Sa, 18. August 2018

Libyen-Bürgerkrieg

18.05.2011 21:39

Frau und Tochter von Gadafi nach Tunesien geflüchtet

Die Familie des libyschen Machthabers Muammar al-Gadafi befindet sich offenbar auf der Flucht aus dem Bürgerkriegsland. Wie die tunesischen Sicherheitskräfte am Mittwochabend mitteilten, haben Gadafis zweite Ehefrau Safia (Bild li.) und seine einzige Tochter Aisha (Bild re.) die Grenze zum Nachbarland Tunesien überquert. Einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Ansa zufolge soll mit ihnen auch Gadafis Sohn Mohammad geflüchtet sein.

Die 35-jährige Juristin Aisha ist die einzige Tochter des Herrschers. Sie studierte in Tripolis und Paris und gehörte zu der Gruppe von Rechtsanwälten, die den gestürzten und später hingerichteten irakischen Diktator Saddam Hussein verteidigt hatte. Sie ist seit 2006 mit einem Cousin ihres Vaters verheiratet und leitete zuletzt eine libysche Wohltätigkeitsorganisation. In Trippolis soll sie eine Privatklinik besitzen.

Bereits Ende Februar hatte es Berichte gegeben, wonach die Gadafi-Tochter versucht haben soll, sich ins Ausland abzusetzen. Zunächst sei sie mit einem Privatflugzeug nach Malta geflogen, habe aber keine Landeerlaubnis erhalten, hieß es. Zwei Tage später kamen Gerüchte auf, sie sei nach Wien gereist und mit ihrer Mutter Safia in einem Hotel am Ring abgestiegen. Die Behörden dementierten umgehend.

"Ich werde standhaft bleiben"
Dass sie in Libyen geblieben war, bewies Aisha, indem sie sich vor demselbem Gebäude in Tripolis an das libysche Volk richtete, vor dem ihr Vater Tage zuvor eine wütende Rede gehalten hatte. "Ich sage allen Libyern und Libyerinnen, die mich geliebt haben und die ich geliebt habe und die mich gut kennen, dass ich standhaft bleibe", so die Tochter Gadafis. Wochen später rief sie die Libyer dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen, und gab Durchhalteparolen aus. "Wer Gadafi nicht will, der verdient nicht zu leben", sagte sie. Ihr Vater halte sich nicht nur in Libyen auf, "sondern er ist in den Herzen aller Libyer".

Gadafi soll Ende April einen NATO-Luftangriff unverletzt überlebt haben. Libyschen Regierungsangaben zufolge hielt er sich im Haus seines Sohnes Saif al-Arab auf, als dieses von NATO-Bombern in Schutt und Asche gelegt wurde. Saif al-Arab sowie drei Enkel Gadafis kamen bei dem Luftschlag ums Leben.

Tunesische Regierung droht Tripolis
Indes belasten die anhaltenden Kämpfe im Grenzgebiet zwischen Libyen und Tunesien zunehmend die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Nach Augenzeugenberichten schlugen alleine am Mittwoch Dutzende Granaten aus Libyen in der Nähe des tunesischen Grenzortes Dehiba ein. Sie richteten zwar keinen Schaden an, doch Tunesien will diese Grenzverletzungen nicht mehr hinnehmen. Die Regierung in Tunis drohte Gadafis Regime mit "harten Gegenmaßnahmen". So werde man sich wegen der schweren Grenzverletzungen an den UN-Sicherheitsrat wenden, hieß es in einer Erklärung des tunesischen Außenministeriums.

Libysche Regimegegner in der westlichen Enklave Misrata versuchen unterdessen weiter, sich aus der Umklammerung durch die Gadafi-Einheiten zu befreien. Bei Kämpfen um die westlich von Misrata gelegene Ortschaft Taworgha wurden nach Angaben der Opposition am Dienstag 19 Soldaten und acht Aufständische getötet.

UNO fordert von Konfliktparteien Feuerpause
Die UNO verhandelt mit der libyschen Regierung, den Rebellen und der NATO über eine ein- bis dreitägige Feuerpause, um Hilfslieferungen für die Zivilbevölkerung im Land zu ermöglichen. Es gehe darum, der verzweifelten Bevölkerung lebensrettende Hilfe zukommen zu lassen, sagte der UN-Koordinator für die Libyen-Hilfe, Panos Moumtzis, am Mittwoch. Vor allem im Westen des Landes, wo rund 80 Prozent der Bevölkerung leben, fehlten Nahrungsmittel und Medikamente. Eine Feuerpause würde es auch Ausländern, Verletzten und anderen Ausreisewilligen ermöglichen, das Land zu verlassen.

Bei Gesprächen am Freitag in Tripolis werde er sich um Sicherheitsgarantien für UN-Mitarbeiter bemühen, damit diese nach Misrata und in die Berge im Westen gelangen könnten, sagte Moumtzis. "Unser Ziel ist nicht politischer Art, es ist ausschließlich geleitet von humanitären Prinzipien und Werten." Nach einem Überfall auf ihr Büro haben die Vereinten Nationen am 1. Mai ihre Vertretung in Tripolis geschlossen.

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