Wohnungsloser erzählt

Obdachlos: Kärntner lebt in einem Kellerabteil

Kärnten
22.10.2022 09:01

Sie leben zwar nicht auf der Straße, aber was Wohnungslose ihr Zuhause nennen, ist oft nicht mehr als eine Bruchbude oder ein Kellerloch. Ein Wohnungsloser erzählt, wie er neue Hoffnung geschöpft hat.

Wer im Substandard oder sogar darunter hausen muss, hängt das nicht gern an die große Glocke. Wohnungslose leben unter uns, ohne dass man ihnen die oft unerträglichen Lebensumstände gleich ansieht. Diese Menschen fristen ihr Leben zwar nicht auf der Straße, dennoch werden sie durch ihre prekäre Wohnungssituation an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Ihr Zuhause verdient die Bezeichnung Wohnung nicht, auch wenn dafür zum Teil durchaus ordentlich Geld verlangt wird.

Die Sozialplattform WoSaMa macht es sich zur Aufgabe, diese Problematik sichtbar zu machen. Derzeit mit einer Poster-Ausstellung, die gerade in Klagenfurt (City Arkaden), Villach, Spittal (jeweils Together Point) und Wolfsberg (Zentrum Asphalt ) zu sehen ist. Betroffene geben mit Fotos Einblicke in ihre dramatische Realität, ihren Kampf ums Überleben.

Vier Arten, nicht zu wohnen

Nach internationaler Definition gibt es vier Kategorien für diese Problematik. Obdachlosigkeit, also das Leben auf der Straße, dann nach der Qualität der Bleibe: Wohnungslosigkeit, ungesichertes Wohnen und ungenügendes Wohnen.

„Das sind besonders in den Zentralräumen Kärntens auch immer mehr Menschen aus der Mittelschicht, die wohnungslos werden, weil die Lebenskosten die Einkünfte übersteigen, Menschen, die arbeiten und die das entsprechend verbergen müssen, sich aus Scham auch nicht obdachlos melden“, weiß Mara Lesjak vom WoSaMa. Oder wie es eine junge Mutter schildert: „Ich bin jeden Tag in der Früh hinaus, so als hätte ich ein ganz normales Leben, tat so, als ob ich dazugehörte, redete mit niemandem, machte mich in der Menge unsichtbar.“

319 Menschen

sind laut Sozialministerium in Kärnten als obdach- oder wohnungslos registriert. Die Dunkelziffer der nicht Registrierten soll aber sogar doppelt so hoch sein.

Dementsprechend unklar ist auch, wie viele Menschen tatsächlich betroffen sind. In ganz Österreich sollen es rund 22.000 Obdach- und Wohnungslose sein. Die Bundesbearbeitungsgemeinschaft für Wohnungslosigkeit führte 2019 eine Studie für Klagenfurt durch und kam auf 619, die offizielle Zahl für Kärnten beträgt wiederum 319. Die Caritas wird derzeit von 50 Klienten als Postadresse genutzt.

Betroffenen wird Miete abgenommen
Wofür den Betroffenen am privaten Wohnungsmarkt Miete abgenommen wird, ist bedenklich. Da gibt es Wohnungen mit einem Loch statt eines Fensters um 250 Euro im Monat, völlig verschimmelte Zimmer für mehrere Personen um 500 Euro. Und die Instandhaltungspflicht der Vermieter? „Nicht wenn jemand dringend darauf angewiesen ist, zu zahlen bereit ist und sich nicht beschwert“, so eine Sozialarbeiterin.

Wohnungsloser erzählt...
Die erste Wohnungslosigkeit erlebte Raffi mit 18 Jahren, als seine Mutter ins Frauenhaus musste, wohin Burschen ab 15 nicht mitdürfen. Aus seiner ersten eigenen Wohnung musste der gelernte Maurer bald nach dem Jobverlust wieder raus. „Ich hatte Mietrückstand und war ehrlich gesagt nicht der Leiseste“, gesteht der mittlerweile 21-Jährige, der in einem Kellerabteil eine neue Bleibe gefunden hat - ein mal drei Meter groß, mit einem kleinen Fenster, kein Strom, kein Wasser. Dort hat er seine Couch hineingezwängt.

„Das ist erniedrigend“, erklärt Raffi, der bisher bemüht war, nur den engsten Kreis etwas merken zu lassen. Vor zwei Monaten hat er sich dann obdachlos gemeldet. „Das war ich schon vorher, aber erst jetzt ist was ins Rollen gekommen.“ Im November wird ihm eine Wohnung zugewiesen. Er rät allen, denen es ähnlich ergeht: „Durchhalten und nicht aus Scham auf Hilfe verzichten!“

„Bei der Wohnungssuche sind junge Männer letztgereiht. Aber ohne Meldeadresse kann man sich nicht arbeitslos oder wohnungssuchend melden. Man gerät in einen Strudel“, sagt Sozialarbeiterin Lisa Schittenkopf.

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