04.07.2022 08:52 |

Kein Terror-Motiv

„Überall Chaos“: Schock nach Bluttat in Kopenhagen

In einem Kopenhagener Einkaufszentrum sind am Sonntagabend Schüsse gefallen. Nach jüngsten Angaben der Polizei starben bei dem Vorfall drei Menschen. Kurz nach der schrecklichen Bluttat gab es eine Festnahme: Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen 22 Jahre alten Dänen. „Plötzlich ist überall Chaos ausgebrochen. Viele von uns haben geweint. Ich habe noch immer Herzrasen“, erzählte eine Teenagerin dem dänischen Rundfunk. Nach Ansicht der dänischen Polizei hat es sich nicht um eine Terrortat gehandelt. 

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„Es gibt keine Hinweise in den Ermittlungen, Dokumenten oder Zeugenaussagen, die belegen könnten, dass es sich um Terror handelt“, sagte Chefinspekteur Søren Thomassen am Montag dem Sender TV2 zufolge. Der mutmaßliche Täter habe wahllos auf Menschen gefeuert. Dabei starben ein 47-jähriger Mann mit russischer Staatsbürgerschaft, der in Dänemark lebte, sowie zwei 17-Jährige. Zudem wurden mindestens vier Menschen verletzt, darunter zwei Schweden.

In Panik aus Einkaufszentrum geflüchtet
Bei den Verletzten handele es sich um eine 40-jährige und eine 19-jährige Dänin sowie einen 50-jährigen Mann und eine 16-jährige Frau aus Schweden, sagte der Chefinspekteur. Außerdem seien einige Menschen leicht verletzt worden, als sie in Panik aus dem Einkaufszentrum flüchteten.

Verdächtiger ist der Polizei „peripher“ bekannt
Der Verdächtige sei der Polizei bekannt, allerdings nur „peripher“, sagte Thomassen in einer Pressekonferenz. Es handle sich nicht um eine Person, „die wir besonders gut kennen“. Thomassen sagte weiters, der mutmaßliche Schütze habe allem Anschein nach alleine gehandelt. Es gebe keine Hinweise, dass der festgenommene 22 Jahre alte Däne Komplizen gehabt habe. Der Mann habe sich in der Vergangenheit Hilfe in einer Psychiatrie gesucht. Zu einem Motiv wollte sich Thomassen zunächst nicht äußern. Die Polizei hatte zuvor eine Wohnung im Kopenhagener Stadtteil Valby durchsucht.

Frauen mit Kindern brachten sich in Sicherheit
Laut Augenzeugenberichten hatte der Täter versucht, Menschen in dem Einkaufszentrum in die Falle zu locken, indem er ihnen beispielsweise sagte, seine Waffe sei nicht echt. Nach den ersten Schüssen flüchteten dann mehr als 100 Menschen aus dem Einkaufszentrum, wie dänische Medien berichteten. Frauen mit ihren Kindern auf dem Arm brachten sich in Sicherheit, Rettungshelfer trugen Menschen auf Tragen weg.

„Plötzlich brach überall Chaos aus“
Auch der Zeitung „Jyllands-Posten“ sagten Zeuginnen, sie hätten Schüsse gehört. „Man wusste nicht, was passiert. Plötzlich brach überall Chaos aus“, sagte die 20-jährige Emilie Jeppesen dem Blatt. Ihre Freundin Astrid Kofoed Jørgensen erklärte: „Jeder im Restaurant wurde in die Küche geschickt, dann saßen wir dort und konnten drei oder vier Schüsse hören.“

„Wir hatten richtig viel Angst“
Eine Teenagerin verschanzte sich mit zehn anderen auf einer Toilette und harrte dort mehr als zwei Stunden aus. „Wir hatten richtig viel Angst, das war ein schreckliches Erlebnis“, erzählte das Mädchen dem dänischen Rundfunk. Auf dem Weg nach draußen habe sie Blut und Verletzte gesehen. 

Oberbürgermeisterin: „Furchtbar“
Die Kopenhagener Oberbürgermeisterin Sophie H. Andersen twitterte, es sei „furchtbar“. „Wir wissen noch nicht genau, wie viele Menschen verletzt oder tot sind, aber es ist sehr ernst.“ Die Stadt stehe in engem Kontakt mit der Polizei und sei bereit, zu helfen.

Das dänische Königshaus rief zum Zusammenhalt auf. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen verurteilte die Tat als „grausamen Angriff“. „Wir alle wurden brutal aus dem strahlenden Sommer gerissen, den wir gerade erst begonnen hatten“, erklärte sie. „Es ist unverständlich. Herzzerreißend. Zwecklos. Unsere schöne und sonst so sichere Hauptstadt wurde im Bruchteil einer Sekunde verändert.“

Es ist das zweite Mal innerhalb kurzer Zeit, dass es in einer skandinavischen Hauptstadt einen Angriff gibt. Erst vor gut einer Woche waren in einer Schwulen-Bar in Oslo zwei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Der norwegische Geheimdienst PST stuft diese Attacke als islamistischen Terroranschlag ein.

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