Tötete drei Menschen

Kopenhagen: Amokläufer „war Psychiatrie bekannt“

Ausland
05.07.2022 17:07
Porträt von krone.at
Von krone.at

Der mutmaßliche Amokläufer von Kopenhagen, der am Sonntagabend in einem Einkaufszentrum drei Menschen getötet und mehrere verletzt haben soll, war nach Angaben der Polizei „in der Psychiatrie bekannt“. Seine Untersuchungshaft wird der 22-Jährige in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung verbringen.

Nach Recherchen des Senders DR soll der Mann vor der Tat versucht haben, eine Krisen-Hotline zu erreichen. Während der Untersuchungshaft soll der geistige Zustand des Verdächtigen untersucht werden. Details zu seiner Vorgeschichte sind jedoch noch nicht bekannt. Auch das Motiv für die Tat ist noch unklar. Terror soll aber nicht dahinter stecken.

Debatte über Missstände in der Psychiatrie
Angesichts der Krankengeschichte des Verdächtigen ist eine Debatte über den Umgang mit psychisch kranken Menschen im Land entbrannt. „Man kann alle möglichen Vermutungen anstellen: War der Täter psychisch krank? War er in der Psychiatrie? Hat er um Hilfe gebeten, ist aber nicht verstanden worden?“, sagte Psychiatrie-Professor Poul Videbech von der Universität Kopenhagen am Dienstag im dänischen Fernsehen. Um zu verhindern, dass solch eine Tat sich wiederhole, müsse gründlich untersucht werden, was ihr vorausgegangen sei: „Aus Rücksicht auf die Opfer, die Hinterbliebenen - und so gesehen auch auf uns alle - müssen wir das Maximale aus so einer schrecklichen Geschichte lernen“, betonte Videbech.

Nach Einschätzung der Vorsitzenden der Dänischen Psychiatrischen Gesellschaft, Psychiatrie-Professorin Merete Nordentoft, wären in der Psychiatrie rund ein Drittel mehr Mitarbeiter nötig, um psychisch Kranke angemessen zu betreuen. „Ich bin einer Meinung mit denjenigen, die da draußen sitzen und denken, dass das System so unter Druck ist, dass solche Dinge passieren können“, lautete der Befund der Professorin.

Gedenkveranstaltung am Tatort
Auf der Straße vor dem Tatort, die bis Mitternacht abgesperrt bleiben soll, wollen sich am Dienstagabend zahlreiche Menschen versammeln, um der Opfer des Amoklaufs zu gedenken. Dort wollen Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und Kopenhagens Oberbürgermeisterin Sophie Hæstorp Andersen Reden halten. Außerdem soll ein Chor singen. „Komm und zeig deine Unterstützung“, schrieb die Kommune Kopenhagen am Dienstag auf Twitter.

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