Dass ein Grüner die Macht hat, alle anderen Parteien vor sich herzutreiben, ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Bundespräsidentenwahl. Der Wiederantritt Alexander Van der Bellens bringt nämlich alle anderen Parteien gehörig unter Zugzwang. Vor allem die FPÖ hat ein gehöriges Problem.
Denn die Blauen sind aufgrund ihrer universellen „Ich bin dagegen“-Haltung dazu verdammt, einen Kandidaten für den kommenden Urnengang im Herbst aufzustellen. Das Hinnehmen eines Grünen kann nicht nur aus ideologischen, sondern auch aus taktischen Gründen in keinem Fall vollzogen werden. Eine Protestpartei, die nicht gegen den Status quo protestiert - das ist nicht nur ein Widerspruch in sich, sondern würde schon aus optischen Gründen nicht gehen!
Kein grober Schnitzer von Van der Bellen
Das Problem dabei: Realistische Chancen für einen „Palaststurz“ hat ein Gegenkandidat nicht. Amtierende Bundespräsidenten werden in der Regel wiedergewählt, sofern sie in ihrer Amtszeit keine ganz groben Schnitzer gemacht haben. Auch wenn die Blauen nun poltern, dass das Land unter Van der Bellen völlig vor die Hunde gegangen ist - dass er die Regierung nicht beim ersten Geschrei von rechts abgesetzt hat, macht ihn noch lange nicht zu einem schlechten Staatsoberhaupt.
Gesucht: Jemand, den man verheizen kann
Dass der größte Widersacher Van der Bellens, Norbert Hofer, dieses Jahr auslassen möchte, spricht dafür, dass selbst die FPÖ um ihre Chancen bei dem Urnengang im Herbst Bescheid weiß. Hofer soll nicht verheizt werden - um dann als strahlender Konterpart bei der nächsten Wahl 2028 zurückzukehren. Eine kluge Strategie, die Frage ist nur: Welchen glücklosen Tropf schickt man dann diesen Herbst vor, um eine Wahlschlappe zu kassieren?
Für Antritt müsste FPÖ wohl viel bieten …
In Stellung gebracht wird dafür Susanne Fürst, die schon jetzt als „österreichische Marine Le Pen“ gehandelt wird. Es wäre schade um sie, immerhin ist sie eine solide Abgeordnete, die vielleicht sogar das notwendige Profil für ein solches Amt mitbringen würde. Es wird sich zeigen, ob das Angebot, das Herbert Kickl ihr macht, ausreichend ist, dass sie sich dieser Nullnummer-Wahl auch tatsächlich stellt. Hoch gewinnen wird sie’s nämlich nicht!
Kickl gegen Van der Bellen - das wäre das TV-Duell des Jahres!
Und da wäre noch die Theorie, dass Kickl sich selbst aufstellen könnte. Das würde das Blatt allerdings wenden und der Bundespräsidentenwahl eine Portion Würze verleihen. Auch für ihn wäre es von Vorteil: Kickl könnte mit seiner Bekanntheit problemlos ein „Links gegen rechts“-Duell inszenieren. Ob sich Van der Bellen dann traut, mit ihm in einem TV-Duell zu diskutieren? Quotenträchtig wäre es!
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