Mehr als 70 Jahre lang wussten sie nichts von der Existenz der jeweils anderen: Nun haben sich zwei Halbschwestern aus England und Italien zum ersten Mal getroffen. Ermöglicht hat das eine Tochter, die die Geschichte ihres Großvaters recherchierte und Social Media nutzte, um Kontakt zur Verwandten ihrer Mutter aufzunehmen.
Die italienische Zeitung „Liberta“ berichtete, dass der Großvater von Clare, Renato Labo, im Zweiten Weltkrieg von einem kleinen Dorf in Emilia Romagna nach Ägypten ging. Dort geriet der Soldat in britische Gefangenschaft und musste nach dem Waffenstillstand auf einem Bauernhof in der englischen Grafschaft Somerset arbeiten. Auf dem Hof verliebte er sich in die Tochter des Besitzers, Clares Großmutter. Sie bekam eine Tochter namens Gin, von deren Existenz Renato aber nie erfuhr, weil er nach Kriegsende nach Italien zurückkehrte. Gins Mutter beschloss, ihre Tochter alleine zu erziehen und den italienischen Kriegsgefangenen zu vergessen. Nur ihre Schwester behielt ein Foto und erinnerte sich an seinen Namen.
Suche dauerte Jahre
Dennoch war die jahrelange Suche von Clare, mögliche Verwandte ihrer Mutter zu finden, kompliziert, da sie nur wenige Informationen hatte. Mithilfe des Roten Kreuzes gelangte sie zu einer Liste der Internierten des Lagers Motcombe 47 und stellte fest, dass nur zwei Personen den Namen Renato trugen. Nachdem sie die Facebook-Gruppe der Einwohner und Einwohnerinnen von Sarmato in Emilia Romagna um Informationen gebeten hatte, wurde sie an Eugenia Labo verwiesen, die Halbschwester ihrer Mutter. Diese erkannte ihren Vater auf Fotos und traf sich kürzlich erstmals mit Gin in der norditalienischen Stadt Piacenza.
Kommunikation über Angehörige
Das Treffen war seit etwa zwei Jahren geplant, hatte sich durch die Pandemie aber verzögert. Die beiden Damen konnten nun feststellen, dass sie sich ähnlich sehen und ihr Kennenlernen mit einem Restaurantbesuch feiern. Da Gin kein Italienisch und Eugenia kein Englisch spricht, lief die Kommunikation über Angehörige.
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