25.02.2022 10:38 |

Krieg in der Ukraine

Glauben Sie nicht, was Sie im Social Web sehen

In der Ukraine herrscht Krieg. Der russische Einmarsch wird in sozialen Medien von zahlreichen Bildern und Videos begleitet. Doch kann man glauben, was darauf zu sehen ist? Laut Fakten-Check nicht: Oft verkaufen Social-Media-Accounts mehrere Jahre alte Aufnahmen als neu, teils werden Szenen aus Computerspielen als Bilder aus der Ukraine verkauft. Die Betreiber kommen mit dem Löschen kaum hinterher. Wer dieser Tage soziale Medien konsumiert, sollte also skeptisch sein.

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Das berichtet das IT-Nachrichtenportal „Gizmodo“, das aktuell auf Twitter und YouTube kursierende Fotos und Videos gesichtet hat, die angeblich aus der Ukraine stammen sollen. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich viele dieser Bilder allerdings als Fake.

Beispiel 1: Russische Bomber über Kiew?
Ein aktuelles Beispiel für Fake-News im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise ist ein hochformatiges Handyvideo, das angeblich russische Bomber über der Hauptstadt Kiew zeigen soll.

Das Video ist echt, allerdings weder vom Februar 2022 noch aus der Ukraine. Es handelt sich um Aufnahmen, die bereits 2020 auf YouTube landeten und eigentlich in Moskau aufgenommen wurden. Die Bilder zeigen eine Flugshow der russischen Luftstreitkräfte.

Beispiel 2: Flak-Feuer über der Ukraine?
Auf Twitter kursieren unscharfe Aufnahmen, die nächtliches Feuer der ukrainischen Luftabwehr zeigen sollen. Leuchtmunition steigt in dem Clip in den wolkenverhangenen Himmel.

Weniger unscharfe Versionen zeigen seine wahre Herkunft. Es handelt sich um ein Video aus dem Computerspiel „War Thunder“, das die virtuelle Umsetzung des israelischen Raketen-Abwehrschildes „Iron Dome“ zeigt.

Beispiel 3: Explodierendes Kraftwerk in Luhansk?
Zuerst eine kleine, dann eine gigantische Explosion und riesige Flammenwände: Ein Twitter-Account verbreitet ein spektakuläres Handyvideo, das aus der ostukrainischen Stadt Luhansk stammen soll.

In Wahrheit stammt das Video aus dem Jahr 2015 und wurde im chinesischen Tianjin aufgenommen. Es zeigt mitnichten russische Luftangriffe auf die Ukraine, sondern eine Chemieexplosion in der chinesischen Hafenstadt, bei der 55 Menschen ums Leben kamen.

Beispiel 4: Russischen Jet abgeschossen?
Auf einem Bild, das den Abschuss eines russischen Kampfjets über der Ukraine zeigen soll, ist eine Explosion zu sehen, der Pilot rettet sich mit dem Schleudersitz. Auf Twitter wird behauptet, das Foto zeige einen Abschuss durch die ukrainische Luftabwehr.

Tatsächlich stammt das Foto aus dem Jahr 2017 und wurde im Jemen aufgenommen. Für den Fake wurde das Foto schlicht etwas manipuliert. Die neue Version ist spiegelverkehrt.

Beispiel 5: Mega-Explosion in ukrainischem Hafen?
Ein Twitter-Account erklärt auf Chinesisch, „Putin der Große“ habe die Ukraine angegriffen und auf einem Video mit einer gewaltigen Explosion in einer Hafenstadt sei das zu sehen.

Die Bilder sind noch gar nicht so alt und stammen aus dem Jahr 2020 aus der libanesischen Hauptstadt Beirut: Dort explodierten im Sommer 2020 mehr als 2700 Tonnen Ammoniumnitrat, die im Hafen gelagert wurden. Weite Teile Beiruts wurden verwüstet.

Beispiel 6: Waghalsige nächtliche Flugmanöver?
Auf einem weiteren hochformatigen Video, das derzeit auf Twitter kursiert, ist nächtlicher Beschuss eines Kampfjets zu sehen - angeblich durch die ukrainische Luftabwehr. Der russische Pilot zeige in dem Video außergewöhnliches Können, kommentiert ein Twitter-User.

Zu sehen sind hier Szenen aus einem Computerspiel: Das vermeintliche nächtliche Duell zwischen dem russischen Piloten und der ukrainischen Flugabwehr stammt aus „Arma 3“. Der Taktik-Shooter wurde 2018 schon einmal vom russischen Staatsfernsehen genutzt: „Arma 3“-Szenen tauchten damals in einen Beitrag über den Krieg gegen den IS in Syrien auf.

Twitter entfernte in der Nacht auf Freitag viele Beiträge mit Fake-Videos und -Bildern aus der Ukraine, doch zuvor waren diese stundenlang online. Auch YouTube dürfte eifrig an der Moderation arbeiten. Doch der Kampf gegen Propaganda ist ein Katz-und-Maus-Spiel: Es werden laufend neue Bilder hochgeladen, die überprüft werden müssen.

Fazit: Soziale Medien verheißen Echtzeit-Informationen aus Krisengebieten, sind aber auch ein wichtiger Schauplatz des Propagandakriegs. Kein Wunder, dass sie nach Putins Einmarsch in der Ukraine voller Fake-Beiträge sind. Wer auf Twitter, YouTube und anderen Plattformen unterwegs ist, sollte das dieser Tage im Hinterkopf behalten und skeptisch sein.

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