„Schlupfloch“ gefunden

Das bedeuten Trumps neue Zölle für die EU

Außenpolitik
24.07.2026 11:55

Donald Trumps neue Zölle gelten für die Importe aus rund 60 Ländern – betroffen ist auch die Europäische Union. Die Begründung für die neuen Aufschläge kam wohl für viele überraschend. Europa dürfte aber nicht zwingend schlechter abschneiden als zuvor ...

Es ist bei Weitem nicht das erste Mal, dass Trump Importgebühren verwendet, um die Handelsinteressen der USA gegenüber unliebsamen Handelspartnern durchzusetzen. Dieses Mal lautet die Begründung, rund 60 Handelspartner würden nicht streng genug gegen Zwangsarbeit vorgehen.

Neue Zölle gerade zum Auslaufen des alten Zollsatzes
Die Trump-Regierung hat am Freitag neue Zölle von zehn und 12,5 Prozent  auf Waren aus 60 Handelspartnerländern verhängt. Die Ankündigung der Zölle geschah just zu dem Zeitpunkt, als ein befristeter globaler Zoll von 10 Prozent auslief. Diesen verhängten die USA seit dem 24. Februar auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland. Die Trump-Regierung konnte den Zollsatz jedoch maximal 150 Tage lang erheben – damit wäre also am Freitag Schluss gewesen.

Was heißt das genau für die EU?
Für die EU greift den Angaben zufolge jedoch auch künftig ein allgemeiner US-Zollsatz von zehn Prozent – es wird sich vermutlich also „gar nicht so viel“ ändern, schätzt Wifo-Chef Gabriel Felbermayr. Die Zölle gelten auf nahezu alle Importe – mit bestimmten Ausnahmen. Die gelten vor allem auf Produkte, die ohnehin schon anderen Zöllen unterliegen, wie zum Beispiel Stahl und Aluminium. Auch Öl und Gas sind einem US-Beamten zufolge nicht betroffen. Weitere Ausnahmen gibt es für Waren, die zuvor bereits auf ein Schiff geladen wurden.

Zollbefreiungen für bestimmte Produkte
Auch für „bestimmte europäische Produkte wie Kork und Diamanten“ soll es Zollbefreiungen geben. Damit wolle man eine „positive Dynamik“ für transatlantische Gespräche über Themen wie strategisch wichtige Rohstoffe schaffen, erklärte EU-Sprecher Olof Gill.

Bisher galt: Maximal 15 Prozent Zoll auf Importe aus EU
Bisher gab es eine Obergrenze von 15 Prozent beim Zoll auf die meisten Produkte aus der EU. Darauf hatten sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump im August 2025 geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. Das Handelsabkommen ist auch als „Turnberry-Deal“ bekannt. Die USA hielten sich weitgehend an das Abkommen: Für 93 Prozent der Produkte wurden maximal 15 Prozent Zoll erhoben. Käse wurde jedoch zum Beispiel mit knapp 25 Prozent verzollt.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump einigten sich im August 2025 auf Zölle ...
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump einigten sich im August 2025 auf Zölle von maximal 15 Prozent.(Bild: AFP/BRENDAN SMIALOWSKI)

Deshalb sind Trump jetzt plötzlich Zwangsarbeiter wichtig
Den neuen Zollsatz machen die USA den Angaben zufolge davon abhängig, ob Handelspartner Verbote für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren wirksam durchsetzen. Die EU handelt nach US-Darstellung in dieser Hinsicht nicht entschlossen genug. Zwar hat sie bereits Ende 2024 eine Verordnung gegen Zwangsarbeit erlassen, diese greift jedoch erst nach einer Übergangsfrist von drei Jahren – also im Dezember 2027.

Zwangsarbeit schien nicht auf Trumps Agenda zu stehen. Diesmal war es der Regierung jedoch wichtig, dass die Zölle kein Zeitlimit haben, wie der „Spiegel“ berichtet. Deshalb hat sich Trumps Handelsministerium wohl den Abschnitt 301 aus dem Handelsgesetz von 1974 ausgesucht: Demnach können die USA Länder mit Zöllen belegen, die mit Waren aus Zwangsarbeit handeln. Diese Art von Aufschlägen gelten als schwer anfechtbar.

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