen in Russland und den österreichischen Reaktionen darauf. Er beschäftigt sich in der Kolumne damit, dass „jetzt der österreichische Bundeskanzler und der Außenminister an Moskau die Aufforderung richten, der Tod von Alexej Nawalnij müsse ,unabhängig untersucht und lückenlos aufgeklärt werden´.“ Der SPÖ-Politiker Matznetter ergänzte die amtliche Formel der Regierung „noch um den unsinnigen Zusatz, dass die ,Täter ausgeforscht und bestraft werden müssen´.“ Pándi ist sich sicher, dass Putin davon nie erfahren werde, „aber sollte er, dann wird er sich fragen, ob die Österreicher noch alle Tassen im Schrank haben.“ Aber vielleicht versteht der perfekt Deutsch sprechende russische Despot die Österreicher besser als wir uns manchmal selbst.
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